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Konstanz Frieder Schindele wechselt zur SPD

29.11.2008
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Der Konstanzer Stadtrat Frieder Schindele wechselt überraschend von der Neuen Linie (NL) zur SPD.

Sie sind einst angetreten, die etablierte Politik aufzumischen. Neue Linie nannte sich die Gruppierung daher. Nun verlässt sie nach annähernd 15 Jahren ausgerechnet der profilierteste Kopf: Stadtrat Frieder Schindele wechselt überraschend zur SPD-Fraktion.

Das muntere Wechselspielchen im Gremium geht damit weiter. Vor wenigen Wochen erst sind Regine Rebmann und Dieter Fulde mit wehenden Fahnen von der FDP zu den Freien Wählern geflüchtet. Doch Schindele will bei seinem Wechsel nicht vom politischen Groll sprechen. „Ich orientiere mich nur neu“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Mit der Neuen Linie scheint das zu passieren, was den Grünen bundesweit gerne vorgehalten wird: Sie ist Teil des etablierten politischen Systems geworden, mit allem Wenn und Aber. So ist Frieder Schindele dreimal in den Gemeinderat gewählt worden. Mehr geht nicht laut Satzung. Dies sei für ihn aber nicht der Grund zum Wechsel, sagte der Werbefachmann mit dem Dreitagebart. Eine so kleine Gruppierung habe kaum Chancen, etwas zu bewegen. „Dazu brauche ich Mitstreiter.“ Das hörte sich im Jahr 1993 noch anders an. Vertreter des Einzelhandels und des Stadtsportverbandes stellten eine eigene Wahlliste auf. Ein Mann der ersten Stunde: Frieder Schindele. Die als „politisch Unzufriedenen“ titulierten Frauen und Männer zogen gegen Filz, Ämterhäufung und bürgerferne Verwaltung in den Wahlkampf. Entsprechend unkonventionell sind Redebeiträge und Vorschläge im Rat. Im politischen Spektrum links-rechts ließ sich die NL nie ganz verorten. Es seien stramm Konservative darunter, aber auch Linke, sagte Schindele. Das mache es schwierig, bei Wahlen zu bestehen. Gut sechs Prozent der Stimmen holte die Gruppierung 2004. Zum Fraktionsstatus, also drei Gemeinderäten, hat es wieder nicht gereicht.

Es ist vielleicht wie bei einem Paar, das sich auseinander lebt. Schindele sieht die Entwicklung seiner NL kritisch. Die Aktivitäten seien zunehmend eingeschlafen. „Wenn ich mich jetzt politisch neu orientiere, ist das für manche vielleicht ein Signal.“ Dass er sich als Selbstständiger die SPD aussucht, überrascht aber doch etwas. So hatte sich die Neue Linie immer über die Ungleichbehandlung von Kultur und Sport beklagt. Nun wird Schindele demnächst Mitglied einer Partei, die der Kultur sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Es gibt noch andere Beispiele. Doch Schindele sieht sich politisch nicht allzu weit entfernt: „Wir haben den Grünen und Roten mit unseren Stimmen zu manchem Erfolg verholfen.“

Der andere NL-Rat Jürgen Wiedemann betrachtet den Weggang zwar als Schwächung, doch er sei zuversichtlich für die Zukunft. Es bleibe Ziel der Neuen Linie, drei Vertreter in den Rat zu bekommen.

Und die SPD? Sie hat einstimmig für die Aufnahme des Kollegen gestimmt. „Ohne Diskussion“, berichtete Fraktionschef Jürgen Leipold. Es werde mit dem Neu-Genossen in einigen Punkten sicher Diskussionen geben, doch in der Partei seien unterschiedliche Standpunkte erlaubt – man müsse sie nur begründen. Schindeles Banknachbar im Rat jedenfalls soll den Wechsel durchaus gefördert haben: Der langjährige SPD-Rat Herbert Weber und Frieder Schindele steckten während der Sitzungen oft den Kopf zusammen. Sie schienen dabei stets auf einer Linie zu sein. Josef Siebler

So sieht Politik aus
Wenn ich nix mit der einen Partei erreiche, geh ich halt zur nächsten und probiers da aus.
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