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Konstanz Frankreich lebt in Konstanz

Viele Konstanzer sprechen selbstverständlich von der Chérisy-Kaserne, von der Imperia und von der Fähre Fontainebleau. Nur die wenigsten wissen aber, wie viele französische Spuren es tatsächlich in Konstanz gibt und was dahintersteckt.

Daniela Frey zeigt eine der französischen Spuren in Konstanz: Am ehemaligen Hotel Hecht am Fischmarkt verweist ein Schild auf Michel de Montaignes Besuch im Jahr 1580.
Daniela Frey zeigt eine der französischen Spuren in Konstanz: Am ehemaligen Hotel Hecht am Fischmarkt verweist ein Schild auf Michel de Montaignes Besuch im Jahr 1580. | Bild: Bilder: Hanser

 Mit der Imperia fängt es schon an. Erst gehasst, dann geduldet und inzwischen das Wahrzeichen im Hafen – doch wie viele Konstanzer machen sich Gedanken darüber, dass die Kurtisane eine der vielen französischen Spuren in Konstanz ist? Der Dichter Honoré de Balzac, der selbst nie hier war, inspirierte den Künstler Peter Lenk mit seiner literarischen Figur Imperia. Und so finden sich noch viele weitere französische Fußabdrücke in Konstanz. Erinnert sei an die Chérisy, an die Fähre Fontainebleau oder den inzwischen entfernten Eiffelturm des ehemaligen Bordells Klein-Paris.

Zwei Autoren sind diesen Fährten in ihrem Buch „Französische Spuren in Konstanz“ gefolgt. Claus-Dieter Hirt, Präsident der Deutsch-Französischen Vereinigung (DFV) in Konstanz und DFV-Pressereferentin Daniela Frey haben einen Streifzug durch die Jahrhunderte unternommen. Der SÜDKURIER ließ sich davon inspirieren und begab sich mit Daniela Frey auf einen französischen Spaziergang durch Konstanz.

Der Weg beginnt an der heutigen Commerzbank an der Marktstätte. Auf dem Dach des orangefarbenen Gebäudes prangt ein goldener Adler. Hier stand ehemals das gleichnamige Hotel. Noch heute weist eine goldene Schrift auf blauem Grund darauf hin, dass hier nicht nur Goethe und Zar Alexander I. zu Gast waren, sondern auch Napoleon III. „Der Adler war früher das beste Haus am Platz“, erzählt Daniela Frey auf dem Spaziergang. Es wurde das Stammlokal des Prinzen Louis Napoléon, der dem Hotel später als Kaiser Napoleon III. den Adler auf dem Dach schenkte.

Nur wenige Schritte weiter finden wir die nächste französische Spur. Denn auch der Philosoph, Schriftsteller und Politiker Michel de Montaigne war in Konstanz zu Gast, und zwar im damaligen Hotel Hecht. Heute ist es ein Wohngebäude am Fischmarkt. Montaigne kam auf seiner Reise durch Süddeutschland, die Schweiz und Italien unter anderem nach Konstanz, weil er hier auf Erholung hoffte: Der Dichter litt schon länger an Nierensteinen. Noch heute zeugt eine Tafel am ehemaligen Hotel Hecht von seinem Besuch im Jahr 1580. Übrigens stieg auch Montaigne zunächst im Goldenen Adler ab. Doch nach einem Streit zog er am nächsten Tag ein paar Häuser weiter.

Daniela Frey führt uns als nächstes ins Inselhotel. Die 36-Jährige weiß gut Bescheid über die französischen Spuren in Konstanz, nur ab und zu spickelt sie auf ihre Zettel. Für das Buch hat sie viel in der Unibibliothek und im Stadtarchiv geforscht. Über das Inselhotel erzählt sie: „Hier hatte die französische Delegation während des Konstanzer Konzils ihren Versammlungsraum.“ Außerdem zeigt sie eines der großen Gemälde im Kreuzgang. Es stellt eine Szene um 1800 dar, als der Genfer Jacques Louis Macaire d'Or im heutigen Inselhotel seine Tuchfabrik betrieb. Macaire war zwar kein Franzose, aber einer der vielen Genfer, die zwischen 1785 und 1812 in Konstanz eine Kolonie bildeten und Französisch sprachen.

Als Daniela Frey die nächste Station ansteuern will, trifft sie im Foyer des Inselhotels zufällig Ralf Seuffert. Er hat das Buch „Konstanz – 2000 Jahre Geschichte“ geschrieben und nutzt das unverhoffte Treffen für ein Kompliment. „Ich habe das Buch über die französischen Spuren geschenkt bekommen und finde es eine schöne Sache“, sagt er zu Daniela Frey. „Einige Punkte waren mir in dieser Tiefe auch neu.“ Die 36-Jährige freut sich und führt uns dann über eine Zwischenstation im Münster zur Wessenbergstraße 14. Im Haus „Zum Falken“ wurde 1787 Guillaume Henri Dufour geboren, dessen Eltern aus Genf kamen. Dufour kehrte zwar auch dorthin zurück, doch das Leben einer späteren Berühmtheit begann in Konstanz. Als Ingenieur schuf Dufour nicht nur markante Gebäude in Genf, sondern auch die erste detaillierte topografische Karte der Schweiz. Außerdem war er Mitgründer des „Internationalen Hilfskomitee vom Roten Kreuz“.

Nach einer Stunde Spaziergang sind längst nicht alle französischen Spuren besichtigt. Die Besatzungszeit, die Judendeportation nach Gurs, französische Straßennamen und die Beziehung zur Partnerstadt Fontainebleau sind nur einige weitere Punkte, die im Buch der beiden Autoren vorkommen. Daniela Frey hat selbst einiges gelernt. „Bei der Recherche merkt man erstmal, was alles in Konstanz steckt“, sagt sie.

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