Mein

Konstanz Forscherin würde Bonussysteme abschaffen

Antoinette Weibel von der Uni Konstanz im Wissenschaftsgespräch mit SÜDKURIER-Regionalleiter Jörg-Peter Rau über das Messen der Arbeit an Kennzahlen

SÜDKURIER-Regionalleiter und –Lokalchef Jörg-Peter Rau (links) und die Management-Forscherin Antoinette Weibel von der Uni Konstanz diskutierten über das Menschenbild in Großunternehmen.
SÜDKURIER-Regionalleiter und –Lokalchef Jörg-Peter Rau (links) und die Management-Forscherin Antoinette Weibel von der Uni Konstanz diskutierten über das Menschenbild in Großunternehmen. | Bild: Russ

„ Die Bonussysteme abschaffen.“ Das würde die Management-Forscherin Antoinette Weibel von der Universität Konstanz, falls sie an die Spitze eines Dax-Unternehmens gerufen würde. Im Gespräch mit SÜDKURIER-Regionalleiter Jörg-Peter Rau im Vogelhaus im Rahmen der Reihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“ erklärte sie: Durch das Messen der Arbeit an Kennzahlen würde Kreativität unterbunden werden.

„Es entsteht nachhaltig eine verheerende Wirkung auf die intrinsische Motivation“, führt sie weiter aus. Die intrinsische Motivation bezeichnet den inneren Antrieb, der sich durch Freude, Hingabe und Verbundenheit in Bezug auf die Arbeit äußert. Ganz im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, die auf äußeren Faktoren wie der Maximierung von Gewinn oder der Vermeidung von Strafe basiert und negativen Stress auslöst. Daher vertritt Weibel ein positives Menschenbild gegenüber dem Konzept des nutzenorientierten homo oeconomicus. Sie ist sich sicher, dass Unternehmen längerfristig größere Erfolge erzielen, wenn die Mitarbeiter Freiräume genießen und ihre Arbeit als sinnhaft empfinden.

Wie bei dem Designunternehmen Ideeo: „Die Mitarbeiter dort dürfen für jedes neue Designprojekt shoppen gehen und ihren Schreibtisch neu einrichten“, so Weibel. Auch die Zeit der Chefs für ihre Mitarbeiter ist ausschlaggebend für deren Motivation. Ähnlich, wie der „pursuit of happiness“, das Recht der Verfolgung des persönlichen Glücks, in der amerikanischen Verfassung verankert ist, solle er auch ein Leitbild für Unternehmen sein. 85 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind extrinsisch geregelt. Durch den mangelnden Antrieb von Mitarbeitern, neue Lösungen für ein Problem zu finden, kann es zu folgeschweren Fehlsteuerungen kommen. Bei dem Versuch, Krankenhäuser über die Mortalitätsrate zu steuern, „wurden keine Schwerkranken mehr aufgenommen“, so Weibel. Ob auch die Gier, die sich in hohen Lohnspreizungen bemerkbar mache, eine negative Wirkung auf die intrinsische Motivation habe, möchte Rau wissen. Weibel bejaht dies deutlich: „Es ist bekannt, dass eine Sekretärin es als ungerecht empfindet, wenn der Chef 400 Mal so viel verdient, wie sie.“

Vor zehn Jahren wurde Weibel von Managern für ihre Forschungen noch als Kommunistin beschimpft, mittlerweile steigt das Interesse an ihren Thesen. Weibel gesteht ein, dass eine Änderung des Bonussystems für Unternehmen nicht leicht ist und zunächst zu höheren Kosten führt.

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Regionale Kalender 2017
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren