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Ratgeber weiterführende Schule

Konstanz/Kreuzlingen Forschen wie im Paradies

Ein Elfenbeinturm im Garten Eden des Wissens: Am Donnerstagabend wurde die Kreuzlinger Seeburg offiziell als Kulturwissenschaftliches Kolleg der Universität Konstanz eröffnet. Viele Gäste waren gekommen, um zu sehen unter welch hervorragenden Bedingungen die Wissenschaftler des Exzellenzclusters dort künftig auf Schweizer Boden arbeiten können.

„Die vollkommene Ruhe hier, das ist ein Gottesgeschenk.“ Soziologieprofessor Bernhard Giesen gehörte zu den Ersten, die ins Kulturwissenschaftliche Kolleg in der Kreuzlinger Seeburg einzogen.
„Die vollkommene Ruhe hier, das ist ein Gottesgeschenk.“ Soziologieprofessor Bernhard Giesen gehörte zu den Ersten, die ins Kulturwissenschaftliche Kolleg in der Kreuzlinger Seeburg einzogen. | Bild: Schröm

Konstanz/Kreuzlingen – „Die vollkommene Ruhe hier, das ist ein Gottesgeschenk.“ Soziologieprofessor Bernhard Giesen sieht sich um in seinem großzügigen Büro mit Erker. Nicht nur seine Unterlagen hat er mitgebracht, als er im November in die Seeburg einzog, sondern auch Kunstwerke: eine afrikanische Maske, Bilder, einen Designerstuhl. Ruhig freilich ist es an diesem Donnerstag ausnahmsweise nicht. Auf zwei Stockwerken drängen sich die Besucher, um einen Blick hinter die Kulissen des Exzellenzclusters zu werfen, hinein in die Welt der 20 Auserwählten, die sich in der Seeburg und in der Bischofsvilla am Seerhein für ein Jahr ihren Arbeiten rund um das Thema „Kulturelle Grundlagen von Integration“ widmen.

Auch wenn die Örtlichkeit an idyllischen Qualitäten kaum zu überbieten ist, anmutet wie jener viel zitierte Elfenbeinturm der Wissenschaft, so arbeitet man in der Schweiz doch auch in unmittelbarer Nähe zum Forschungsthema: 48 Prozent der Kreuzlinger Bevölkerung haben keinen Schweizer Pass, so Stadtammann Andreas Netzle bei seiner Begrüßung, und 20 Prozent der Kreuzlinger sind Deutsche: „Auch die haben Integration nötig“, meinte Netzle mit einem Schmunzeln. Man freue sich daher, „dass gerade dieses Institut hier angesiedelt ist“ und stelle sich gerne als Forschungsobjekt zur Verfügung.

Freude allenthalben natürlich auch beim Rektor der Universität, Gerhart von Graevenitz, und beim Sprecher des Exzellenzclusters Rudolf Schlögl. Von Graevenitz ging in seiner Rede kurz auf die Geschichte des Hauses ein bis zu jenem Moment, als er während einer Sitzung davon erfuhr, dass die Pädagogische Hochschule Thurgau die Räumlichkeiten aufgeben werde: „Da habe ich mal das Richtige gesagt.“ Denn letztlich stand die Frage nach der künftigen Nutzung der Seeburg am Anfang jener Bemühungen, die nun zum deutschen Institut auf Schweizer Boden geführt haben.

Besonders aber war von Graevenitz auch die Freude darüber anzumerken, dass nun Wolfgang Isers Nachlass den Wissenschaftlern in der Seeburg zur Verfügung steht. Iser schätze er nicht nur als Mitbegründer der „Konstanzer Schule“, als Gründervater einer theoretisch orientierten Kulturwissenschaft, sondern sei ihm auch ganz persönlich sehr verbunden gewesen.

Den langen Weg von der Idee bis zum fertigen Institut hat auch Rudolf Schlögl begleitet, der die Konstanzer Geisteswissenschaftler nun auch gegenüber der internationalen Konkurrenz für „gut gerüstet“ hält. Bislang jedenfalls habe man kaum Absagen aus dem Ausland, die Gäste fühlten sich ausgesprochen wohl – und auch vor Ort wolle man den Austausch suchen, zeigen, dass man Wissenschaft betreibe „von allgemeinem Interesse und vielleicht auch von allgemeinem Belang“.

Bernhard Giesen sucht so grob gesagt eine Antwort darauf, wann Übergangs- oder Zwischenlagen, wie sie zum Beispiel bei Migration entstehen, als Krise wahrgenommen werden. Da er im Sommersemester seiner Lehrverpflichtung an der Universität nachgeht, wird er zwei Wintersemester in der Seeburg arbeiten, wo auch künftig die Donnerstagabende in hoffentlich angeregter Runde verbracht werden: Dann nämlich soll jeweils ein „Fellow“ vortragen – mit anschließender Diskussion.

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