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Konstanz Flugplatz soll Gewerbe weichen

Es wird eng für den Konstanzer Flugplatz und seine Flieger. Die rund 220.000 Quadratmeter große Fläche zwischen B33 und Byk-Gulden-Straße ist eines der letzten großen Gebiete, das Konstanz für eine Gewerbeansiedlung zur Verfügung steht. Ein Gutachten empfiehlt die Fläche nun für Unternehmen. Heftige Diskussionen im Gemeinderat sind vorprogrammiert.

Ein Stadtentwicklungsbüro empfiehlt die „Entwicklung des Flughafens als Gewerbestandort“. Stimmt der Gemeinderat dem zu, dann wäre das das Ende des historischen Flugplatzes. Noch vor der Sommerpause sollen die Gemeinderäte das Papier diskutieren. Eine emotionale Sache für Flieger und Befürworter des Gutachtens, wobei die Naturschützer noch gar nicht berücksichtigt sind.

Friedhelm Schaal, Leiter der Wirtschaftsförderung, drängt auf die Entscheidung. „Wir haben genügend Anfragen von Unternehmen nach geeigneten Flächen“, sagt er. Es seien Betriebe aus Konstanz, die sich vergrößern wollen, meist Handwerker. Aber auch größere Unternehmen aus dem Einzelhandel fragen regelmäßig bei der Wirtschaftsförderung. Ob es konkret ein großes Unternehmen aus einer anderen Branche gibt, das nach Konstanz kommen will? „Dazu kann ich nichts sagen“, antwortet Schaal. Er hofft, dass die Wirtschaftsförderung den Auftrag vom Gemeinderat bekommt, das Areal zu entwickeln. Momentan müsse er viele Anfragen einfach ablehnen.

Das Gewerbeflächenkonzept wurde von dem Büro Acocella aus Lörrach erstellt. Eines der Ergebnisse aus dem Papier lautet: Die Unternehmen haben einen größeren Platzbedarf als Flächen vorhanden sind. Das war nicht immer so. Bereits 2011 diskutierte der Gemeinderat das Thema Flugplatz als Gewerbefläche. Zu dem Zeitpunkt wurde auch über die Verlängerung des Pachtvertrags mit der Flughafen-Gesellschaft Konstanz neu entschieden. „Damals war die Entwicklung nicht sinnvoll, da es viele Leerstände in der Stadt gab“, sagt Friedhelm Schaal. Also wurde der Pachtvertrag für den Flughafen bis 2017 verlängert, mit der Option auf weitere fünf Jahre. Nun ist die Situation anders. Es gebe keine nennenswerten Leerstände mehr, so Schaal.

Dass der Flugplatz für Gewerbe weichen soll, stößt bei Berndt Stadelhofer auf Unverständnis. Der Geschäftsführer der Ultraleichtflug Konstanz GmbH ist der Überzeugung, dass Konstanz den Flugplatz braucht. „Das Flugzeug als Verkehrsmittel wird in Zukunft mehr Bedeutung bekommen“, sagt er und malt sich Konstanz als möglichen Zubringerflughafen aus. Es gebe bereits Flugzeuge für kurze Startbahnen mit bis zu 15 Plätzen, die dafür in Frage kämen, so Stadelhofer. Er sieht Tourismus und Kultur als einzige Zukunftsressourcen der Stadt. Um diese ausreichend auszuschöpfen werde der Flugplatz gebraucht. „Wenn wir den aufgeben, haben wir die Option verspielt“, mahnt er.

Stadelhofer bekommt allerdings keine ernsthafte Rückendeckung aus den Fraktionen. Zwar möchten die Freien Wähler den Flugplatz nicht ohne Not opfern. „Wir haben den Flugplatz immer geschützt“, sagt Jürgen Faden. Er glaubt, die Nachfrage der heimischen Handwerksbetriebe auch mit kleineren Flächen bedienen zu können. Der Stadtrat räumt allerdings ein, dass die FWK bei einem konkreten Bedarf der großen Fläche auch gegen den Flugplatz stimmen würden.

Auch die SPD-Fraktion hält es ähnlich. Jürgen Puchta sagt: „Die Fraktion ist mehrheitlich für den Erhalt des Flughafens, solange der Bedarf für Gewerbeflächen nicht nachgewiesen ist.“ Allerdings räumt er ein, dass sich die Lage nun geändert habe. „Laut Gutachten reichen die vorhandenen Flächen nicht aus.“ Wenn das der Fall ist, werde sich die Fraktion nicht gegen die Erschließung sperren. Allerdings gebe es Fragen zum Naturschutz zu klären. CDU-Fraktionschef Roger Tscheulin sieht in dem Flugplatz kein Hindernis: „Wir sollten daraus keine heilige Kuh machen.“ Konstanz brauche fertig entwickelte Flächen, die Unternehmen angeboten werden können. Diese fragen laut Schaal viel nach: „Ich gehe davon aus, dass die geschaffenen Flächen schnell ausverkauft sein werden.“

 

Diese Fläche ist heiß begehrt

Das Thema Flughafen bietet viele Argumente zum Streiten und Diskutieren:

Traditionsreich:

Der Flughafen Konstanz ist über hundert Jahre alt und wurde 1909 gegründet. Schon 1919 gab es von hier Passagierflüge nach Berlin. 1925 richtete die Deutsche Lufthansa einen Linienflug Konstanz – Frankfurt ein, der bis 1940 beflogen wurde. Etwa 6200 Flüge zählte der Flughafen im Jahr 2013, rund 7000 in 2014. Nicht nur Flieger nutzen die Fläche, sondern auch Besucher des Seenachtfests oder von Rock am See.

Gewollt:

Es sind hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern, die sich in Konstanz vergrößern oder niederlassen wollen, sagt Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal. Ihnen will er möglichst schnell den nötigen Platz schaffen. Bei einer Verabschiedung im Gemeinderat rechnet er mit einem Entwicklungszeitraum von fünf Jahren. Da rund zwei Drittel der Flughafenfläche Schutzgebiet ist, wird auch zu klären sein, wie viel überhaupt bebaut werden darf und wo Ausgleichsflächen entstehen müssen.

Verpachtet:

Das rund 220.000 Quadratmeter große Grundstück gehört der Stadt Konstanz. Diese hat es an die Flughafen Konstanz GmbH verpachtet, an der die Stadt mit 58,9 Prozent beteiligt ist. Eine Kündigung von Seiten der Stadt ist mit einer Frist von zwölf Monaten zum Jahresende möglich, wenn es die Belange der Stadt erfordern. Eine Entschädigung bei geleisteten Investitionen soll gegenüber den Firmen am Flugplatz möglich sein.

Begutachtet:

Nicht nur für das Gewerbe lässt Konstanz ein Gutachten erstellen, sondern auch im Bereich Einzelhandel und Vergnügungsstätten. Wirtschaftsförderer Schaal betont, dass alle drei verknüpft werden sollen, um ein schlüssiges Entwicklungskonzept für die Stadt zu haben. Er schließt für die Flugplatzfläche großen Einzelhandel – wie Möbelhäuser – aus und will sie Gewerbe vorbehalten. (jus)

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