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Konstanz Flüchtlingsunterbringung am Hörnle: Breite Front der Ablehnung

Bewegte Debatte des SÜDKURIER zum Hörnle, wo 300 Flüchtlinge eine neue Heimat finden sollen. Die Kritiker waren bei der Runde deutlich in der Mehrzahl, doch ein syrischer Flüchtling sieht keinen Anlass für Konflikte.

Das Interesse an einem Meinungsaustausch war riesig. Über 250 Zuhörer drängten sich am Freitagabend im Waldhaus Jakob am Hörnle, der Ansturm war so groß, dass nicht alle Interessenten Platz fanden. Der Ort war symbolisch: Gleich nebenan sollen rund 300 Flüchtlinge vorerst eine neue Heimat finden. In einer Tennishalle. Dort, wo ganz Konstanz badet, joggt und grillt. Unvorstellbar für viele. Befürchten, noch bevor etwas geschehen ist, einen Kulturschock – für beide Seiten. Doch schon bei den Teilnehmern der Diskussionsrunde, die dichtgedrängt standen und sogar auf dem Boden saßen, prallten die Welten aufeinander. Gegner und Befürworter tauschten teilweise sehr emotional ihre Gedanken und Argumente aus.

Michael Leherr sprach für die Gegner des Standortes: „Wir sind keine Rassisten. Wir sind Leute, die denken, dass das Hörnle der denkbar ungüstigste Platz für Flüchtlinge ist.“ Auch Winfried Kountz, selbst in der Integration engagierter Eigentümer des Waldhauses und Getränkehändler, ließ einen Brief verlesen, wonach er den Standort kritisch sehe. Er befürchtet traumatische Erlebnisse für die Flüchtlinge mit meist muslimischem Glauben. Andere warfen ein, der Standort sei zu weit außerhalb, habe nur eine schlechte Anbindung an die Infrastruktur. Zu wenig Platz für zu viele Menschen, sagte Philipp Dietrich. Es sei nur eine Frage der Zeit bis die Situation eskaliere. „Mir fehlt die klare transparente Diskussion“, warf er Politik und Verwaltung vor, wofür er breite Zustimmung erntete. Wie andere, stellte er die Forderung nach der Prüfung von Alternativen.

Dazu brachte Kountz eine neue Unbekannte ins Spiel: Eine Immobilie im Industriegebiet, die er mitbesitzt und in der 300 Menschen untergebracht werden könnten. Dieses Angebot habe er der Stadt unterbreitet, hieß es in seinem Brief. Davon schien Bürgermeister Andreas Osner allerdings nichts zu wissen. Zögernd bestätigte Harald Nops, als Vertreter des Landratsamts anwesend, allerdings das Angebot. Details seien aber nicht öffentlich.

Keinen leichten Stand hatten die Befürworter. Nicht nur, dass sie vielleicht nur ein Fünftel der Gäste ausmachten, auch wurden Redner der Flüchtlingshilfeorganisationen Save me und Café Mondial mit unfreundlichem Gemurre begrüßt. SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau musste die aufgeheizte Stimmung, die mit der Raumtemperatur stieg, gelegentlich herunter kühlen, als er an den Anstand appellierte. Über die Vorbehalte gegen Geflüchtete zeigte sich Ursel Stahnke-Bohnhardt entsetzt: „Wenn das jetzt die Maxime ist, mit der wir auf Flüchtlinge zugehen wollen, dann sind wir falsch.“ Auch Bürgermeister Andreas Osner warnte vor einer Vorverurteilung der Flüchtlinge, räumte allerdings ein: „Auch wir hatten Bauschmerzen bei diesem Standort.“ Roswita Schweichel vom Café Mondial appellierte an die Zuhörer: „Wir brauchen Herz und Menschlichkeit.“

Die Herzen bewegt haben dürfte die Geschichte des Syrischen Flüchtlings Ahmet. Mit Hilfe von Dolmetscherin Zahide Sarikas erzählte er, dass er eigentlich nicht kommen wollte. Sein Dorf sei am Donnerstag bombadiert worden. Jetzt habe er gehört, dass Unterschriften gegen die Unterbringung der Flüchtlinge am Hörnle gesammelt werden. „Das tut einfach weh. Am liebsten würde ich wieder zurück, um zu sehen, ob meine Eltern noch leben. Wir haben wirklich andere Sorgen.“

Dafür oder dagegen?

Die Gemeinderatsfraktionen:

Gabriele Weiner (Junges Forum): „Ich werde dafür stimmen. Ich möchte nicht, dass bei den Flüchtlingen alles pauschalisiert wird.“

Roland Wallisch (Freie Grüne Liste): „Ich werde für die Unterkunft stimmen. Aber egal wie die Entscheidung ausfällt, nehmen Sie sie an.“

Jürgen Ruff (SPD): „Wir werden am Donnerstag im Gemeinderat einen Lösungsvorschlag einbringen.“

Andreas Ellegast (CDU): „Da müssen Sie warten bis Donnerstag. Ich werde die Meinungen mit in die Fraktion nehmen.“

Susanne Heiß (Freie Wähler): „Ich werde für das Hörnle stimmen. Wir sind für eine dezentrale Unterbringung.“

Heinrich Everke (FDP): „Ich werde dafür stimmen, weil ich den Flüchtlingen die Aufnahme nicht verweigern will.“

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