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Konstanz Flüchtlingsunterbringung: Konstanzer Wessenberghalle wird ab Dezember zur Notunterkunft

Bei einer Bürgerinformation informierten Stadt und Kreis über die Flüchtlingsunterbringung in Turnhallen. Rund 120 Bürger waren gekommen, darunter Anwohner, Studenten und viele ehrenamtliche Helfer.

Mutig gewählt war er ja schon, der Veranstaltungsort: Im Foyer der Schänzlesporthalle, während die Handballer nebenan trainierten, informierten Stadt und Kreis die Bürger darüber, warum die Turnhalle der in der Nähe befindlichen Wessenberghalle nicht mehr für den Sport genutzt werden kann – sondern in wenigen Wochen zur Notunterkunft für Flüchtlinge wird. Rund 120 Bürger waren gekommen, darunter Anwohner, Studenten und viele ehrenamtliche Helfer.

Ludwig Egenhofer, Leiter der Unteren Aufnahmebehörde des Landkreises, zeigte dabei offen die Entwicklung der Flüchtlingsthematik und den aktuellen Stand – und nahm so offenbar viele Fragen schon in seinem Vortrag vorweg. Oder konnte zumindest eindrücklich verständlich machen, warum er sie (noch) nicht beantworten kann. Denn die wichtigste Erkenntnis für viele Anwesenden schickte der Konstanzer Sozialbürgermeister Andreas Osner vorweg: „Wir befinden uns im Krisenmodus.“ Verlässliche Prognosen, die gibt es nicht – und damit auch keine Sicherheit in der Organisation. Nahezu täglich werden Zahlen aktualisiert, die neuesten sind diese: 1200 Flüchtlinge muss die Stadt Konstanz bis Ende des Jahres aufnehmen. Wo vor wenigen Jahren noch rund 60 Flüchtlinge pro Jahr der Stadt zugewiesen wurden, sind es heute auch mal 60 an einem Tag.

Dass mit der Halle der Wessenbergschule die vierte Schul- und Sporthalle im Kreis umgenutzt werden müsse, sei „nicht das Mittel der Wahl, sondern eine Notmaßnahme“, so Egenhofer. Rund 300 Standorte würden derzeit für die Unterbringung von Flüchtlingen geprüft. „Aber der Bau oder Umbau braucht Zeit, Personal und Kapazitäten. Die Zuweisungen nehmen darauf keine Rücksicht.“ Und so arbeiten die Hausmeister und Techniker seit Anfang Oktober daran, die Wessenberghalle umzurüsten. Frühestens Ende November, „sicher im Dezember“, werden die ersten Asylsuchenden dort einziehen. 180 Plätze stehen zur Verfügung. Ein Hausmeister und ein Heimleiter sind unter der Woche in der Halle, ein Sozialarbeiter („wenn wir jemanden finden, der Markt ist leer gefegt“) und zusätzlich zwei Securities, die in der Nacht und am Wochenende arbeiten.

Aus Erfahrung in den anderen Not- und Gemeinschaftsunterkünften weiß Egenhofer: „Es gibt auch Probleme, die nicht weg zu diskutieren sind.“ Auf engstem Raum mit fremden Menschen fremder Kulturen zusammenzuleben – das bringe zwangsläufig Probleme mit sich, egal, ob man aus Konstanz oder Kobane kommt. Egenhofer richtete sich dabei auch ganz klar an die Anwohner: „Melden Sie sich bei uns oder der Polizei, wenn es Probleme gibt. Nur dann können wir auch reagieren.“ Der Schulbetrieb der kaufmännischen Wessenbergschule, so Egenhofer, werde nicht eingeschränkt. Wie in der Konstellation der Zeppelinschule solle es auch im Paradies ein gutes Nebeneinander geben. Wird es denn auch künftig in der gesamten Stadt Konstanz ein gutes Miteinander, einen sozialen Frieden, geben? Das ist eine Frage, die man an diesem Abend „auch nicht in aller Tiefe diskutieren kann“, sagte Osner, dem diese Frage schlaflose Nächte bereite. Klar sei: „Wir wollen nicht, dass Flüchtlinge gegen Einheimische ausgespielt werden.“

 

Hilfe für Flüchtlinge

Bei der Infoveranstaltung in der Schänzlehalle drehten sich viele Fragen darum, wie man als Bürger sinnvoll helfen kann. Die klare Antwort: Ganz individuell und je nach Kapazitäten. „Melden Sie sich bei den Initiativen oder bei uns“, so Ludwig Egenhofer, Leiter der Unteren Aufnahmebehörde. Auf der SÜDKURIER-Homepage gibt es eine Liste von allen Stellen und Organisationen, die man im Kreis Konstanz bei der Flüchtlingshilfe unterstützen kann: www.suedkurier.de/skhilft

 

 

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Asylbewerber im Kreis Konstanz: Im Jahr 2012 hat der Landkreis Konstanz rund 150 Asylbewerber neu aufgenommen. 2014 waren es bereits 779 Personen. Damit lebten Ende 2014 insgesamt 911 Flüchtlinge im Landkreis. Bis Ende 2015 sollen es über 2000 Personen sein. Im SÜDKURIER-Themenpaket lesen Sie Hintergründe und aktuelle Artikel zum Thema.

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