Wer mit der Geschäftsführerin der Konstanzer Otto Müller Fleisch- und Wurstwaren GmbH über den Grünen-Vorstoß redet, erwartet ein klares Nein zum fleischlosen Tag. Es ist keineswegs so: „Ich finde es vom Grundsatz her nicht schlecht, sich mit der Situation zu beschäftigen.“ Sie kennt Berichte über das klimaschädliche Methan, das Rinder ausstoßen, und über den Regenwald, der für die Zucht abgeholzt wird. Doch das sei zu kurz gegriffen, sagt Katharina Müller. Massentierhaltung gebe es nicht nur in Südamerika, sondern auch in Norddeutschland. Der Kunde müsse sich immer fragen, woher das Fleisch stammt und wie es erzeugt wird. Ihr Unternehmen mit rund 130 Beschäftigten etwa beziehe es aus der Region, das Fleisch sei auch deklariert. Ihr Vater Otto Müller besuche die Betriebe und schaue sich die Tiere an.
In den Großküchen sei die Frage ebenfalls erlaubt, woher das Fleisch kommt, sagt sie. Es gebe Kantinen in der Region, die trotz Ausschreibung regionale Ware beziehen. Ihr Unternehmen beliefere unter anderem die Küchen der Spitalstiftung. Die Kalkulation sei insgesamt aufwändig, da die Preise sich wöchentlich ändern. Sie müsse aber bei der Ausschreibung jahresweise kalkulieren. „Das Fleischgeschäft ist ein schwieriges Geschäft.“ So stiegen die Preise seit etwa zweieinhalb Jahren kontinuierlich durch den Weltmarkt und den gestiegenen Fleischverbrauch.
Vielfach werde beim Einkauf nur auf den Preis geachtet, sagt Katharina Müller. Doch bei regionaler Erzeugung sei der Aufwand einfach höher. Daher plädiert sie für mehr Bewusstsein: „Lieber weniger Fleisch essen und dafür eine bessere Qualität kaufen.“
In Süddeutschland ist Massentierhaltung eher selten, da die landwirtschaftliche Struktur deutlich anders aussieht als in Norddeutschland. Da früher auf den Höfen in Baden-Württemberg Realteilung herrschte, also die Felder an alle Kinder vererbt wurden, prägen viele kleine Grundstücke die Flur. Regionale Vermarkter betonen, die Unterstützung der Erzeuger vor Ort trage auch zur Landschaftspflege bei. Die Landwirte schätzten daher Abnehmer, die den höheren Aufwand sehen, berichtet Katharina Müller. Die Politiker sollten zudem versuchen, die komplizierte Ausschreibungspraxis stärker zu thematisieren, sagt sie. Wenn Lebensmittel europaweit ausgeschrieben werden, sei die Vergabe an regionale Erzeuger nicht mehr so einfach. Die Stadt Konstanz musste dies schon erfahren, als sie stärker auf regionale Ökokost in den Schulmensen setzen wollte.


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