Datteln, Teigtaschen, Reis und Fleischbällchen stehen auf der Küchentheke zum Servieren bereit. Im Hintergrund läuft ein Fernseher. Auf dem Bildschirm sind tausende Muslime an der Gebetsstätte von Mekka zu sehen. Sie senken ihre Köpfe gleichmäßig und rezitieren Verse aus dem Koran auf Arabisch. „Zwei Mal war ich mit meiner Frau an diesem göttlichen Ort“, erinnert sich der Familienvater, Ahmad Selim. Die Stimmung vor dem Essen ähnelt der gespannten Vorfreude aufs Weihnachtsfest. Oft schaut Ahmad Selim auf die Uhr – ihn drängen Hunger und Durst, schließlich hat er seit 16 Stunden auf Essen und Trinken verzichtet. Denn Ahmad Selim und seine Familie fasten vom 20. Juli bis zum 19. August. „Der Koran schreibt uns vor, dass wir bei Tageslicht fasten – das ist für uns selbstverständlich“, sagt der Taxifahrer aus Konstanz. Er verzichte gern auf Speisen, Getränke und Genussmittel, auch wenn dies bei der Arbeit nicht immer ganz einfach sei.
Fünf Minuten vor Sonnenuntergang kommen alle Familienmitglieder zusammen. Einige bringen Freunde mit. „Bei uns ist jeder herzlich willkommen“, sagt Ahmad Selim und umarmt die Freunde ebenso herzlich wie seine Kinder. „Mir geht es wie Abraham, dem das Essen besser schmeckte, wenn er Gäste empfing“, scherzt er. Vier Kinder hat die aus dem Libanon stammende Familie. „Außer unserer ältesten Tochter, die selbst Nachwuchs hat, sind immer alle Kinder zum Fastenbrechen bei uns“, berichtet die Familienmutter freudestrahlend. Denn neben den religiösen Motiven nennt die Familie weitere Beweggründe, den Fastenmonat durchzustehen: „Ramadan ist für uns vor allem ein Familienfest, er stärkt einfach unser Zusammenleben“, sagt das Ehepaar übereinstimmend.
„Die Zeit des Ramadans ist außerdem eine Zeit des Vergebens“, mahnt Ahmad Selim nachdrücklich. Nach seiner Auffassung solle jeder Streit beigelegt werden und Menschen, die Fehler begangen haben, solle man verzeihen.
Nach dem Abendbrot werden die Gebetsteppiche in Richtung Mekka ausgerollt. Es wird gemeinsam gebetet. Als Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls stehen die Beteiligten eng nebeneinander und sprechen dem Vorbeter die arabischen Sätze nach. Mit süßen Teigwaren lässt die Familie schließlich den Tag ausklingen.
In der Konstanzer Moschee sind viele Parallelen zu dem Leben in der Familie zu erkennen. „Um die Gemeinschaft geht es“, sagt der ehemalige Vorsitzende Turgut Acar. „Wir beten und essen miteinander. Danach trinken wir schwarzen Tee und verbringen einen schönen Abend zusammen“, ergänzt er. Auf die Frage, warum er den ganzen Monat fastet, überlegt er einige Sekunden und sagt dann entschlossen, es sei für ihn keine Qual, den Fastenmonat zu praktizieren. „Man kommt Gott ein Stück näher, fühlt mit den armen Menschen, die wenig zu essen haben, und entwickelt ein besseres Gefühl für seinen Körper“, berichtet er. Gerade im Sommer sei es manchmal schwer, nichts zu trinken, doch am Ende des Tages sei alles vergessen und man könne stolz auf sich sein, wenn man es geschafft habe, fügt er hinzu.
Jeden Abend kommen bis zu 160 Muslime in die Konstanzer Moschee. Zum Freitagsgebet sind es jedoch deutlich mehr. Fast alle Gemeindemitglieder haben Wurzeln in der Türkei. Lediglich zwei Prozent kommen aus anderen Ländern. Doch ausgeschlossen wird in der Gemeinde niemand. „Bei uns ist jeder willkommen, jeder kann mit uns beten, jeder kann mit uns essen“, sagt das ehemalige Vorstandmitglied Acar Turgut. „Die Nahrungsmittel werden größtenteils aus Spenden finanziert oder jeder gibt etwas dazu“, berichtet er. Neid komme dabei nicht auf. „Die Gemeinschaft steht in der Moschee im Vordergrund“, betonen Zekir Doksanodgu und Acar Turgut.

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