Konstanz - Oliver Kohl-Frey ist immer wieder überrascht. "Es ist wirklich erstaunlich, wie viel über den Bodensee geschrieben wird", sagt der stellvertretende Direktor der Bibliothek der Universität Konstanz. Zurzeit gibt es mindestens 76224 Bücher, Aufsätze und Zeitungsartikel, die sich mit der Region beschäftigen. Frey kann das so genau sagen, weil alle diese Titel in der Euregio-Bodensee-Datenbank der Uni-Bibliothek gebündelt sind. Für Wissenschaftler und Studenten, die sich mit der Region beschäftigen, ist es seit etlichen Jahren ein beliebtes Rechercheinstrument.
Bis 2001 gab es diese Regionalbibliographie auch als gedrucktes Buch. Seit 2000 gibt es die Datenbank auch im Internet, aber erst in diesem Jahr wurde sie so benutzerfreundlich gestaltet, dass sie auch für Nicht-Akademiker interessant geworden ist. Besonders weil die Quellen teilweise bis ins Jahr 1900 zurückgehen. Wer ermitteln will, was seither beispielsweise über den umstrittenen Dichter Wilhelm von Scholz publiziert wurde, was zum historischen Konzil geschrieben wurde oder was die Seenforscher zum Bodensee veröffentlicht haben, findet mit einer Suchanfrage und einem Klick alles auf einen Blick. Günther Rau, Sachgebietsleiter für EDV-Angelegenheiten (elektronische Datenverarbeitung) an der Universitäts-Bibliothek, ist gewissermaßen der Mann hinter diesem Großgehirn der Region. Seit 1977 gibt es das Sammelwerk und exakt so lange ist Rau auch für das Kompendium zuständig. "Am Anfang gab es diese Sammlung nur auf Karteikarten", erzählt der Diplom-Bibliothekar. Sie wurden im Laufe des Jahres alphabetisch geordnet und dann zum Redaktionsschluss nach Thema, Ort und Person strukturiert.
Das ist inzwischen deutlich einfacher. Erst recht seitdem die Datenbank auch im Verbund der Südwestdeutschen Bibliotheken vertreten ist. Das bedeutet Kooperation und erweiterter Zugriff auf mehr Titel. Tatsächlich funktioniert die Auswertung der Publikationen aber auch heute nicht vollautomatisch. Einen Großteil der rund 3000 neuen Titel, die es in jedem Jahr gibt, findet Günther Rau. Aus Zeitschriften, Sammelbänden und Büchern. Nur etwa 40 Prozent der Daten stammen aus einer anderen Zulieferung, zum Beispiel anderen Datenbanken. Das bedeutet in der Konsequenz für den Bibliothekar: Er hat einiges zu lesen. Durch das so angeeignete Wissen ist er selbst zu einem Experten für die Region geworden. "Sobald ich bestimmte Personennamen oder Ortsnamen höre, fallen mir irgendwelche Fakten oder Aufsätze ein", sagt Rau.
Pflege aus Imagegründen
Bisher hatte die Datenbank etwa rund 3000 Abfragen pro Monat. Mit der neuen Benutzeroberfläche sollen es mehr werden. Vor allem, weil der Zugang über die Internetseiten der Uni-Bibliothek, für jeden frei ist. Für die Universität erfolgt die Pflege der Datenbank auch aus Imagegründen. "Das ist unser Beitrag zur Verankerung der Universität in der Region", erläutert Oliver Kohl-Frey. So werde Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den nächsten Jahren werde eine Vollständigkeit der Sammlung angestrebt.
Die Datenbank
Das ist drin: Die Euregio-Bodensee-Datenbank enthält die Titel von etwa 76000 Büchern, Aufsätzen aus Zeitschriften und Sammelwerken sowie Zeitungsartikeln von 1900 bis heute.
Direkt zum Text: Bei einigen Quellen kommt man direkt aus der Suchmaske zu dem entsprechenden Aufsatz. Es gibt verschiedene Suchmechanismen. Nach Region, Person oder Sachgebiet. Tipps zur Suche gibt es auf der Internetseite.
Der Link zur Datenbank:
www.ub.uni-konstanz.de/region/euregio-bodensee-datenbank.html
