Konstanz Faschismus analysieren

Der Konstanzer Historiker Sven Reichardt ist Mitherausgeber einer neuen wissenschaftlich-historischen Fachzeitzeitschrift

Ein Perspektivwandel in der Faschismusforschung Europas zeichnet sich in der aktuellen Geschichtswissenschaft ab. Das neue Fachjournal „Fascism. Journal of Comparative Fascist Studies“ des Niederländischen Instituts für die Erforschung des Holocausts (NIOD), das im April 2012 in seiner ersten Ausgabe erschienen ist und von dem Konstanzer Historiker Sven Reichardt mit herausgegeben wird, dokumentiert die aktuelle Faschismusforschung in ihrer Breite. Das Online-Journal ist als Open Access-Zeitschrift unter www.brill.nl/publications/journals/fascism frei verfügbar und liegt auch in einer Print-Ausgabe vor.

Die aktuelle Faschismusforschung nimmt insbesondere die Selbstaussagen der faschistischen Regime ernster, als es die sozialwissenschaftlich geprägte Faschismusforschung bis in die 1980er Jahre hinein tat. Die symbolische Selbstrepräsentation und gesellschaftliche Rezeption der Regime werden als Schlüssel zur Definition des Faschismus verstanden. Auf diese Weise gelingt den Forschern ein neuer Blick auf die populistisch-nationalistischen Aspekte des Faschismus und auf die Interaktion zwischen Regime und Bevölkerung. Reichardt erforscht insbesondere die Rolle der partizipativen Gewalt im europäischen Faschismus, das heißt: den Mechanismen, mit denen die Bürger der faschistischen Rassenstaaten zur Teilhabe an der staatlichen Gewalt gebracht wurden. Beispiele sind kleine Profite durch Denunziation oder Plünderung, die der Staat systemtreuen „Volksgenossen“ in Aussicht stellte.

Reichardt ist Professor für Zeitgeschichte an der Uni Konstanz und Mitherausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften.

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