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Konstanz

Europas größter Monitor für Uni

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Es wird die modernste Monitorwand Europas: Über fünf Meter breit und zwei Meter hoch gewährt ein Riesenbildschirm an der Universität ab Mitte Mai Einblick in bislang unsichtbare Datenwelten.

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Informatik-Professor Daniel Keim steht vor jenem Loch in der Wand, dass ab Mitte Mai zur besten Monitorwand Europas werden soll. Ein Spezialtransporter liefert demnächst die fünf Meter lange Glasscheibe. Bild: van Bebber

Konstanz - Informatik-Professor Daniel Keim und seine neun Konstanzer Kollegen können große Datenmengen so genau aufbereiten wie nur wenige andere Forscher auf der Welt. Dies ist das Spezialgebiet ihres Fachbereichs. Doch wollten sie bislang ihre Ergebnisse mit einem Blick erfassen oder als Computergrafik abbilden, mussten sie nach Amerika reisen. Nur dort gibt es Monitorwände, die mehrere Millionen Daten darstellen können - normale Computer-Bildschirme kapitulieren dagegen, zeigen nur Ausschnitte oder unscharfe Bilder.

Das ändert sich: Ab Mitte Mai muss Keim nicht mehr nach Amerika, sondern vom Büro nur eine Treppe tiefer. Dort installieren Handwerker Europas beste Monitorwand. Sie wird 5,20 Meter breit und 2,15 Meter hoch. Die riesige Glasscheibe bringt ein Spezialtransporter, für den eigens Gerüste errichtet und ein Stück Fensterfront ausgebaut werden. Die belgische Firma Barco stellt die Monitorwand her. Hinter der Scheibe werden acht Projektoren fast neun Millionen Bildpunkte erzeugen, acht Mal mehr als bei einem normalen Monitor. Das Besondere: Auf der Wand wird nicht zu sehen sein, wo das Bild des einen Projektors in das des nächsten übergeht. Die Anlage misst, wo die Bilder sich überschneiden, und korrigiert.

"Wir haben jetzt einen Vorsprung", sagt Keim. Der 39 Jahre alte Informatiker hatte der Uni die Wand in Bleibeverhandlungen abgehandelt. Nun hat Konstanz sogar die renommierte ETH Zürich geschlagen, die Keim im Falle eines Wechsels auch einen Riesenmonitor versprochen hatte. "Wir sind Vorreiter," freut sich Keim. Bei ihrer Arbeit werden die Forscher nicht wie im Kino vor der Wand sitzen, sondern meist direkt an ihr arbeiten. Sie bereiten Wahlergebnisse, Kundendaten oder Börsenkurse auf. "Wir entwickeln Programme, diese Datenmengen auf dem Bildschirm darzustellen," sagt Keim. Jeder Kunde, jedes Wahllokal, jede Aktien-Transaktion werden zu einem einzelnen Bildpunkt (Pixel), und alle sind auf einmal zu sehen. "Sie können sehr genau Dinge nachvollziehen", sagt Keim.

Die Wand ermöglicht auch naturgetreue Bilder von Landschaften oder Bauten, echten oder künstlichen. So scharf und groß war dies bisher unmöglich. Interesse daran haben zum Beispiel Biologen, die lebensgroße Körper-Querschnitte mit allen Details betrachten wollen. Interessant ist die Wand auch für Autohersteller, die neue Modelle in Originalgröße am Computer betrachten möchten.

Solchen möglichen Kunden will die Firma Barco ihre Monitorwand an der Uni vorführen. Sie verkaufte den Konstanzer Informatikern die Anlage als Pilotprojekt zum halben Preis. Die Kosten von 250000 Euro teilen sich Bund und Uni. Im Besuch der Industriekunden sehen die Forscher keine Last, sondern eine Chance. Vielleicht, hoffen sie, lässt sich mit dem einen oder anderen ein gemeinsames Projekt starten. Schließlich kennt sich in Europa dann niemand so gut mit großen Datenmengen und dem neuen Riesenmonitor aus wie sie.

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Autor: FRANK VAN BEBBER
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