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Allerheiligen ist ein Hochfest der katholischen Kirche. Die Redaktion sprach mit Pfarrer Andreas Rudiger über den Sinn des Feiertages und über neue Tendenzen wie Halloween-Partys.

Was bedeutet Ihnen persönlich Allerheiligen?

Allerheiligen ist im Grund genommen das Fest unserer christlichen Berufung. Wir sind berufen, einmal ganz zu Gott, dem Heiligen, zu gelangen. Diesen Weg zu Gott sind die Heiligen gegangen und haben ihr Ziel erreicht. Wir sehen an ihnen, zu welchem Weg wir als Menschen berufen sind. Die Heiligen zeigen durch ihr eigenes Leben, dass dieser Weg auch heute gangbar ist.

Wie wichtig ist der Feiertag für die Trauerkultur?

Da ist der Allerseelentag wichtiger, weil wir an ihm der eigenen verstorbenen Angehörigen gedenken. Dabei erinnern wir uns, dass wir sie nicht verloren haben, sondern dass sie uns nur vorausgegangen sind.

Aber ist durch den Gräberbesuch nicht eher Allerheiligen für viele der Tag, an dem sie ihrer Verstorbenen gedenken?

Allerheiligen ist ein Hochfest der katholischen Kirche. Da an diesem Tag arbeitsfrei ist, wird er eben eher für den Gräberbesuch genutzt. Ich wehre mich aber gegen die Tendenz, jeden Verstorbenen sogleich heilig zu sprechen. Allerseelen ist auch für jene Verstorbenen gedacht, die sich im Läuterungszustand befinden und noch nicht endgültig am Ziel angekommen sind. Für sie beten wir auch. Dieser Läuterungsort wird auch Fegefeuer genannt - das ist aber ein etwas missverständlicher Begriff.

Ist es schwierig geworden, solche christlichen Werte zu vermitteln?

Ich denke, dass heute schon eine neue, sehr große Sehnsucht danach vorhanden ist. Die meisten glauben an etwas Übernatürliches. Es ist aber schwierig geworden, die Menschen mit den tiefen christlichen Botschaften in Berührung zu bringen. Aber für jene, die wir erreichen, öffnen sich neue Lebensperspektiven. Man kann immer sein Leben ändern und dann all das ablegen, was einem Leben mit Gott entgegensteht.

Halloween mit seinen heidnischen Wurzeln und den Grusel-Elementen aus dem modernen Amerika wird zunehmend beliebt bei jungen Menschen. Haben Sie als Pfarrer ein Problem damit?

Es sind Modeerscheinungen, hinter denen ganz sicher auch ein großer Teil Marketing steht. Man übt sich schon mal auf das Weihnachtsgeschäft ein, das dann vom Fasnachtsgeschäft abgelöst wird. Halloween hat eine witzige und unterhaltende Seite, aber der Sinn von Allerheiligen geht verloren. Es hat zwar aus seiner Entstehungsgeschichte etwas mit dem Tag zu tun. So haben die Menschen lange gedacht, dass man durch die Halloween-Bräuche die Toten aus dem Fegefeuer bringt. Aber heute ist es eher ein Gag. Allerdings hätte ich ein Problem, wenn die in unserer Kirche engagierten Jugendlichen Halloween-Partys feiern würden und dafür am Allerheiligentag nicht in den Gottesdienst kämen.

Kommen denn viele Menschen in die Gottesdienste?

Sie sind mindestens so gut besucht wie ein Gottesdienst am Sonntag, in der Tendenz eher mehr. Wir schreiben in unseren Pfarreien auch alle Angehörigen an, die im vergangenen Jahr einen lieben Menschen verloren haben und laden sie zum Allerseelentag ein. Die Namen der Verstorbenen werden im Gottesdienst verlesen.

Kann die Kirche durch Halloween jungen Menschen eventuell einen neuen Bezug zu Allerheiligen vermitteln?

Wenn man darüber spricht, gar keine Frage: Wenn das jemand kann, geht es. Weihbischof Rainer Klug hat bei der jüngsten Firmung einen prima Draht zu den Jugendlichen bekommen.

Fragen: Josef Siebler

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