Konstanz Es liegt am Chorleiter

Der „Chor ohne Namen“ kommt ohne einen Verein im Hintergrund aus und liefert ein Konzert ab, das die Zuschauer begeistert

Ein „Chor ohne Namen“, dafür aber mit ganz vielen Fans. Die Plätze beim insgesamt großartigen Konzert am Freitag im Kulturzentrum am Münster waren so begehrt, dass der Brandschutzbeauftragte irgendwann niemanden mehr rein ließ in den Wolkensteinsaal.

Das war schade. Denn wer draußen bleiben musste, der verpasste einen Chor, der mitzureißen vermag. Mit einer sehr facettenreichen Interpretation von „Africa“ zum Beispiel. „Hallelujah“ gehört zu den Stücken, an denen man als Chor nur allzu leicht scheitern kann. Zu eindrucksvoll ist das Original von Leonard Cohen und die Coverversion von Jeff Buckley. Zu der Interpretation darf man Chorleiter Matthias Weissgerber deshalb umso mehr beglückwünschen. Sie war voller Gefühl, ohne pathetisch zu sein, hatte genau die richtige Geschwindigkeit und fand die richtige Mischung zwischen kraftvollen Passagen und solchen von großer Innerlichkeit. Beeindruckend ist die Wandlungsfähigkeit des Chores. Mit „Tage wie diese“ animierte er zum Mitsingen. „So it goes“ kam sehr entspannt daher. Und mit „Better Run“ gelang ihm das Kunststück, einem ausgesprochen komplexen Stück sehr viel Leichtigkeit einzuhauchen.

Aber auch die Soli prägten das Konzert. Michaela Groß' Interpretation wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Sie sang „Dream a little Dream of me“ mit einer Eleganz, aber auch mit einer Stimme, die an die Version von Ella Fitzgerald aus den 50er-Jahren erinnerte. „Found You“ heißt das Stück, das Paula Erdös nicht nur selbst geschrieben hat, sondern auch selbst sang. Es geht in dem Stück um das Finden der großen Liebe. Als Zuhörer hatte man den Eindruck an etwas sehr Intimen teilzuhaben. Sehr leicht geriet dagegen „Royals“, gesungen von Silke Pittlik, Paula Erdös, Michaela Groß und Tora Möhrle.

Die zwei Rampensäue des Chores heißen Arun Ramakrishnan und Ken Varner. Die beiden Tenöre sangen mit einer Leidenschaft und einer Begeisterung, der man sich nur schwer entziehen kann. „Haus am See“ gehörte deshalb zu den Stücken, für die der Chor den lautstärksten Beifall einheimste.

Außer seinem Namen hat der Chor noch eine weitere Besonderheit: Er gehört zu keinem Verein. Jeder zahlt, wie Weissgerber erzählt, „was er kann“. Mund-zu-Mund-Propaganda sorgte dafür, dass der Chor auf etwa 60 Mitglieder wuchs – und das in einer Zeit, in der viele Gesangvereine wegen ihrer Altersstruktur und mangels Mitgliedern um ihr Überleben kämpfen.

Die Frage, ob der Erfolg des Chores auf andere übertragbar ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Wenn Tora Mörle, eine der Sängerinnen, sagt, „wir sind alle Freunde geworden“, dann lässt sich das nicht so einfach planen. Dazu hängt die „tolle Atmosphäre“ im Chor, die die Solistin Erdös beschreibt, von zu vielen Faktoren ab. Als aber Erdös den Chorleiter als Grund für den Erfolg nennt, nicken alle Umstehenden zustimmend mit dem Kopf. Das lässt sich dann auch verallgemeinern: Auf den Chorleiter kommt es an.

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