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Konstanz Er soll Wege aus dem Konstanzer Stau finden: Stephan Fischer übernimmt die städtische Verkehrsplanung

25 Jahre lang war er der Kopf für die Stadt- und Verkehrsplanung in Weinheim. Jetzt soll Stephan Fischer es in Konstanz richten. Das erklärte Ziel: Schluss mit Stau auf Konstanz Straßen.

Stephan Fischer kennt den Trichter-Effekt von jeder größeren Stadt. Das Problem sei immer das gleiche: „Man lässt mehr Verkehr rein, als passt.“ Das Ergebnis: Stau. Stephan Fischer hat sich trotz besonderer Trichter-Tage mit Dauerstaus in Konstanz für eine knifflige Aufgabe anwerben lassen. Der Mann, der seit 1991 als Stadt- und Verkehrsplaner in Weinheim wirkte, hat Ende des vergangenen Jahres die strategische Verkehrsplanung in der Stadt übernommen. Klar sei für ihn schon jetzt: Ein kluges Konzept, mit dem sich an Spitzentagen alle Probleme in Luft auflösen, werde es nicht geben. Dennoch sagt er: „Ich denke, die Verkehrsproblematik in Konstanz ist nicht unlösbar.“ Ihm sei bewusst, dass seine Aussage große Zweifel bei den verkehrsgeplagten Konstanzern auslöse.

Als Verkehrsplaner arbeitet Fischer an einem großen Puzzle mit vielen Teilen. Dazu gehört unter anderem der Aufbau von Mobilitätspunkten in Konstanz als neue Schlüsselstellen für den Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln, etwa vom Rad aufs Carsharing oder vom Auto auf den Bus oder aufs Leihrad oder eventuell sogar auf eine Seilbahn. Es solle erkundet werden, ob und wie diese vorhandenen Angebote ergänzen könnte.

„Ich plane nicht gegen das Auto, sondern für eine stadtverträgliche Mobilität“, sagt Fischer. Letztlich stehe und falle jedes Konzept mit der Frage, ob die Kapazitäten an Verkehrs- und Parkflächen ausreichen. An den besonderen Konstanzer Tagen, an denen alle Einfallsstraßen verstopft sind, gebe es nur zwei Möglichkeiten: Den Zugang mit dem Auto zu beschränken oder den Abfluss des Verkehrs, vor allem über die Zölle, zu verbessern. Über Letzteres werde verhandelt. „Es gab und gibt Gespräche, dass die Zollämter ihre Kapazitäten erweitern“, so Fischer. Der Gemeinschaftszoll könnte viel größere Verkehrsmengen aufnehmen, wenn alle drei Spuren genutzt würden. Am Emmishofer Zoll könnte beispielsweise auch der rege Fußgängerverkehr zwischen den Schaltern, der den Verkehr zusätzlich behindere, eingeschränkt werden. Dann würde es Fischers Ansicht nach auch dort besser laufen mit dem Verkehr. Für die andere Möglichkeit, die Zufahrt zur Altstadt zeitweise zu beschränken, gebe es technische Lösungen. Verkehrskadetten seien dazu nicht unbedingt notwendig.

Grundsätzlich hält es Fischer nicht für zielführend, das C-Konzept wieder in Frage zu stellen. „Es funktioniert unter bestimmten Rahmenbedingungen“, so Fischer. Das Konzept beruht auf mehreren Elementen und sieht unter anderem eine Fußgängerzone zwischen Dammgasse und Bodanstraße vor. Dafür sollen auf der Laube sowie in der Mainau- und Spanierstraße zusätzliche Busspuren eingerichtet werden. Der Individualverkehr am Schnetztor soll so entzerrt werden. Generell sieht der Verkehrsexperte in Konstanz mit seinem 15-Minuten-Takt beim Bus schon eine sehr gute Basis abseits des motorisierten Individualverkehrs.

Fischer selbst trägt übrigens nicht zu den Staus bei. Sein Auto steht bei der Familie in Weinheim, wo es nur in seltenen Fällen bewegt werde. In Konstanz sei er mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Für die Wochenenden in Weinheim bei seiner Familie, die mit dem Nachzug noch den Schulabschluss eines der beiden Kinder abwarten will, nutzt er die Bahn. Er sitzt dann mehr als vier Stunden im Zug. Zeit für ihn, um beispielsweise zu lesen. „Das könnte ich im Auto nicht.“

Mögliche Auswege aus dem Konstanzer Verkehrschaos

  • Zur Person: Stephan Fischer war seit 1991 der Stadt- und Verkehrsplaner in Weinheim. Ein Vermittler für hoch qualifizierte Fachkräfte hatte ihn für die Aufgabe der strategischen Verkehrsplanung nach Konstanz geholt. Frau und Kinder des 52-Jährigen leben noch in Weinheim. Es sei geplant, dass sie nachziehen. Eines der Kinder solle aber erst noch auf der vertrauten Schule seinen Abschluss machen, so der Familienvater.
  • Das C-Konzept: Es hat das Ziel, den Bahnhofsplatz von Verkehr freizuhalten und ihn so städtebaulich aufzuwerten. Zudem soll es den Fluss der Verkehrsströme auf dem Altstadtring verbessern. Die Stadtverwaltung hält auch nach Kritik am C-Konzept fest. Sie geht davon aus, dass es langfristig die beste Lösung für die Verkehrsführung auf dem Altstadtring ist. Die Leistungsfähigkeit des Konzepts sei durch Fachsimulationen bestätigt, schreibt Stadtsprecher Walter Rügert in einer Mitteilung. Es gelte auch an Spitzentagen als leistungsfähig. Unabhängig vom C-Konzept müssten die Probleme des übermäßigen Zuflusses und des stockenden Abflusses des Verkehrs gelöst werden.
  • Rückstau von den Grenzübergängen: Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass der Verkehrsfluss in Konstanz wesentlich von der Abwicklung an den Grenzübergängen abhängt. In einer Mitteilung von Stadtsprecher Walter Rügert heißt es: "Hauptursache der Staus in der Innenstadt war zwischen den Jahren die mangelnde Kapazität der Grenzübergänge von Deutschland in die Schweiz. An der Gemeinschaftszollanlage gibt es eine Harfe mit drei Fahrbahnen, jedoch war nur eine Fahrbahn frei. Auf diese Weise kam es zu erheblichen Rückstaus." Mit den Schweizer Zollbehörden würden Gespräche geführt. (rin)

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