Erstmals kommen die Elite-Millionen der Universität Konstanz auch ganz direkt der Lehre zugute. Für 20 Studenten mit überdurchschnittlichen Noten wird im Winter ein neuer Studiengang direkt im Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration" eingerichtet. Der neue Master beschäftigt sich mit einer aktuellen Fragestellung: Europa als kulturelles Phänomen.
Konstanz - Die Enttäuschung über das irische Nein zum EU-Grundlagenvertrag von Lissabon steht den Studenten und drei jungen Hochschullehrern ins Gesicht geschrieben. Sie wollen einen neuen Master-Studiengang vorstellen, der die kulturellen Grundlagen Europas aus ganz verschiedenen Blickwinkeln beleuchten soll. Doch Sven Sappelt, wissenschaftlicher Koordinator, Ethel Mathala de Mazza, Professorin für Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden, und Thomas Weitin, Juniorprofessor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, lassen sich nicht so schnell entmutigen. Mit Charme und Argumenten werben sie für ihr neues Angebot - wohl wissend, dass sie nicht all jene aufnehmen können, die im Senatssaal interessiert zuhören.
20 Plätze gibt es in dem neuen Studiengang, sagt Sappelt, und ausgeschrieben werden diese weltweit. Wer mitmachen will, braucht exzellente Noten - denn der Studiengang hat auch das Ziel, die Teilnehmer ganz nahe an die mit Exzellenzweihen versehen Forschung heranzuführen. So war es dann offenbar möglich, wenigstens einen kleinen Teil der eigentlich für die Forschung reservierten Gelder im Lehrangebot ankommen zu lassen. Neben Jobs in der Wissenschaft könnten die Absolventen auch in europäischen Organisationen oder Medien arbeiten, so Sappelt weiter.
Wer sich für zwei Jahre den "kulturellen Grundlagen Europas", so der offizielle Titel des Programms, verschreibt, muss viel Engagement mitbringen. Ethel Mathala de Mazza lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass den Studenten nicht nur viel geboten (unter anderem ein finanziertes Auslandssemester außerhalb Europas), sondern auch eine Menge abverlangt wird. So müssen sie sich einen Teil der Veranstaltungen aus dem riesigen Lehrangebot der Uni suchen, da nicht alle Kurse und Vorlesungen speziell für den neuen Studiengang angeboten werden. Und Weitin sagt, dass die Studierenden auch in den Kursen voller Juristen, Literaturwissenschafter, Historiker oder Politologen die kritische Stimme einer fächerübergreifenden Gesamtschau darstellen sollen.
Elite sollen nicht nur Studenten und Lehrende, sondern auch die Bedingungen sein, verspricht Sappelt: Es gibt neben unkonventionellen Lehrformen wie einem Kolloquium namens "Europa-Parlament" auch die Pflicht, sich regelmäßig von einem Tutor im Eins-zu-eins-Gespräch durch die zwei Jahre begleiten zu lassen.