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Konstanz Einmal Volltanken und Spitzen schneiden, bitte!

An einer Tankstelle in Konstanz hat der weltweit erste Tankstellen-Friseur geöffnet. Von 6 bis 22 Uhr kann man sich dort die Haare schneiden lassen. Der Fachverband für Friseure befürchtet einen Imageschaden.


Diesel und Benzin gab es schon immer an einer Tankstelle. Getränke und Lebensmittel kamen später hinzu. Seit einer Woche kann man sich in Konstanz an einer Tankstelle auch die Haare schneiden oder Strähnchen färben lassen. Der erste Tankstellen-Friseur in Deutschland namens „Tank & Cut“ öffnete in der Carl-Benz-Straße seine Türen. Ralf Mehlmann, Gründer der Firma „Tank & Cut“, hat dieses ungewöhnliche Konzept erarbeitet. „Man muss sich etwas einfallen lassen, um sich von den anderen Tankstellen abzuheben“, sagt der Geschäftsmann. Da moderne Autos weniger Benzin verbrauchen, müsse man die Leute eben anders anlocken.

Erster Tankstellenfriseur an Konstanzer Aral-Tanke

Das Konzept ist schnell erklärt. Neben den Tankstellen stellt das Unternehmen Container auf, die je nach Friseur auch individuell gestaltet werden können. Für eine Monatsmiete von 1800 Euro können Friseure zu den regulären Öffnungszeiten der Tankstellen ihre Dienste anbieten. Also länger als die üblichen Ladenöffnungszeiten und auch an Sonn- und Feiertagen. In Konstanz hat der „Tank & Cut“-Salon von 7.30 Uhr bis 22 Uhr geöffnet. In der Hauptsaison sollen bereits ab 6 Uhr die ersten Kunden bedient werden.

Zieger ist Inhaber der Konstanzer Tank & Cut-Filiale

Weil die Friseure während ihrer Arbeit bei „Tank & Cut“ zu dem Tankstellenpersonal zählen, brauche es keine Sondergenehmigung für die verlängerten Arbeitszeiten, versichert Reinhard Zieger, Inhaber mehrerer Friseursalons und einer privaten Meisterschule in Konstanz. Er betreibt die erste „Tank & Cut“-Filiale. Sein Personal habe sich freiwillig für dieses Projekt gemeldet. Durch Sonntags- und Feiertagszuschläge sei das finanziell nicht unattraktiv, so Zieger.

Die Friseurinnung sieht den neuen Standort für Friseurgeschäfte eher kritisch. Matthias Moser vom Fachverband Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg möchte das neue Konzept „nicht gleich verteufeln“. Dennoch ist er der Meinung, dass „diese Vorgehensweise die mittelständischen Betriebe nicht gerade unterstützt“. Der Friseur dürfe nicht beliebig werden. Es gehe schließlich um Frisurenmode und die Schönheit der Menschen. Ob das Umfeld einer Tankstelle dieses Image fördert, bezweifelt Moser. Jedoch wolle er erst abwarten, wie es sich bei „Tank & Cut“ entwickelt. „Wenn es sich bewährt, dann hat der Kunde entschieden. Und der Kunde ist König“, so Moser.

Friseurinnung fürchtet Imagaschaden

Dass der Tankstellen-Friseur eine Marktlücke schließt, bezweifelt der Verbandsvertreter. Kunden, die wenig Zeit haben, gebe es schon länger. Darauf habe das Friseurgewerbe längst reagiert. Durch die langen Öffnungszeiten könnte man nur die Kunden von anderen Anbietern abziehen. „Der Kuchen an sich wird aber nicht größer“, so Moser. Erfinder Ralf Mehlmann hat, bevor er seine Idee beim Patentamt angemeldet hat, selbst intensive Kundenbefragungen durchgeführt. Sein Ergebnis war eindeutig: 95 Prozent der Kunden würden einen Tankstellen-Friseur begrüßen. Auf die vermeintliche Billig-Schiene möchte Mehlmann aber nicht setzen. „Alle Produkte an der Tankstelle sind teurer als im Laden. Wieso sollte dann die Dienstleistung viel billiger sein?“, fragt er.

Reinhard Zieger hat sich vor allem von einem Argument überzeugen lassen, die erste Filiale zu übernehmen: Jeder Mieter von „Tank & Cut“ muss ein Meisterfriseur sein. Interessenten ohne Meistertitel werden an die Meisterschule Zieger vermittelt, um diese Ausbildung nachzuholen. In dem kleinen Container an der Tankstelle finden Kunden, so versichert Reinhard Zieger, gut ausgebildetes Personal aus seinen Salons. Nur eben doch etwas günstiger. Ein Herrenhaarschnitt beim Friseur Zieger in der Innenstadt kostet 36 Euro, an der Tankstelle nur 18 Euro. Allzu hochpreisige Angebote würden eben doch nicht ins Ambiente passen.

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