Vor wenigen Jahren noch waren Politiker, Planer und Einzelhändler ratlos, wie der Abfluss der Kaufkraft aus Konstanz gestoppt werden kann. Mit dem Einkaufszentrum Lago, dem Kaufhaus in der Bodanstraße und weiteren neuen Geschäften sehen die Probleme heute anders aus: Die Stadt wird von Kunden und Gästen überrannt, die Bewältigung des Verkehrs rückt in den Mittelpunkt. Aktuell sieht es nach teuren Lösungen aus.
Das Stadtmarketing hat vergangenes Jahr mit einem Maßnahmenpaket im Advent gute Erfahrungen gemacht. Die Stadtverwaltung will darauf zurückgreifen und 89 400 Euro ausgeben an den kommenden einkaufsstarken Wochenenden, inklusive dem Brückenwochenende 2./3. November und den Tagen zwischen den Jahren, berichtet Sprecher Walter Rügert. Der Haupt- und Finanzausschuss soll die Mittel bewilligen. Ziel ist es, die Besucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu bringen. In einer Verkehrsleitzentrale werden die Informationen von Polizei, Bürgeramt, Stadtwerken und Verkehrsposten gebündelt.
Zum Paket gehören Pendelbusse von den Park-und-Ride-Plätzen und das Bewerben von Seehas und Stadtbussen. „Hier sollen auch alternative Konzepte Aufsehen erregen“, heißt es in einem Papier der Verwaltung. Dazu zählen Gutscheine und kleine Geschenke als Dankeschön für die Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs sowie eine Gepäckaufbewahrung. An den Park-und-Ride-Plätzen sollen Gutscheine für Heißgetränke oder eine Bratwurst ausgegeben werden. Zu den verkehrslenkenden Maßnahmen gehören Umleitungen bei Staus, eine kostenlose Zeitung mit Infos zum Parken, Radio-Durchsagen und Stationen zum Fahrrad-Verleih. Banner und Verkehrsposten sollen helfen, den Parksuchverkehr im Paradies zu vermeiden.
In der Politik regt sich zunehmend Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung. Im Technischen und Umweltausschuss forderten jüngst mehrere Stadträte endlich ein Verkehrskonzept. Mit dem Hinweis von Bürgermeister Kurt Werner auf den Masterplan Mobilität (Verkehrsentwicklungs-Plan), der gerade ausgearbeitet wird, gaben sie sich nicht mehr zufrieden. Alexander Fecker (CDU) ist von der aktuellen Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss ebenfalls enttäuscht. „Es geht alles zu langsam“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die Vorschläge, die gemacht wurden, seien nicht eingeflossen. So hatte die CDU gefordert, die Scheffelstraße nur noch für Anliegerverkehr zu öffnen und die Ampelschaltung am Schnetztor-Knoten besser abzustimmen. „Das wäre eine einfache Verbesserung im Advent.“ Er sieht das Hauptproblem im überlasteten Döbele-Kreisel an Adventstagen. Auch die längst beschlossene Busspur in der Bodanstraße sei noch nicht umgesetzt. Der Altstadtring müsse dringend entlastet werden, sagte Fecker.

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