Benjamin Lüdiger parkt seine hellblaue Schwalbe (Baujahr 1972), nimmt seinen Helm ab und betritt mit lässigem Hemd, wuscheligen Haaren und hängenden Jeans die Redaktion. Man merkt sofort, dass man einen kreativen Kopf vor sich hat, der alles andere als konventionell ist. "Ich versuche mir immer Aufgaben zu stellen, die auf den ersten Blick bescheuert klingen", erzählt der 25-Jährige. Manchmal kommen dabei dann hervorragende Ergebnisse heraus. So wie bei seiner Bachelorarbeit, für die der Kommunikationsdesign-Student mit dem renommierten Lucky Strike Junior Designer Award ausgezeichnet wurde.
In seiner Abschlussarbeit entwickelte Benjamin Lüdiger ein System, um Geräusche aller Art grafisch darzustellen. "Zum Beispiel so was", erklärt der gebürtige Münsterländer und klopft zweimal auf den Tisch. Aber auch klangvolle musikalische Kompositionen, das Schrillen eines Weckers, das Zischen einer Kaffeemaschine, das Brummen von Motoren oder Hundegebell lassen sich durch die von ihm entwickelte Sprache "Rauschskribo" visualisieren. "Das Standard-Notensystem fand ich zu altbacken. Ich wollte was Besseres erarbeiten", erzählt der wortgewandte Hobby-Musiker.
Der Lohn der Arbeit war nicht nur die Traumnote 1,0 von seinem Betreuer Brian Switzer, sondern auch eine Urkunde mit besonderer Anerkennung von der hochkarätig besetzten Lucky Strike Designer Jury samt Einladung nach Hamburg, dem Sitz des Unternehmens. Die besondere Anerkennung gilt als Eintrittskarte für den Designerberuf. "Diese Auszeichnung macht sich hervorragend im Lebenslauf eines Design-Studenten", erzählt Benjamin Lüdiger.
Moralische Bedenken, einen Preis von einer Zigaretten-Firma zu erhalten, hat der Nachwuchs-Designer nicht: "Ich habe ja nichts für sie produziert, sondern nur einen Preis von ihnen bekommen. Generell halte ich es aber für wichtig, dass man sich auch als Designer ethische Standards setzt." Sein nächstes großes Projekt soll sich im humanitären Bereich abspielen, wobei er noch keine konkreten Ideen hat, wo genau. Im Wintersemester wird Benjamin Lüdiger sein stärker wissenschaftlich orientiertes Masterstudium an der HTWG beginnen. Seine Abschlussarbeit hält er noch nicht für ausgereift genug, um sie gewinnbringend zu vermarkten, will dies aber in Zukunft angehen."
Seine Professoren sind jedenfalls zufrieden mit ihm. So urteilte Brian Switzer, Professor für Kommunikationsdesign an der HTWG: "Benjamin Lüdiger ist ein Lebemann, der am Projekt zielstrebig und geradlinig arbeitet, jedoch mit einer Lockerheit, die ich bei Studenten selten erlebe. Sein Projekt Rauschskribo' war eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht: Entwicklung einer Notation für digitale Musik und Geräusche. Anfangs plante er, die klassische Musik-Notation zu verlassen. Das Ergebnis ist jedoch eine sehr detail- und variationsreiche Ergänzung hierzu."
THOMAS DOMJAHN