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Ein Roman in Bildern

20.09.2007
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Seit Jahrzehnten heißt die führende Comicnation in Europa Frankreich. Die meisten großen Comics entstehen dort, die Grande Nation hat den Comic gar zur neunten Kunstform erklärt, ihm also den gleichen Stellenwert gegeben wie der Fotografie oder der Plastik. In Deutschland hat sich der Comic als ernstzunehmendes Medium bislang nicht wirklich durchsetzen können und hängt auf dem internationalen Markt hinterher. Kaum ein deutscher Comic, wie etwa Werner oder "Das kleine Arschloch", hat es über die Grenze nach Frankreich geschafft.

Mit dem Fantasy-Comic "Die Chronik der Unsterblichen" nach dem Roman von Wolfgang Hohlbein hat sich die Lage jedoch schlagartig geändert. 45000 Exemplare wurden seit dem Erscheinen in Frankreich verkauft, auch die Romanserie wird nun ins Französische übersetzt. Auf der Frankfurter Buchmesse 2005 mit dem deutschen Comicpreis ausgezeichnet, gibt es in den letzten Jahren keine erfolgreichere "Graphic Novel". Das Szenario der Comic-Adaption stammt von Benjamin von Eckartsberg, der die erste Hälfte des Romans aus mehr als 150 Seiten zusammenschrieb und in Comicform brachte. Der 1972 geborene Thomas von Kummant übernahm dann die zeichnerische Aufgabe und gab Charakteren und Setting seinen eigenwilligen, prägnanten Stil.

In der derzeitigen Ausstellung in der Galerie Walz in Überlingen ist die zeitliche Abfolge des Transformationsprozesses vom Buch zum Comic in Originalen sehr gut präsentiert. Alle Bildsequenzen sind vom Zeichner handgezeichnet und in einem sehr aufwendigen Verfahren dann im Computer zusammengefügt worden. Zuerst fertigte von Kummant Entwürfe in Federzeichnungen an, was monatelang dauerte. Danach fing er in sogenannten Inspirationals Stimmungen des Szenarios ein und probierte verschiedene Variationen aus. In Bleistift legte er dann skizzenhaft und in sehr kleinen Bildern Abfolgen und Schwerpunkte fest.

Nach einer ersten Entscheidung führte Thomas von Kummant die Landschaften und das Setting meist sehr genau und detailreich in Acryl- oder Aquarellfarben aus, wobei Landschaftsbilder der englischen Maler John Singer Sargent oder E.T. Compton zum Teil als Vorbild dienten. Nach Herstellung beider Originale, den Charakteren und dem Setting, und dem gesamten Layout der Szenen, begann dann die Computerarbeit, bei der alles zusammengeführt und digital bearbeitet und noch verändert wurde. So konnte er zum Beispiel durch Eingriff in die Farbe den typisch düsteren Stil der im Mittelalter spielenden Vampirstory noch besser wiedergeben, oder auch die Positionen der Protagonisten in der Landschaft verändern. Das Endprodukt, in mühseliger Kleinarbeit und mit großem Aufwand realisiert, ist ein bemerkenswerter und künstlerisch sehr gelungener Comic, der das mythische Vampir-Epos in großartigen Bildsequenzen mit hoher zeichnerischer Qualität umsetzt. Durch die Originale der Ausstellung und ein sehr informatives Begleitbuch kann man die Entstehungs- und vor allem auch Erfolggeschichte dieses Comics in allen Einzelheiten nachvollziehen.

Ulrike Niederhofer

"Pose mit Schwert", bis 30. September, walz kunsthandel Überlingen: Mo-Fr 11-13 Uhr und 15-18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung: 07551-937792. Workshop "Wie entsteht ein Comic?" am 29. September, 14-18 Uhr, Anmeldung unter obiger Nummer.

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