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Konstanz Ein Oldtimer liegt auf dem Trockenen

05.10.2009
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Da schwebt sie dahin, die „Möve“. Nach 132 Jahren hat das älteste Betriebsschiff auf dem Bodensee das Wasser verlassen. Wie es mit dem einstigen Arbeitsschiff letztendlich weitergeht, ist noch unklar. Vielleicht wird es eine Konstanzer Touristenattraktion.

Die Möve hätte viel zu erzählen: Von den Anfängen der Schifffahrt auf dem Bodensee, zwei Weltkriege hat sie überstanden, die Veränderungen der Städte und Gemeinden rund um den See mitbekommen. Aber auch selbst hat der Oldtimer eine Wandlung erlebt. Als ihn die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen vor 132 Jahren, also 1877, in Betrieb nahmen, war er noch ein Segelschiff. 31 Jahre lang trieb ihn der Wind an. Bei Flaute zogen Dampfschiffe die Möve ans Ziel. Ab 1919 konnte sie selbständig bei wenig Wind vorwärts kommen. Sie erhielt einen Motor und der Segelmast auf dem Deck fiel.

Arbeits- und Rammschiff lautete die vollständige Bezeichnung für die Möve, zuletzt in Diensten der Bodensee Schiffsbetriebe (BSB). Sie war gut für den Transport. Lange brachte sie zum Beispiel Kohle, Baumwolle oder Getreide von einer in die andere Bodenseestadt. 2004 stand der einstige Lastensegler kurz vor der Rente, als er vor Nonnenhorn in Seenot geriet und die Wasserschutzpolizei ihn abschleppen musste. 2005 war dann Schluss. Die MS Friedrichshafen nahm den Platz der Möve als Arbeitsschiff ein. Seither lag der zwischenzeitlich denkmalgeschützte Kahn im Konstanzer Hafen – und war dem Verfall ausgesetzt. In seinen Bauch drang Wasser, das regelmäßig abgeschöpft und fachgerecht entsorgt werden musste. Zu sehr vermischte es sich mit schädlichen Substanzen.

Der Zahn der Zeit nagte an der Möve. „Wir wollten das Schiff vor dem weiteren Verfall schützen“, erläutert Silke Rockenstein, Pressesprecherin der Schiffsbetriebe. Also nutzte das Unternehmen die Gunst der Stunde: Der riesige Kran, der vor einer Woche den Stahlsteg der neuen Brücke an der Bodanstraße einhob, hievte die „alte Lady“ von See auf das Werftgelände der BSB (wir berichteten). So soll nicht nur die Möve selbst geschützt, auch eine mögliche Umweltgefährdung ausgeschlossen werden. „Zudem können wir das Schiff jetzt komplett begutachten und eine Entscheidung über seine weitere Verwendung – schwimmend oder an Land – treffen“, sagt Jörg Handreke, Geschäftsführer der BSB. Er hofft auf Investoren, die an einer Restaurierung und Wiederinbetriebnahme interessiert sind. Oder die Möve zu einer touristischen Attraktion machen wollen – mit Segelrigg, wie damals. Mindestens so lange eine Entscheidung gefällt ist, ruht die Möve an Land. Und dürfte auf dem Werftgelände am Hafen jetzt schon ein Blickfang vieler Oldtimerfreunde sein.



Schiffs-Hebung im Konstanzer Hafen
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