Mein

Konstanz Ein Liederzyklus im Konstanzer Inselhotel

Osias Wilenskis Liederzyklus zu Mexikos geheimen Juden beeindruckte im Inselhotel

Einem höhnisch gehackten „Satan-Tango“ tritt am Ende eine lyrische Stimme entgegen: „Ich sehe Tau und Perlen göttlicher Mysterien auf meine Seele fallen.“ In diesem Finale kommen alle Qualitäten des Abends zusammen: Dem Komponisten Osias Wilenski, den kongenialen musikalischen Interpreten seiner Komposition sowie dem Sprecher Nikola David gelingt es, historisches Material nicht nur zu verlebendigen, sondern auch in eine psychologische Ambivalenz zu überführen, die in allen, die es gehört haben, noch lange nachklingen wird.

Sina Rauschenbach, Professorin für Jüdische Studien und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam, hat dieses besondere musikalische Erlebnis initiiert. Während sie an der Uni Konstanz am Kulturwissenschaftlichen Kolleg als Gastwissenschaftlerin des Exzellenzclusters ihre Forschung über „Mexikos geheime Juden“ betrieb, entstanden die Kontakte zu dem argentinischen Komponisten. Der Liederzyklus, der daraufhin entstand, widmet sich dem Schicksal von Luis de Carvajal dem Jüngeren, der 1596 in Mexiko als „rückfälliger Judaisierer“ auf dem Scheiterhaufen landete. Wilenski war für die Aufführung seines Liederzyklus‘ im Inselhotel eigens aus Barcelona angereist.

Wilenski hat den aus acht Liedern und einem atmosphärisch dichten, von einer tiefen Cello-Cantilene charakterisierten Vorspiel bestehenden Zyklus kammermusikalisch instrumentiert. Das auf neue Musik spezialisierte herausragende „modern art ensemble“ trat in der Besetzung Flöte, Harfe, Klavier und Violoncello auf. Die Instrumente führten einen Dialog mit dem schlanken und überaus farbenreichen Tenor Friedemann Hechts, der sich als Glücksfall für die Aufführung erwies.

Die vertonten wie die gesprochenen Texte, Gedichte und Auszüge aus der Autobiografie Carvajals, wechseln einander collagenartig in produktiver Spannung ab. Wilenski gelingt dies musikalisch durch einprägsame Melodien, aber auch durch seinen Umgang mit den Texten. Insbesondere die strahlenden „Ea, ea“-Rufe wandeln sich in Wilenskis Händen und Fechts Umsetzung von kalter Unverständlichkeit einer Opfersehnsucht in die verzweifelte Flucht eines Menschen, der keinen anderen Ausblick mehr hat als seine Überzeugungen und Glaubensfantasien.

Sichern Sie sich jetzt SÜDKURIER Digital und erhalten Sie dazu das iPad Air 2. Sie erhalten damit die Digitale Zeitung und Zugang zu allen Inhalten bei SÜDKURIER Online.
Exklusive Bodenseeweine
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren
    Jetzt Newsletter anfordern:
    © SÜDKURIER GmbH 2017