Den genauen Blick auf die Dinge hat sich der Konstanzer Auktionator Carlo Karrenbauer seit Jahrzehnten zur Gewohnheit gemacht, und dass ihm etwas untergeschoben werden soll, kennt er. Doch bei diesem Fax musste er dreimal hinschauen – „und wenn ich nicht am Tag zuvor den SÜDKURIER gelesen hätte, wäre ich vielleicht in die Falle getreten“, sagt Karrenbauer. Denn mit einem dubiosen Fax sollte er zu einem Eintrag in ein Online-Branchenbuch gedrängt werden, dessen Bedeutung zumindest zweifelhaft ist. Das Schreiben sah täuschend echt nach den Briefen aus, die die Deutsche Telekom und die regulären Telefonbuchverlage versenden. Die Masche ist bekannt, wie auch die Handwerkskammer vor wenigen Tagen warnte. Wer das Fax unterschrieben zurücksendet, muss im Laufe von drei Jahren insgesamt 2880 Euro für einen „Premiumeintrag“ bezahlen. Der erscheint freilich nur auf einer Internetseite, die von Moldawien aus betrieben wird. Und all das steht so nicht einmal im Kleingedrucken.
Die Fax-Anfrage, die in diesen Tagen Selbstständige, Händler, Handwerker und Firmeninhaber erreicht, gibt als Rücksendenummer einen Anschluss mit der durch einen Bindestrich verschleierten Vorwahl 0044 an, das steht für Großbritannien oder die Kanalinseln. Nur ganz winzig ist in der Absenderzeile über der Anschrift von „Lexfati srl.“ die Rede, in „2036 Chisinau“ – die Stadt liegt in der Republik Moldawien.
Carlo Karrenbauer hat das gemacht, was die Polizei in solchen Fällen empfiehlt: Er hat Angebot gründlich geprüft und dann das Fax schlicht ignoriert. Denn wer den Bogen zurücksendet, kommt aus der Zahlungspflicht nur sehr schwer wieder heraus. Die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Seelbach und Imm warnt dazu auf ihrer Internetseite: „Statt kostenlosem Standardeintrag in den bekannten Gelben Seiten gibt es teuren Premiumeintrag auf wenig bekannter Internetseite. Eine Eintragung auf dieser Internetseite dürfte den betroffenen Unternehmern wenig bringen.“ Auch der Konstanzer Polizeisprecher Fritz Bezikofer rät zur Vorsicht, Unternehmen sollten genau prüfen, was ihnen die angebotene Dienstleistung bringt. Seine Einschätzung: „Von einem Eintrag in dieses Verzeichnis dürften die Firmen nicht viel haben.“
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