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Konstanz Dresdner Kreuzchor beeindruckt im Konstanzer Münster

Mal sanft und fein austariert, dann wieder mit schroffer Dynamik: Der Dresdner Kreuzchor erfüllt bei seinem Gastspiel in Konstanz die hochgesteckten Erwartungen.

Auf seiner zehntägigen Sommertournee machte der berühmte Dresdner Kreuzchor auch im Konstanzer Münster Station. Große Erwartungen knüpfte man im ausverkauften Münster an das Konzert – und sie wurden allesamt erfüllt. Ein wunderbares Erlebnis sei das Konzert gewesen, schwärmte eine Besucherin.

Kreuzkantor Roderich Kreile leitete den Chor, der mit etwa 50 Sängern im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter auftrat. Dass der Internats-Chor mit mehreren Probenstunden pro Tag in Richtung Professionalität geht und musikalische Perfektion anstrebt, ist kein Wunder – und es war eine große Leistung für die Jüngsten, mit Ernst und großer Disziplin das zweistündige Konzert zu meistern.

Das Tournee-Programm mit ausschließlich geistlicher Musik überzeugte auf der ganzen Linie. Klar artikulierend, textdeutlich, sauber und auch in komplexen mehrstimmigen Strukturen auf Homogenität bedacht, entfaltete sich schönster Chorklang im akustisch bestens austarierten Kirchenraum. Die Werke aus Renaissance und Frühbarock von Felice Anerio, Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein, die oft tonmalerisch angelegt sind, ließ Dirigent Kreile mit textdeutender Dynamik singen, legte Wert auf fein ausklingende Schlüsse. Fast schwebend entfalteten sich die glasklaren Sopranstimmen der jüngeren Sänger. Die Motetten von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms atmeten romantische Schlichtheit im großen Fluss und erforderten dabei auch chorische Höchstleitungen beim Bewältigen der komplexen Chorsätze.

Mit spätromantischen Anklängen beginnt Georg Schumanns Choral-Motette „Sollt ich meinem Gott nicht singen“. Doch welche Überraschungen birgt das siebenstrophige Werk aus den 1930er-Jahren an Dissonanzen, delikaten harmonischen Reibungen und schroffen Lautstärke-Wechseln, die der Kreuzchor in seiner Interpretation zur Geltung brachte! Wie eine musikalische Meditation über Glaubensfragen zog die Motette – wie auch die anderen Werke vom Dresdner Chor mit makelloser Intonation gesungen – die Zuhörer in den Bann.

Organist Jürgen Kursawa aus Düsseldorf bereicherte die 14 Chorbeiträge mit zwei Orgelwerken. Johann Sebastian Bachs „Toccata, Adagio und Fuge C-Dur“ BWV 564 legte er in der majestätischen Toccata mit schroffen Zäsuren fast improvisatorisch an und ließ die zarte Melodie des Adagios klagend fließen. Kleine Unsicherheiten im vierstimmigen Fugenverlauf blieben marginal. In César Francks sinfonisch behandeltem Orgelchoral in h-Moll von 1890 konnte Kursawa die Farbklang-Vielfalt der 63 Register der schönen Klais-Orgel bestens herausstellen. Mit der Zugabe, Josef Rheinbergers besinnlichem Abendlied „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“, entließ der Kreuzchor in den lauen Sommerabend.

Der Kreuzchor

  • Das Ensemble: Den Dresdner Kreuzchor gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Wichtige Aufgaben der Kruzianer ist es, in den liturgischen Diensten der Kreuzkirche am Dresdner Altmarkt zu singen und Konzerte zu geben.
  • Kantor und Profi-Nachwuchs: Roderich Kreile leitet den Chor seit 1997 als 28. Kreuzkantor. Aus dem Chor erwuchsen viele bedeutende professionelle Musiker, so etwa Martin Lehmann, der den Windsbacher Knabenchor leitet, Steffen Kammler, Chordirektor der Norwegischen Staatsoper, Ekkehard Klemm, Rektor der Hochschule für Musik Dresden, Hans Christoph Rademann, der unter anderem die Internationale Bachakademie Stuttgart leitet, Achim Zimmermann von der Berliner Singakademie und viele andere.

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