Konstanz Dreiste Betrugsmasche bei Wohnungsvermietungen

Die Wohnungsnot unter Konstanzer Studenten wird erbarmungslos ausgenutzt, da die Nachfrage beim Semesterstart regelmäßig extrem hoch ist. Vor allem unter den Inserenten in Internet gibt's jede Menge schwarze Schafe.

Am nächsten Montag beginnt für die Studierenden der Universität das Sommersemester. Allerdings sind wahrscheinlich einige von ihnen immer noch auf der Suche nach einem Zimmer oder einer Wohnung. Auf Online-Immobilienseiten bieten Privatpersonen täglich unzählige Angebote und Gesuche für Mietobjekte in Konstanz an, aber leider gibt es unter der Flut an Inseraten auch immer wieder schwarze Schafe. Auf zwei von ihnen ist Simon Kästle aufmerksam geworden. Der Student an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) war auf der Suche nach einer kleinen Wohnung, als er sich Ende März auf eine 55 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung mit Balkon in der Cherisystraße für 393 Euro Warmmiete bewarb. Gleich am nächsten Morgen meldete sich per E-Mail eine Frau, die sich als 46-jährige Ärztin aus Manchester ausgab. Sie erklärte Simon Kästle, sie habe die inserierte Wohnung von ihrem verstorbenen Großvater geerbt und wolle nun diese für einen beliebigen Zeitraum „von einem Monat bis 20 Jahre oder mehr“, wie es in der E-Mail heißt, vermieten.

Im folgenden E-Mail-Verkehr erklärte die angebliche Eigentümerin Simon Kästle, die Schlüsselübergabe und vertragliche Abwicklung erfolge über Airbnb, eine Plattform zur Vermittlung privater Unterkünfte, da es ihr im Moment nicht möglich sei, nach Deutschland zu kommen. Im Gegenzug zu einigen persönlichen Daten, wie Mobilfunknummer oder der Reisepassnummer werde sie Airbnb kontaktieren, um das Geschäft einzuleiten. Der Interessent solle anschließend innerhalb von 24 Stunden den vereinbarten Betrag auf ein ihm zugewiesenes Bankkonto von Airbnb überweisen. Eine Besichtigung der Wohnung sei vorher nicht möglich.

Als Kästle schließlich zur Probe die Adresse in die Suchmaschine eingab, ist die dreiste Masche sofort aufgeflogen, denn dahinter verbarg sich das im November 2015 eröffnete Studenten-Appartementhaus Campus Konstanz. Die Verwaltung von Campus Konstanz wusste nichts von dem Missbrauch der Adresse und nimmt diesen auch nicht tatenlos hin: „Wenn Dritte betrügerisch und mit einer gestohlenen Identität agieren und dabei unsere Klienten und Reputation gefährden, möchten wir dies nicht tolerieren. Um Personen, die an den Apartments im Studentenwohnhaus Campus Konstanz interessiert sind, und unser Unternehmen zu schützen, haben wir uns dazu entschlossen, den vorliegenden Sachverhalt zur Prüfung an unseren Justiziar weiterzureichen. Ich befürchte jedoch, dass die Erfolgschancen, einen Verantwortlichen zu belangen, eher gering sind“, erklärte Jürgen P. Ramos, Pressesprecher der Immobilisten Gesellschaft für Objektbetreuung GmbH & Co. KG aus Markdorf, die die Hausverwaltung des Studentenwohnhauses innehat.

Schon drei Tage zuvor hatte Simon Kästle eine ähnliche Rückmeldung auf eine im Internet inserierte Zwei-Zimmer-Wohnung in der Blarerstraße von (aus Spanien) erhalten. Er hat den E-Mail-Verkehr beider Anfragen verglichen und ihm fiel auf, dass teilweise ganze Textpassagen identisch sind. „Die erhaltenen E-Mails waren mit Google-Übersetzer sehr schlecht übersetzt. Die Antworten waren fast identisch, lediglich bei Preis und Ausstattung gab es Abweichungen“, erinnert er sich.

Die Masche der mutmaßlichen Betrüger scheint immer dieselbe zu sein: Sie erstellen auf Online-Immobilienseiten Inserate mit unschlagbar günstigen Wohnungsangeboten, missbrauchen dafür private Adressen und Bilder aus dem Netz. Meldet sich ein Interessent auf die Anfrage, erklären die Person, dass sie sich momentan im europäischen Ausland befindet und die vertragliche Abwicklung daher über Airbnb erfolge. Eine Besichtigung der Wohnung ist vorher in keinem Fall möglich. Im Angebot angegebene Adressen und Telefonnummern führen ins Leere – und die Seite Airbnb hat damit nichts zu tun. Das Unternehmen Airbnb macht auf seinem offiziellen Internetauftritt auf solche Betrugsmaschen aufmerksam und mahnt zur Vorsicht.

Aber gerade in Konstanz herrscht, wie in vielen anderen Uni-Städten, eine große Wohnungsnot. Für Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds Bodensee, ist diese dreiste Masche ein Auswuchs dieses Wohnungsproblems. Abhilfe sieht er in einer Entspannung des Marktes: „Die Not muss gelindert werden, wir brauchen Neubau an Wohnungen."

Schutz vor Betrügern

Grundsätzlich sollte man keine Vorauszahlung leisten, solange man die Wohnung nicht gesehen hat. Misstrauen ist auch dann angebracht, wenn der Vermieter zwar eine Vertragsabwicklung über Airbnb will, eine Vorauszahlung aber abseits dieser Vermittlungsplattform kassieren möchte. Soll auf ein ausländisches Konto eingezahlt werden, ist das oft ein Indiz für Betrug. (sk)

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