Ein Augenzeuge schildert dramatische Szenen auf dem Flugplatz am Stadtrand von Konstanz. Gerry Mayr wollte sich über die Möglichkeiten des Fallschirmspringens informieren. Er sah das Sportflugzeug über dem Tower, als es angefangen habe zu schlingern. Er dachte sofort an die rund 30 Fallschirmspringer, die sich auf dem Gelände aufhielten, zum Teil in einem Zelt. Er rief ihnen zu „Weg, weg, sofort!“ Das Flugzeug sei direkt neben dem Zelt auf den Platz geknallt. Sieben Personen retteten sich durch einen Sprung aus dem Zelt, berichtet die Freiwillige Feuerwehr Konstanz.
Gerry Mayr half dem Piloten, dessen Mitfliegerin in Sicherheit zu bringen. „Wir rannten um das Flugzeug und ich schrie ihn an: ‚Wir nehmen die Frau mit, du links, ich rechts!'“ Das Flugzeug ging in Flammen auf. Dann sah er, wie Robert Leitner, Flugleiter des Flugplatzes, mit dem Löschwagen an die Unglücksstelle kam. Leitner hatte schnell alle Stellen alarmiert und war zum Fahrzeug gerannt. „Es hat alles bestens geklappt. Es ist keine zwei Minuten gegangen, da war ich zur Stelle.“ Er bekämpfte die Flammen mit Löschpulver. Das Feuer sei durch Verpuffungen immer wieder aufgeflammt, berichtet er. Die Feuerwehr legte schließlich einen Schaumteppich auf das Wrack.
Der Unfall geschah kurz nach 18 Uhr. Das einmotorige Flugzeug hob mit zu geringer Geschwindigkeit ab und gewann nicht genügend Höhe, berichtet die Polizei. Es flog knapp über den Tower, der 45 Jahre alte Pilot zog die Maschine dann nach rechts. Sie kam aber wieder nach unten, streifte das Zelt und setzte ohne Fahrwerk auf der Wiese auf, wie es weiter heißt. Der Pilot rettete sich leicht verletzt aus der Maschine. Die 44 Jahre alte Frau, die in der Maschine saß, zog er noch aus dem Flugzeug. Dann ging es in Flammen auf. Die Frau erlitt nach Angaben der Polizei schwere Verbrennungen und wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Tübingen geflogen. Außerdem wurde eine 36-jährige Frau aus der Fallschirmgruppe am Bein verletzt, ein 39-Jähriger erlitt Prellungen. Der Pilot stammt aus Nordrhein-Westfalen, die Frau aus Bayern. Insgesamt sind alle Beteiligten noch glimpflich davon gekommen. Robert Leitner: „Das hätte auch anders ausgehen können.“
Die zuständige Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung und die Kriminalpolizei Konstanz ermitteln die Unfallursache. Denkbar seien ein Pilotenfehler oder ein technischer Defekt, sagte Michael Aschenbrenner, Sprecher der Polizeidirektion. „Wir hoffen, bald ein Ergebnis zu haben.“
Robert Leitner sieht den Flugplatz als sicher an. Erst im Frühjahr sei er vom zuständigen Regierungspräsidium Freiburg begutachtet worden. „Er wäre sofort zu, wenn er nicht sicher wäre“, sagt er. Es sei alles sehr gut einzusehen. Falls ein Pilotenfehler vorliege, könne man als Flughafenbetreiber nichts machen. „Wir sind eine öffentliche Verkehrseinrichtung und haben null Einfluss.“ Klaus Menge, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz, schätzt die Anlage ebenfalls als sicher ein. Es könne immer zu einem Unfall kommen, so wie auf einer Straße. „Dieser Flugunfall hat nichts mit der Sicherheit des Flugplatzes zu tun.“ Durch die neue Anfahrtsstraße habe sich die Situation für die Rettungskräfte sogar verbessert.
Immer wieder kommt es am Konstanzer Flugplatz zu Flugzeugabstürzen und Unfällen mit Verletzten und Toten. Jedes Mal stellt sich danach auch die Frage, wie sicher der Flugplatz ist. Lesen Sie alles darüber in unserem Themenpaket.

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