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Konstanz Diskriminierungsvorwürfe gegen Drogeriemarkt in Konstanz: Darf der Ladendetektiv Ausweise kontrollieren?

Ein Schwarzer wird von einem Ladendetektiv ohne Begründung nach seinem Ausweis gefragt - und weigert sich, ihn zu zeigen. Warum denn nicht, wenn er nichts verbrochen hat, sagen andere Kunden. Warum schon, fragt Daniel Mané, und erzählt von einer Demütigung.

"Ihren Ausweis bitte": Wie würden Sie auf diese Frage reagieren, wenn Sie gerade in einem Drogeriemarkt auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk sind? Den Ausweis unvermittelt zeigen? Erst einmal den Ausweis des Gegenübers verlangen? Daniel Mané entschied sich für eine Gegenfrage. "Warum"? Der Mann zeigt seine Karte, er sei Ladendetektiv. "Ihren Ausweis bitte". Gegenfrage. "Warum?" Das Gespräch heizt sich auf, es wird laut. Andere Kunden drehen sich um, es ist voll an diesem Tag im Müller-Markt an der Marktstätte. Ein Samstag. "Nun zeigen Sie Ihren Ausweis doch, wenn Sie kein schlechtes Gewissen haben", soll eine Kundin zu Daniel Mané gesagt haben. "Sie fand es normal, dass der Schwarze seinen Ausweis ohne Begründung und vor allen anderen Menschen bei Verlangen vor einem Nicht-Polizeibeamten zeigen muss", sagt Daniel Mané ein paar Wochen nach dem Vorfall, den am Ende die Polizei klären musste.

Erst im Gespräch mit Beamten vor der Filiale erfährt Daniel Mané nach eigenen Aussagen den Grund der Überprüfung. Der Ladendetektiv hatte ihn fälschlicherweise im Verdacht, Hausverbot zu haben. "Eine bedauerliche Verwechslung", erklärt die Müller-Filiale später gegenüber ihrem Kunden – ihrem ehemaligen, um genau zu sein. Obwohl er davor kein Hausverbot hatte, bekam Mané es an jenem Samstag. Weil er sich geweigert habe zu kooperieren und das Gespräch zwischen Detektiv und ihm laut geworden sei, berichtet er. Macht im Grunde nichts, Mané hat sowieso nicht vor, je wieder dort nach einem Geburtstagsgeschenk zu suchen. Stattdessen ist er auf der Suche nach Antworten. Immer noch auf die Frage: Warum? "Es ist offensichtlich, dass ich dem Detektiv verdächtig erschien, weil ich schwarz bin, und er deswegen von mir den Ausweis verlangte", sagt Mané.

"Immer gibts Probleme mit euch", soll der Ladendetektiv gesagt haben. "Das hat mich noch mehr aufgebracht. 'Mit euch' meinte er nichts anderes als 'mit euch Schwarzen'". Solche offenkundig rassistischen Äußerungen wolle er nicht still und widerspruchslos hinnehmen – stellvertretend für all jene, denen dasselbe passieren hätte können.

Gespräch mit Filialleitung gestaltet sich schwierig

Die falschen Vermutungen richteten sich nicht gegen ihn als Person, das weiß er auch, sagt Mané, der aus dem Kongo stammt und sich in Deutschland seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Diskriminierung auseinandersetzt. Aber gegen ihn als einen von vielen, die eben anders aussehen als der typische Konstanzer, sofern es den überhaupt gibt. Seinen echten Namen will Daniel Mané nicht in der Zeitung lesen. Er sei nur Stellvertreter. Und nicht nur verärgert über den Vorfall selbst, sondern auch über die Kommunikation mit den Verantwortlichen von Müller danach. Mané und seine Nachbarin bitten ein paar Tage später den Filialleiter um ein klärendes Gespräch. Zwischen Parfüm und Kasse verläuft aber auch dieses schwierig, nur das Hausverbot hebt der Filialleiter auf. Mané schreibt einen langen Brief an die Zentrale nach Ulm, bittet um eine Stellungnahme des Ladendetektivs und bekommt ein einseitiges Antwortschreiben inklusive einer Entschuldigung und einem 50 Euro-Gutschein zurück. Mané antwortet: "Finden Sie ernsthaft, dass diese Demütigungen mit einer von Mitarbeitern Ihrer Unternehmenszentrale verfassten Entschuldigung und einem kleinen Einkaufsgutschein angemessen beantwortet ist? Würden Sie sich, an meiner Stelle, hierdurch mit Ihrem Anliegen ernst genommen fühlen?"

Auch auf eine Presseanfrage reagiert Müller kurz und knapp. Die Bitte, den Vorfall aus der Sicht des Konstanzer Filialleiters und des Ladendetektivs zu hören, bleiben ebenso unbeantwortet wie diese Fragen: Wie können und müssen sich Ladendetektive in Ihrem Unternehmen vor Kunden ausweisen? Warum wurde Herr Mané aufgefordert, seinen Ausweis vorzuzeigen? Warum wurde Herr Mané weder beim ersten noch beim zweiten Aufeinandertreffen mit dem Filialleiter in ein Büro gebeten, um die Sache zu besprechen? Warum hat Herr Mané letztendlich Hausverbot erhalten? Ist es korrekt, dass Sie – in der Konstanzer Filiale und allgemein – zunehmend Probleme mit Nordafrikanern haben, wie es der Filialleiter zu Herrn Mané gesagt haben soll? Keine Antwort. Stattdessen: "Wir möchten klarstellen, dass wir uns von sämtlichen Anschuldigungen in Bezug auf eine Diskriminierung distanzieren. Die Prüfung der Ausweisdaten zur Feststellung eines bereits ausgesprochenen Hausverbotes ist für uns personenunabhängig." Dabei muss man Ladendetektiven seinen Ausweis nicht zeigen.

Daniel Mané hat den 50-Euro-Gutschein zurückgeschickt. "Niemand würde sich, an meiner Stelle, hierdurch mit seinem Anliegen ernst genommen oder auch nur ansatzweise verstanden fühlen. Die letzte E-Mail aus der Müller-Zentrale bestätigt und verstärkt diesen Eindruck, denn sie behaupten unverschämt, ich hätte kooperieren müssen, das heißt, allen Anweisungen des Detektivs gehorchen müssen, um den Eklat zu vermeiden." Der Eklat – vielleicht hat er gerade erst angefangen.

  • Diskussion: Was ist Ihre Meinung? Können Sie Daniel Manés Reaktion verstehen? Hat der Ladendetektiv richtig gehandelt? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie uns – per Post oder Mail an konstanz.redaktion@suedkurier.de

Ausweis bitte: Wer wann was kontrollieren darf

  • Personalausweis oder Reisepass müssen im Allgemeinen nur gegenüber staatlichen Behörden vorgezeigt werden, zum Beispiel gegenüber der Polizei, dem Zoll oder dem Ordnungsamt. Festgelegt ist das im Paragraph 163b der Strafprozessordnung, "Maßnahmen zur Identitätsfeststellung", im Paragraph 26 des Polizeigesetzes sowie im Paragraph 10 des Zollverwaltungsgesetz, bestätigt Bernd Schmidt von der Pressestelle der Polizei Konstanz. Jeder Deutsche ab 16 Jahren muss laut Paragraph 1 des Personalausweisgesetz einen Personalausweis besitzen. Es besteht jedoch keine Pflicht, ihn mit sich zu führen. Wer ohne Personalausweis in eine Polizeikontrolle gerät, kann nach Angabe der persönlichen Daten aufgefordert werden, den Ausweis später vorzulegen. Nur bei begründetem Verdacht darf die Polizei eine Person ohne Ausweis bis zu zwölf Stunden in Gewahrsam nehmen. "Ein Identitätsgewahrsam nach dem Polizeigesetz ist bis zum Ende des darauffolgenden Tages möglich, allerdings muss eine unverzügliche richterliche Entscheidung herbeigeführt werden", so Schmidt.
  • Ladendetektiven, privaten Sicherheitsdiensten oder Fahrschein-Kontrolleuren muss man seinen Ausweis nicht zeigen. Ertappen Sie eine Person auf frischer Tat bei einer Straftat, können sie aber die Polizei rufen und die Person bis zu deren Eintreffen festhalten. Körperlichen Zwang darf der Sicherheitsdienst nur anwenden, wenn der Verdächtige zu fliehen versucht. Der Zwang muss jedoch verhältnismäßig sein. Wendet der Sicherheitsdienst unangemessene Gewalt an, macht er sich, wie jeder andere Bürger auch, strafbar.
  • Taschenkontrollen im Kaufhaus wertet der Bundesgerichtshof (BGH, 03.11.1993, VIII ZR 106/93) als erheblichen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht und sind darum verboten. Bei konkretem Verdacht dürfen sie nur von der Polizei durchgeführt werden. Anders ist es bei Konzerten oder Fußballspielen: Mit dem Ticket-Kauf stimmen Besucher Taschenkontrollen (durch Abtasten) durch den Veranstalter zu. (sap)

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