Konstanz Die verkannten Managerinnen gehen in die Offensive

Sie halten den Uni-Betrieb am Laufen, doch ihr Verdienst kommt einem Hungerlohn nahe. Jetzt begehren die Sekretärinnen auf. Doch wer zusätzliches Geld bereitstellen soll, ist umstritten.

Uni-Sekretärinnen fordern von der Politik mehr Anerkennung für ihre Arbeit: Andreas Hoffmann (CDU), Ulrike Burk-Heerschlag, Cornelia Heuer, Siegfried Lehmann (Grüne) Helke Schmal, Marianne Griesser (von links).
Uni-Sekretärinnen fordern von der Politik mehr Anerkennung für ihre Arbeit: Andreas Hoffmann (CDU), Ulrike Burk-Heerschlag, Cornelia Heuer, Siegfried Lehmann (Grüne) Helke Schmal, Marianne Griesser (von links). | Bild: Hanser

Eben musste Ulrike Burk-Heerschlag mal wieder Protokoll schreiben. Auf Englisch, die Sitzung war ja auch auf Englisch. Dann muss sie den Einsatz der sieben Studenten koordinieren, die am Lehrstuhl als wissenschaftliche Hilfskräfte tätig sind. Zwischendurch die Mails, die auf ihren Chef einprasseln, Studenten mit ihren Anliegen, Abrechnungen. Und das alles mit einer halben Stelle, das alles für 600 Euro netto im Monat. Weil der Apparat in den 70er Jahren steckengeblieben ist und die Tätigkeit von Uni-Sekretärinnen als bloßes Verrichten von Schreibarbeiten gewertet werden. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Und Ulrike Burk-Heerschlag ist nicht allein. Auch in Tübingen, Freiburg und Heidelberg gehen die heimlichen Managerinnen der Lehrstühle auf die Barrikaden. Sie wollen mehr Geld, das ist das eine. Sie wollen vor allem aber auch mehr Wertschätzung. Sie wollen, dass das Profil ihrer Stellen anders formuliert wird. Sie wollen, dass endlich anerkannt wird, dass es in Konstanz fast zur Hälfte Akademikerinnen sind, die diese Aufgabe übernehmen. Und sie wollen der Landespolitik vermitteln, dass Hochschulsekretärinnen längst nicht mehr nur diktierte Briefe abtippen und für ihren Chef mal eine Bahnfahrkarte bestellen.

Die Sekretärinnen-Initiative dazu, auch mit Verweis auf die neuen Master- und Bachelor-Studiengänge: „Das Berufsbild hat sich in den letzten Jahren – nicht zuletzt bedingt durch eine verstärkte Finanzierung durch Drittmittelgeber, durch Internationalisierung und Umstellung der Studiengänge nach Bologna enorm gewandelt.“ Oder, mit Worten von Burk-Heerschlag: „Ich muss nicht weniger als den Überblick über alles behalten.“

So haben es auch drei Landtagsabgeordnete an der Uni Konstanz jüngst gehört. Andreas Hoffmann (CDU), Norbert Zeller (SPD) und Siegfried Lehmann (Grüne) haben gleich auch noch gelernt: Es geht nicht nur um die Unis. Auch von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung war eine Vertreterin dabei, ebenso vom Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Die Politiker wollten prüfen, weitergeben, Rücksprache halten: Das haben die Damen aus dem Gespräch mitgenommen, „immerhin.“

Wer für eine bessere Einstufung zuständig ist, ist umstritten. Die Uni-Leitung würde die Frauen gerne besser bezahlen, hat aber kein Geld. Das Land will, dass die Uni intern umschichtet. Bis sich etwas ändert, dürfte es dauern. So lange kommen auf dem Konto einer langjährigen Sekretärin, halbe Stelle (Vollzeit-Jobs gibt es schon lange nicht mehr), Entgeltgruppe TVL E5, Steuerklasse 5, jeden Monat 594,24 Euro an. Immerhin wissen die Chefs, was sie an ihren Sekretärinnen haben: Als jüngst Unterschriften gesammelt wurden, um auf die Bedeutung dieser Stützen der Wissenschaft hinzuweisen, haben auch viele Professoren unterschrieben.

Jörg-Peter Rau

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