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Konstanz Die Zukunft der Forscher

Konstanz – Wissenschaftler ist immer noch ein Traumberuf. Dass die Realität angesichts wachsender Zahlen von Hochschulabsolventen und fehlender Karrierechancen anders aussieht, war Thema einer Podiumsdiskussion an der Universität Konstanz. Gestritten wurde darüber, welche Wege aus dieser Situation führen könnten.

„Wer heute noch Professor werden will, hängt entweder am Titel oder er ist hoffnungslos idealistisch.“ Manuel J. Hartung, Chefredakteur des Hochschulmagazins ZEIT Campus, schlug mit einem Zitat den Ton an für die Podiumsdiskussion an der Universität, in der es um die Zukunft des wissenschaftlichen Nachwuchses ging. Um ein Konzept „alternativer Wissenschaftlerkarrieren“ wurde anschließend gerungen. Auf dem Podium saß des Weiteren der Publizist Malte Herwig, dazu von der Universität der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke sowie die Philologin Eva Blome, über das von ihr herausgegebene „Handbuch universitärer Gleichstallungspolitik“ ebenfalls als Kennerin der Materie ausgewiesen.

Nicht erst seit der Exzellenzinitiative werden vermehrt Wissenschaftler ausgebildet, die hoch qualifiziert sind, sich aber mit Projektverträgen finanzieren müssen. Zur Forschung kommen dabei Lehraufträge, so dass bis zu einer Habilitation Jahre vergehen. Im Durchschnitt ist ein Wissenschaftler heute 42 Jahre alt, wenn er auf eine Professur berufen wird. Und das gelingt ohnehin nur 40 Prozent derjenigen, die habilitieren, war aus der Veranstaltung zu hören.

Wer die derzeitige Situation zu verantworten hat, darüber gingen die Auffassungen auseinander. Eva Blome nahm die Universitäten in die Pflicht und forderte die vermehrte Einrichtung von intermediär angesiedelten Stellen, auch mit Spezialisierung auf Lehre oder Management. Manuel J. Hartung brandmarkte das System zwar als unsozial, hält das Ideal der reinen Bildung jedoch für überholt. Es müsse zudem mehr darauf geschaut werden, wer sich überhaupt eigne; eine Projektförderung solle dann aber von längerer Dauer sein.

Malte Herwig machte sich für einen Weg aus der Universität heraus stark. Albrecht Koschorke wies darauf hin, dass das US-amerikanische Modell einer zehnjährigen Förderphase das Problem verschiebe, aber auch nicht löse. Er erinnerte daran, wie in den 1980er Jahren die Universität als „Versorgungsinstitution“ stagnierte. „Die Universität muss sehen, dass sie führende Leute ausbildet, die eigenständig ihren Weg gehen“, sagte er.

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