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Konstanz Die Verwaltung im Fokus

Konstanz – Ohne eine effektive, organisierte und loyale öffentliche Verwaltung würde im politischen Betrieb und auf gesamter gesellschaftlicher Ebene wohl einiges schief laufen. Sie ist das Bindeglied zwischen Staat und Bevölkerung, das für die Umsetzung politischer Willensbildung und das Wohl ihrer Bürger zuständig ist.

Sie rückten das Thema öffentliche Verwaltung in den Blick: Professor Wolfgang Seibel von der Universität Konstanz (links) und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau bei der Veranstaltungsreihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“.
Sie rückten das Thema öffentliche Verwaltung in den Blick: Professor Wolfgang Seibel von der Universität Konstanz (links) und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau bei der Veranstaltungsreihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“. | Bild: Bild: hanser

Darüber sind sich die meisten im Großen und Ganzen einig. Doch kann Verwaltung auch sexy im Sinne von interessant sein?

Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Tatsächlich wirft der komplexe Gegenstand der öffentlichen Verwaltung ein Füllhorn an Fragen auf, mit dem sich Medien und Wissenschaft tagtäglich auseinandersetzen. Professor Wolfgang Seibel von der Uni Konstanz beschäftigt sich mit der Logik von erfolgreichen und insbesondere scheiternden Verwaltungen. Am Dienstagabend war der renommierte Politik- und Verwaltungsforscher Gast der Veranstaltungsreihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“ unter Moderation von SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau.

Dass die Themen Verwaltung und Bürokratie dabei durchaus hochbrisant sein können, bewiesen an diesem Abend nicht zuletzt die knapp 120 Gäste im Café Voglhaus. Am konkreten Beispiel der Love-Parade-Tragödie in Duisburg vergangenes Jahr, bei der 21 Menschen in einer Massenpanik starben, wurden Ursachen und Folgen des Verwaltungsversagens diskutiert. Obwohl es damals Vorwarnungen von Seiten der Polizei gegeben hatte, dass der Tunnel zum Festgelände nicht sicher für die Anzahl der Teilnehmer sei, wurden diese von den obersten Entscheidungsträgern, allen voran Duisburgs OB Sauerland, offenbar ignoriert. Wolfgang Seibel sprach in diesem Zusammenhang von einer Art Betriebsblindheit der zuständigen Bürokraten und Politiker, einer selektiven Wahrnehmung, welche die Prioritäten entgegen aller Vernunft anders eingestuft hat und letztendlich in die Katastrophe führte. Natürlich dürfe das nicht als Entschuldigung missverstanden werden.

Darüber hinaus betonte Seibel, der jüngst in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde: „Sauerland hätte, unabhängig von persönlichem Verschulden, nach der Tragödie zurücktreten sollen. Durch sein trotziges Verhalten beschädigt er als Verwaltungschef das Vertrauen in sein Amt und die gesamte öffentliche Verwaltung.“

Auch das Thema Stuttgart 21 und die damit verbundenen Rufe nach mehr direkter Demokratie wurden bei der fast zwei Stunden dauernden Veranstaltung angeregt diskutiert. Seibel mahnte in diesem Zusammenhang zur Vorsicht, denn Volksentscheide seien kein Allheilmittel. Die repräsentative Demokratie habe „viele Vorteile, über die noch zu wenig gesprochen wird“, sagte der Wissenschaftler. Wie die gescheiterte Schulreform in Hamburg oder fremdenfeindliche Abstimmungen in der Schweiz zeigten, könnten Plebiszite ungeahnte Folgen haben.

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