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Konstanz Die Region soll digitaler werden

Unternehmen und Hochschulen vernetzen sich. Bodenseeraum rüstet sich für Industrie 4.0. Auf Arbeitsmarkt Gefahren für Geringqualifizierte.

Smartphone? Tablet? Leistungsstarke Software? Jaja, schon klar, all das sind Dinge, ohne die Digitalisierung nicht denkbar wäre. „Aber Digitalisierung ist weit mehr als das Anwenden digitaler Technologie“, sagte Hans-Dieter Zimmermann, Informatiker an der Fachhochschule St. Gallen, gestern in seinem Vortrag an der Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG): „Sie erfordert ein neues Denken.“ Denn das Arbeiten und Produzieren wird sich massiv verändern, und deshalb trafen sich etwas mehr als 100 Wissenschaftler und Unternehmer aus dem Bodenseeraum gestern in der HTWG. „Digitalisierung kennt keine Grenzen“ hieß die Tagung, auf der sie sich vornahmen, sich zu vernetzen, um die neuen Herausforderungen in Produktion, Arbeit und Bildung gemeinsam zu schultern.

Denn die Bodenseeregion sei ja wirtschaftsstark und innovativ, „aber wir haben nach wie vor ein Vernetzungsdefizit“, sagte der baden-württembergische Europaminister Peter Friedrich (SPD). „Der See ist etwas Trennendes. Manchmal ist es einfacher, von Konstanz aus eine Firma in Nordrhein-Westfalen für eine Kooperation zu finden, als jenseits des Sees in der Schweiz“, stimmte Zimmermann zu. Und so sollte die Tagung, zu der die HTWG und die Internationale Bodensee-Konferenz unter einer Art Schirmherrschaft Peter Friedrichs eingeladen hatten, der Startschuss für ein neues Netzwerk sein: In der „Grenzüberschreitenden Plattform Innovation 4.0“ sollen sich Unternehmen über Erfahrungen austauschen, Kooperationspartner finden und den Freiraum haben, gemeinsam über kreativen Ideen brüten zu können.

Industrie 4.0 lautet das Stichwort, das den nächsten Schritt der Digitalisierung umschreibt: die Vernetzung von Maschinen und deren direkte Verbindung mit dem Internet. Adidas zum Beispiel versuche gerade, eine neue Produktionsform zu entwickeln, erklärte Zimmermann: Künftig soll es so sein, dass im Laden Fußform, Gewicht und Laufstil des Kunden festgestellt und analysiert würden – und der individuelle Laufschuh dann nebenan im Drei-D-Drucker produziert wird.

„Als ich begann zu studieren, war Apple ein reiner Hardware-Entwickler“, sagte Zimmermann. „Und jetzt ist Apple unter anderem der weltgrößte Musikproduzent.“ Produktionsabläufe und Geschäftsmodelle änderten sich mitunter rasant, ebenso Produktionsbedingungen – deshalb sei Digitalisierung eben mehr als nur das Bedienen von Computertechnik; es sei vor allem ein Umdenken bei Unternehmern und Arbeitnehmern, eine Öffnung für neue Ideen und Geschäftsmodelle.

Die Industrie 4.0 bedeute auch, dass traditionelle Jobs wegfallen, weil sie von Computern oder Robotern übernommen werden, sagte Jutta Driesch, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, in einer Podiumsdiskussion. Sie ist trotzdem optimistisch: „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Digitalisierung immer zu einem Anstieg von Beschäftigung geführt hat.“ Denn es entstünden gleichzeitig auch neue Berufsfelder. Diese seien dann aber oft komplex. Deshalb drohten auf dem Arbeitsmarkt diejenigen die Verlierer der Digitalisierung zu werden, „die die geringsten Qualifikationen haben“. Deshalb sei es eminent wichtig, dass in den Schulen niemand auf der Strecke bleibe. Und: „Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger“, sagte HTWG-Vizepräsident Oliver Haase. Für seine Hochschule bedeute das zum Beispiel, dass sie in der Weiterbildung eine größere Rolle spielen werde.


Revolutionäre Änderungen

Die Industrie 4.0 wird auch als „Intelligente Produktion“ bezeichnet – und weil sie in Betrieben so ziemlich alles verändern dürfte, auch als „Vierte industrielle Revolution“. Dabei sollen Maschinen untereinander vernetzt arbeiten und auch via Internet Daten einspeisen und aufnehmen.

Das Internet der Dinge ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung aller Lebensbereiche. Physische Dinge werden digitalisiert: Er sei schon jetzt gespannt auf den Schnellkochtopf, der über das Smartphone bedienbar sei, sagte der St. Gallener Informatiker Hans-Dieter Zimmermann auf der HTWG-Tagung. Markus Weinberger von der Bosch-Gruppe nannte ein anders Beispiel: Eines Tages sei es vielleicht möglich, dass das Fieberthermometer die gemessenen Temperaturen nicht nur anzeigen, sondern auch ins Internet einspeisen kann – dann könnten zum Beispiel Forscher früh Erkenntnisse zur örtlichen Ausbreitung von Grippe-Epidemien gewinnen.

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