Konstanz Die Nachbarn sind schneller als Konstanz: Kreuzlingen bekommt seinen Boulevard

Die Hauptstraße in der Nachbarstadt wird grundlegend neu organisiert. Unter anderem ist die Zufahrt aus Richtung Konstanz ab Mai nicht mehr möglich. Die Geschichte einer langen Planung mit viel langem Atem.

Ein weiteres Großvorhaben in der Nachbarstadt steht unmittelbar vor der Verwirklichung. Nachdem die Kreuzlinger Stimmbürger jüngst den Neubau des Stadthauses mit knapper Mehrheit bewilligt hatten, scheint nun auch beim Boulevard der gordische Knoten durchschlagen. Damit könnte eines der strittigsten Verkehrsprojekte in der Nachbarstadt bald umgesetzt werden. Im Kern sieht es vor, die Hauptstraße zwischen Helvetia- und Bärenplatz, also die Verlängerung der Achse Kreuzlinger Straße-Hauptzoll, weitgehend vom Autoverkehr zu befreien.

Die angedachte und so lange verzögerte neue Verkehrsregelung hat zum Ziel, den Durchgangsverkehr auf dem Boulevard zu halbieren. "Wir sind unverändert überzeugt, dass es gut funktionieren wird", sagt Zülle. Es ist vorgesehen, die Einfahrt in den Boulevard vom Helvetiaplatz her komplett zu sperren, was insbesondere für Autofahrer aus Richtung Konstanz eine große Veränderung bedeutet. Zudem, so die Kreuzlinger Planungen, soll eine Nebenstraße zwischen der Hauptstraße und dem Einkaufszentrum Karussell zu einer kleinen autofreien Zone werden.

Praktisch seit der Einweihung der Begegnungszone auf der Hauptstraße im Mai 2011 war über die Verkehrsregelung diskutiert worden. Denn der Rückgang des Durchgangsverkehrs trat nicht in gewünschtem Maße ein. Diverse Varianten von Regelungen mit Fahrverboten und Einbahnstraße in und um den Boulevard fanden in den letzten Jahren keinen Zuspruch und wurden wieder verworfen. Auch darin erinnert die Debatte an das Ringen um eine Lösung für den Konstanzer Bahnhofplatz.

Sogar eine Volksinitiative dafür, die Kreuzlinger Einkaufsstraße gänzlich autofrei zu machen, kam 2013 zustande, wurde ein Jahr später aber wieder zurückgezogen. Und zwar zugunsten einer Lösung, die von einem runden Tisch mit Vertretern der Initiative hinter dem Volksbegehren, des Gewerbevereins, des Quartiervereins Bodan und der Stadt Kreuzlingen gemeinsam erarbeitet wurde.

Doch nicht ganz alle waren mit der Lösung einverstanden. Bei der öffentlichen Auslegung der Pläne für den einjährigen Versuchsbetrieb gingen Ende 2014 sechs Einsprüche ein. Die Stadt Kreuzlingen entschied sich für den Rechtsweg und brachte die Entscheidung Ende 2015 vor das Verwaltungsgericht. Dieses hat ein Jahr später der Stadt recht gegeben und die Beschwerden gegen die befristete Verkehrsanordnung abgewiesen, wie der Kreuzlinger Bau-Ressortchef Ernst Zülle mitteilte.

"Wir sind hocherfreut, dass die Lösung, die am runden Tisch gemeinsam erarbeitet wurde, nun den Durchbruch geschafft hat", sagt Zülle. Doch ganz endgültig sei es noch nicht. Bis 1. Februar läuft noch die Rechtsmittelfrist für Beschwerden ans Bundesgericht. Wenn der Entscheid des Verwaltungsgerichts jedoch rechtskräftig wird, will der Stadtrat, also die Kreuzlinger Stadtregierung, die neue Verkehrsregelung mitsamt der Beschilderung als einjährigen Versuch spätestens im Mai einführen. In dieser Zeit werde dann die Wirkung der Maßnahmen laufend gemessen. Bevor die Regelung endgültig wird, müsste sie erneut öffentlich ausgelegt werden.

 

Die Boulevard-Pläne für den Konstanzer Bahnhofplatz

Weniger Autos, mehr Aufenthaltsqualität: Das hat sich auch Konstanz für eine zentrale Verkehrsachse einst vorgenommen 

  • Die Ausgangslage: Die Erweiterung des Lago-Parkhauses auf fast 1000 Stellplätze war planerisch und politisch nur durchsetzbar, wenn zugleich der Bahnhofplatz deutlich vom Verkehr entlastet würde. Das war die Grundlage für einen Gemeinderatsbeschluss im September 2010. Die Rede war von einer Begegnungszone, die für Autofahrer so unattraktiv werde, dass sie von selbst die Durchfahrt meiden.
  • Die Umsetzung: Auf den Bahnhofplatz wurden grüne Schlangenlinien gemalt, Banner kündigten eine Boulevard-"Modellphase 2012" an. Weil eine echte Begegnungszone sich als rechtlich schwierig erwies, wurde Tempo 20 erlassen. Auf Druck aus der Bevölkerung wurde auf Höhe der Marktstätte eine Fußgängerampel gebaut. Laut Stadtverwaltung ging der Autoverkehr in der Folge spürbar zurück. 

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