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Konstanz Die Hoffnung lebt: Politik stellt sich mehrheitlich hinter das Bodenseeforum

Die Einnahmen weit unter Plan, die Ausgaben deutlich darüber: Einen Traumstart hat das neue Tagungs- und Veranstaltungshaus von Konstanz nicht unbedingt hingelegt. Doch der Rückhalt für das Bodenseeforum ist nach wie vor groß.

Erstaunlich gelassen haben die gewählten Stadträte am Dienstagabend die finanziellen, technischen und personellen Schwierigkeiten beim Bodenseeforum diskutiert. Obwohl der Verlust in Start-Jahr 2016 von den geplanten 0,9 auf fast 1,7 Millionen Euro angestiegen ist, wurde das Projekt nur vereinzelt infrage gestellt. Auch Friedhelm Schaal, der nach dem abrupten Abgang des Gründungs-Geschäftsführers die Leitung des Hauses zusätzlich zu seinen Aufgaben als Wirtschaftsförderer übernahm, bekam in der öffentlichen Sitzung des zuständigen Gemeinderats-Ausschusses mehr Lob als Kritik. Groß sind allerdings die Erwartungen an den künftigen Geschäftsführer. Oberbürgermeister Uli Burchardt hält an dem Ziel fest, dass das im Oktober 2016 eröffnete Haus für Veranstaltungen und Tagungen im Betrieb ohne große Zuschüsse auskommt.

Unumwunden räumte Friedhelm Schaal zahlreiche Probleme in der Startphase des Hauses ein. Die überraschenden Zusatzkosten könnten aber alle erklärt werden. Dass sie zu einem ordentlichen Teil daher rühren, dass Posten komplett auf das Jahr 2016 gebucht und nicht wie zunächst geplant auf die nächsten Jahre verteilt werden, dafür spendeten die Politiker sogar ausdrückliche Anerkennung. Nun, so Schaal, müsse man "Dinge, die gut laufen, stabilisieren, und Dinge, die nicht so gut laufen, in den Griff bekommen." Für 2017 sei er angesichts der Buchungslage optimistisch, und erneute große Mehrkosten seien nach allem, was man wisse, nicht zu erwarten.

Burchardt lobt neues Kulturangebot

Oberbürgermeister Uli Burchardt bekannte: "Ich hätte mir auch bessere Zahlen gewünscht." Alle im Bodenseeforum hätten hart gearbeitet und auch schöne Erfolge erzielt – unter anderem seien Kulturveranstaltungen nach Konstanz gekommen, die man so bisher nicht in der Stadt habe anbieten können. Er räumte ein: "Das war ein Wagnis", von diesem Risiko habe auch die breite Ratsmehrheit gewusst, die den Weg zum Kauf und Umbau des ehemaligen Centrotherm-Gebäudes mitgetragen hatte. Dies sei für die Stadt und die Bürger "eine gute Investition gewesen, und ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind."

Eine klare Mehrheit der Kommunalpolitiker stellte sich hinter OB Burchardt und hinter das Bodenseeforum. Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sagte, der Bedarf an einem solchen Tagungs- und Veranstaltungshaus habe sich schon jetzt bewiesen. Es stehe "auch wirtschaftlich noch ganz gut da". Die Startschwierigkeiten seien "in zwei Jahren kein Thema mehr", zeigte er sich gewiss. Jürgen Faden (Freie Wähler) sprach von einem "außerordentlichen Pech" in den ersten Betriebsmonaten. Ein Ausstieg der Stadt sei "keine Option", erklärte er und forderte: "Man muss dem Projekt eine Chance geben, dass es sich entwickelt." Jürgen Puchta (SPD) erinnerte daran, dass "das Baubudget von 17,7 Millionen Euro eingehalten" wurde. Heinrich Everke (FDP) nannte das Bodenseeforum sogar einen "wertvollen Teil unserer Infrastruktur", den die Stadt "relativ günstig" habe kaufen können.

Diese Meinung teilten nicht alle im Betriebsausschuss Bodenseeforum. Günter Beyer-Köhler von der Freien Grünen Liste stellte das Haus als städtische Einrichtung in Frage und forderte, man solle über eine Privatisierung nachdenken. Unter Zeitdruck sei der Kauf übers Knie gebrochen worden, er wolle "auf keinen Fall irgendwelche Belastungen für die Stadt." Auch Till Seiler (FGL) widersprach der Darstellung, das Finanzloch sei vor allem auf Einmaleffekte zurückzuführen: In Sachen Bodenseeforum gebe es "strukturelle Probleme", Schaal und Burchardt sollten "nicht so eine Hurrastimmung verbreiten." Die Linke Liste nannte den Bericht, in dem die Verwaltung unerwartet hohe Kosten und enttäuschende Einnahmen erstmals öffentlich gemacht hatte, einen "Offenbarungseid".

  • Was gut läuft: Das Bodenseeforum ist seit Oktober 2016 das größte Tagungs- und Veranstaltungshaus in Konstanz. Die Stadt investierte in den Kauf ihres Gebäudeteils sowie in den Umbau mit vielseitig nutzbaren Sälen, Konferenzräumen, Küche und mit einem ganz neuen Eingang rund 17,7 Millionen Euro. Technik und Möbel sind eingeschlossen, damit bleibt das Projekt im Budget. Die oberen Geschosse nutzt die IHK als neue Zentrale.
  • Wo Probleme liegen: Direkt nach der Eröffnung trennte sich die Stadt vom Gründungs-Geschäftsführer und musste eine hohe Abfindung bezahlen. Außerdem braucht sie einen Personalberater für die Suche nach einem Nachfolger. Auch weitere wichtige Mitarbeiter kündigten. Die Gewinnung neuer Veranstaltungen verlief laut Stadtverwaltung nicht nach Plan. Deshalb und wegen technischer Probleme stiegen die Ausgaben 2016 von 1,4 auf 1,9 Millionen Euro, an Einnahmen kamen nicht wie geplant 482 000 Euro herein, sondern nur 218 000 Euro.

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