Auf einen Kaffee mit Suzana Andrade, Chefärztin der Alterspsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Sie spricht über das Patienten-Informations-Zentrum für seelische Gesundheit im Alter, das vergangenes Jahr eröffnet wurde.
Frau Andrade, das Patienten-Informations-Zentrum ist im Mai 2011 an den Start gegangen. Was hat sich seither getan?
Es ist ein Anlaufpunkt zum Thema „Seelische Gesundheit im Alter“ und wurde vom Zentrum für Psychiatrie initiiert. Es steht für Fragen und die Beratung von älteren Menschen zur Verfügung. Aus unserer Sicht läuft es sehr gut. Bis das PIZ, wie wir es abkürzen, im Landkreis voll durchschlägt, erfordert es noch intensive Zusammenarbeit mit kooperierenden Altenhilfeeinrichtungen sowie auch Öffentlichkeitsarbeit, wir rechnen wir mit zwei bis drei Jahren.
Können Sie die Resonanz beziffern?
Wir hatten vergangenes Jahr zirka 50 Informations- und Beratungsgespräche – das waren Interessierte, Angehörigen, Betroffene, Laien, also Menschen, die persönlich, telefonisch und schriftlich auf uns zugekommen sind. Zudem pflegen wir die integrative Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Altenhilfeeinrichtungen. Für die erste Phase sind die Ziele erreicht und wir sind zufrieden.
Was ist Ihr Ziel mit diesem Angebot?
Hauptziel des PIZ ist, Menschen die Hemmung zu nehmen, sich aktiv mit seelischen, psychischen und Alters-Fragen auseinander zu setzen und gegebenenfalls Information, Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür ist das PIZ eine Anlaufstelle. Es richtet sich an alle Interessierten, Betroffenen und Angehörigen, aber auch an Fachkollegen, und hat sowohl im ZfP Reichenau als auch im Gemeinde-Psychiatrischen Zentrum am Klinikum Konstanz ein Büro. Uns ist auch besonders wichtig, auch Kontakte zu anderen Altenhilfeeinrichtungen im Landkreis zu knüpfen und pflegen.
Was passiert bei diesen Kontakten, wie können sie einander ergänzen?
Unser Ziel ist, mit Altenhilfeeinrichtungen im Landkreis integrativ und vor allem auch ergänzend zusammenzuarbeiten. Unsere Mitarbeiter haben umfangreiche Recherchearbeiten durchgeführt und eine Versorgungslandkarte mit bereits vorhandenen Angeboten der Altenhilfe erstellt. Dadurch können wir beispielsweise die verschiedenen Anfragen an das PIZ gezielt an entsprechende Einrichtungen und Ansprechpartner weitervermitteln. Aus dieser Landkarte ist auch ersichtlich, in welchen Bereichen noch Versorgungsbedarf im Bereich der Altenhilfe besteht. Aus unserer Sicht besteht zum Beispiel im Bereich „Schulung“ von Interessenten und Laien im Umgang mit bestimmten Erkrankungen noch Nachholbedarf. In Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen des Landkreises wäre also die Schaffung eines solchen Angebots denkbar.
Zögern die Menschen das PIZ zu kontaktieren?
Wenn es um herausfordernde Themen wie psychische und seelische Krankheiten sowie das Alter geht, haben wir Menschen manchmal die Tendenz, die Augen davor zu verschließen, in der Hoffnung, damit nicht konfrontiert oder davon nicht betroffen zu werden. Damit wir aber unser Leben, unsere Gesundheit sozusagen viel besser „in die Hand nehmen“ und ein ganzes Stück beeinflussen können, ist Wissen darüber nötig. Das erfordert fachgerechte Information und Beratung.
Und Nahestehende, die einen darauf ansprechen.
Das PIZ richtet sich insbesondere auch an Menschen, die eine nahestehende Person mit psychischen Problemen haben. Wenn jemand merkt, dass zum Beispiel mit dem Vater, der Tante, dem Freund etwas „nicht stimmt“ (wie zum Beispiel Vergesslichkeit, Zurückgezogenheit), kann er sich an das Patienten-Informations-Zentrum mit seinen Fragen, Bedenken wenden. Häufig kommen auch Kinder von älteren Menschen und stellen Fragen, lassen sich beraten, wenn mit ihren Eltern etwas nicht stimmt.
Können Sie differenzieren, wie viele Menschen sich bisher mit gesundheitlichen Fragen ans PIZ gewandt haben und wie viele mit bürokratischen?
Zwei Drittel der Kontakte waren ursprünglich gesundheitlicher Natur, ein Drittel drehte sich darum, wie Vollmachten erstellt werden oder wie zum Beispiel jemand das für sich geeignete Seniorenwohnheim findet. Ursprünglich bedeutet: selten kommt jemand nur mit einer sozialpsychiatrischen Frage. Meistens sind die Bereiche miteinander vermischt.
Wenn jemand mit der Frage kommt, wie er ein Seniorenheim findet, wie helfen sie dabei?
Wichtig ist zunächst einmal, dass die Person oder ihre Vertreter/Angehörigen sich im Klaren über ihre Vorstellungen, Wünsche und Ansprüche an eine solche Einrichtung sind. Häufig geht es dabei vor allem um Familiennähe und Angebote im Heim. Diese Fragen werden gemeinsam erörtert, um dann den Kontakt an entsprechende Einrichtungen zu vermitteln. Aus diesem Grund arbeiten wir mit allen Einrichtungen im Landkreis zusammen.
Was kostet die Beratung beim PIZ?
Nichts. Die Kosten werden vom Zentrum für Psychiatrie Reichenau getragen. Das PIZ ist drei Mal in der Woche geöffnet (am ZfP Reichenau und im GPZ am Klinikum Konstanz). Es ist eines der Ziele unserer Klinik, mit ambulanten Angeboten wie diesem den Zugang zum Alterspsychiatriezentrum und den damit verbunden Themen zu erleichtern.
Fragen: Philipp Zieger