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Konstanz

Die Hebamme Sabine Friese-Berg über das Wunder der Geburt

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Heiligabend ist der Tag Christi Geburt. Der SÜDKURIER sprach mit der Hebamme Sabine Friese-Berg über neues Leben, das Wunder Mensch und Geburten an Heiligabend.

Das Wunder der Geburt zeigt sich auch in Benno, der erst elf Tage alt ist. Hebamme Sabine Friese-Berg (rechts) hat Benno auf die Welt geholt. Seine Mutter Waltraud Weber ist ein richtiges Christkind: Sie hat heute Geburtstag. Hanser

Immer wieder ist es für sie ein Wunder: Obwohl Sabine Friese-Berg schon etwa 2500 Kinder auf die Welt geholt hat, ist sie bei jedem neuen Leben verzaubert. „Die Geburt ist eine der existenziellen Pforten“, sagt die Hebamme, die seit 30 Jahren im Dienst ist. Als etwas ganz Besonderes hat sie Geburten an Heiligabend erlebt. „Da herrscht auch in der Klinik eine besinnliche Stimmung, viele denken an das Christuskind“, sagt die 52-Jährige. Sie hat an Heiligabend auch schon eine Geburt unter dem Tannenbaum begleitet. Aber egal, wo ein kleiner Mensch das erste Mal Licht sieht: „In jedem Kind steckt etwas Göttliches“, sagt Sabine Friese-Berg.

Deshalb ist für sie die Krippe besonders wichtig. „Das Jesuskind darin bedeutet, dass Gott Mensch geworden ist. Es ist nackt und der Welt ausgeliefert“, sagt Sabine Friese-Berg. Genauso ist auch jedes andere Neugeborene der Welt ausgeliefert. Die Hebamme rät werdenden Eltern deshalb, schon während der Schwangerschaft den richtigen Kontakt zu ihrem Kind zu finden. Sie bedauert sehr, dass Untersuchungen jeglicher Art in der Schwangerschaft heute so eine große Rolle spielen. „Mich stimmt es traurig, dass wir dabei sind, uns des Wunders Geburt zu entledigen. Die Ehrfurcht vor dem großen Moment geht verloren“, sagt sie und holt ein Buch aus dem Regal, das ihr am Herzen liegt. Es handelt von der sanften Geburt und zeigt Abbildungen der Mutter Gottes mit dem Jesuskind. Mutter und Kind ruhen in sich, die Bilder strahlen Liebe aus. „Die Maler haben es genau getroffen“, sagt Sabine Friese-Berg.

 

Sie sitzt in ihrem abgedunkelten Raum, nur ein rotes Licht brennt, und liest mit getragener Stimme eine Geschichte über Ochs und Esel vor. Es geht um das große Abenteuer, geboren zu werden. Dann klappt die Hebamme das Buch zu und sagt ergriffen: „Schön, oder?“ Sie will den Müttern mit auf den Weg geben, dass die Geburt nicht nur Schmerzen mit sich bringt, sondern auch ein Schöpfungsprozess ist. „Das Kind ist in der Mutter und die Mutter im Kind. Sie sind zwei und doch eins“, sagt die Hebamme. So sollte es jedenfalls sein. „Wir haben in der Gesellschaft aber Bindungsstörungen ohne Ende“, so die 52-Jährige. Deshalb hat sich auch in der Hebammenarbeit einiges geändert. Früher wurde der Mutter das Neugeborene weggerissen. Heute bekommt die Familie nach der Geburt zwei Stunden Zeit für sich. „Erst dann merkt man, wie die Kinder ein Stück weit auf der Welt landen können“, sagt Sabine Friese-Berg.

Waltraud Weber hat dieses Gefühl schon dreimal erlebt. Ihr jüngstes Kind wurde am 13. Dezember geboren. „Das ist ein Wahnsinnsmoment“, sagt die 34-jährige Diplom-Sozialarbeiterin. „Man stirbt ein bisschen für sein Kind. Das sind solche Schmerzen, aber auf einen Schlag sind sie vorbei und ein neuer Mensch ist da. Das Gefühl ist unbeschreiblich und mit nichts zu vergleichen.“ Sabine Friese-Berg schaut die junge Mutter an und sagt: „Die Geburt ist der einzige Moment, in dem sich Himmel und Erde berühren.“

Waltraud Weber ist froh, dass ihr jüngster Sohn Benno ihr diesen Moment nicht an Heiligabend beschert hat. „Ich selbst habe heute Geburtstag und fand es als Kind schrecklich, weil ich nur einmal Geschenke bekommen habe“, sagt die 34-Jährige. An ihrem Ehrentag war nie Geburtstagsstimmung, sondern immer Weihnachtsatmosphäre. Heute hat Waltraud Weber mit ihrem Geburtsdatum kein Problem mehr, aber Benno sollte nicht dasselbe erleben. „Heiligabend ist der Tag, an dem die Mütter lieber nicht gebären wollen“, sagt Sabine Friese-Berg. Aber auch heute werden wieder einige Christkinder zur Welt kommen. Jedes einzelne ist ein Wunder.

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Autor: kirsten schlüter
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