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Konstanz Die Härten der Wehrmacht

Konstanz – Eine neue Wehrmachtsausstellung lenkt den Blick auf ein dunkles Kapitel in der Region: Auf das Wirken von Heinrich Koeppen, dem Kommandeur des dritten Bataillons der SS-Standarte Germania in Radolfzell, und dessen Beteiligung am Überfall auf Polen.Über Koeppen war bisher wenig bekannt. Er fiel schon 1939 kurz nach Kriegsbeginn.

Heinrich Koeppen gehörte zu den Schlüsselfiguren des Nationalsozialismus in der Region. Er war Kommandant der SS-Standarte Germania in Radolfzell.
Heinrich Koeppen gehörte zu den Schlüsselfiguren des Nationalsozialismus in der Region. Er war Kommandant der SS-Standarte Germania in Radolfzell. | Bild: Bilder: Stadtarchiv

Jürgen Klöckler, der Leiter des Konstanzer Stadtarchivs, hat in akribischer Detailrecherche aufgedeckt, welch bedeutende Rolle der Kommandeur für den Nationalsozialismus in der Region spielte. „Er war die zentrale Figur im Bodenseeraum“, sagt Klöckler. Er habe eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung der Synagogen in Konstanz und auf der Höri gespielt. Koeppen war einer der ersten Kriegstoten von Radolfzell. Sein Name ist auf einer Bronzetafel verzeichnet, die in der Nähe eines Kriegerdenkmals in Radolfzell angebracht wurde. Dass Koeppen überhaupt in Radolfzell wirken konnte, daran hatte Eugen Speer hohen Anteil, ein korrupter Mann, der kurze Zeit Bürgermeister von Radolfzell war. Der radikale NS-Agitateur hatte 1934 Verträge für den Neubau einer Kaserne unterschrieben. Dort kam das dritte Bataillon der SS-Standarte unter, die ihren Hauptsitz in Hamburg hatte. Über seine Forschungen berichtet Jürgen Klöckler im Beiprogramm zur Ausstellung am 14. April.

Die neue Ausstellung zeigt die Verbrechen der Wehrmacht in Polen in der Zeit von September bis Oktober 1939. Überschrieben ist die Schau mit „Größte Härte.“ Sie lenkt den Blick darauf, wie rücksichtslos die Deutschen schon zu Kriegsbeginn gegen Zivilisten, Juden und Kriegsgefangene vorgingen. Eröffnung ist am Donnerstag, 7. April, um 19 Uhr im Konstanzer Stadtarchiv. Organisiert hat die Ausstellung das Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Konstanzer Stadtarchiv und dem Deutschen Historischen Institut in Warschau.

Jürgen Klöckler geht davon aus, dass die Ausstellung nicht so ganz große gesellschaftliche Diskussionen nach sich zieht wie eine andere aus den 90er-Jahren.

Er spricht von der Wanderausstellung „Vernichtungskrieg“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Sie war 1997 auch in Konstanz zu sehen. Die Friedensinitiative hatte die Schau an den Bodensee geholt. Sie war wegen handwerklicher Fehler, aber auch wegen des Ansatzes, die Verbrechen der Wehrmacht zu benennen, umstritten. Radikale sprachen damals öffentlich von Verleugnung. Die Ausstellung machte Schluss mit der Nachkriegslegende von der „sauberen“ Wehrmacht. Daran schließt nun die neue Ausstellung an. Sie macht deutlich, wie brutal und radikal das Vorgehen der Wehrmacht schon zu Kriegsbeginn gegenüber Zivilisten war.

Die historische Aufnahme zeigt Koeppen in Uniform.
Die historische Aufnahme zeigt Koeppen in Uniform.

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