Mein

Konstanz Diabetikerwarnhund Lisa kann Leben retten

Sie ist die Erste ihrer Art in der Region Konstanz: Die zweijährige Hündin Lisa erkennt, wann ihr Frauchen unterzuckert ist. Dann holt sie Hilfe.

Lisa ist ziemlich lebhaft. Kein Wunder, die Dame ist ja auch erst zwei Jahre alt. Dennoch hat Lisa schon eine ernsthafte Aufgabe: Als erster Diabetikerwarnhund der Region kann sie Leben retten, wenn ihr Frauchen unterzuckert ist. Anne-Dorothe Brunn traut sich nun wieder längere Spaziergänge zu, ohne Angst vor einem Zwischenfall zu haben. Auch nachts fühlt sie sich mit Lisas Hilfe sicherer.

Die Idee, die dahintersteckt, ist eigentlich ganz einfach. Die Malteser bieten ohnehin schon den Hausnotruf für Kunden an, die aus verschiedenen Gründen im Ernstfall schnell professionelle Hilfe benötigen. Ist zum Beispiel ein älterer Mensch in seiner Wohnung gestürzt und kommt nicht mehr ans Telefon, drückt er den Hausnotrufknopf. „Wir kommunizieren dann mit der Person über das Notrufsystem und fragen in den Raum, was passiert ist“, erklärt Sabine Nägele, Leiterin des Hausnotrufs bei den Maltesern Bodensee. Reagiert niemand, wird der Hintergrunddienst vor Ort geschickt und kann auch gleich einen Rettungswagen bestellen. Dieses System wurde nun für Anne-Dorothe Brunn ausgebaut. „Wir haben zusätzlich noch ein zweites Gerät für Lisa angeschlossen“, so Nägele. Diabetikerin Brunn ist Auslöser Nummer eins, Lisa wird als Auslöser zwei registriert. So ist klar: Wird auch Nummer zwei aktiviert, muss Anne-Dorothe Brunn durch Unterzuckerung bewusstlos sein. Hilfe macht sich auf den Weg.

Das funktioniert tatsächlich einwandfrei. Eigens für den SÜDKURIER legt die 67-Jährige sich auf ihr Bett und reagiert nicht auf das Bellen ihrer Hündin. Sofort läuft Lisa zum Auslöser und stupst ihn an. „Als mein Mann noch lebte, bin ich öfter aufgewacht, als er mir nachts Zucker gegeben hat, weil ich bewusstlos wurde“, erzählt Anne-Dorothe Brunn. „Seitdem ich alleine war, fühlte ich mich unsicher.“ Sobald ihr Blutzuckerwert unter die kritische Marke 60 fällt, reagiert nun ihr Haustier. Bei Spaziergängen oder in der Wohnung springt Lisa an der Diabetikerin hoch und bellt laut. „Ich merke oft erst ab dem Wert 50, dass ich unterzuckert bin“, sagt Brunn. „Wenn ich auf Lisa nicht reagiere und nicht gleich etwas esse, wird sie richtig wild“, erzählt die 67-Jährige und lacht.

Woher aber weiß die Hündin, wann ihr Frauchen in Gefahr ist? „Das trainiert sie ein halbes bis ein Jahr lang“, erklärt die Tierpsychologin Maja Wonisch. Sie bildet in ihrem Hundezentrum in Scheer zwischen Mengen und Sigmaringen als eine der ersten Trainerinnen in Deutschland Diabetikerhunde aus. Lisa musste lernen, welcher Geruch Gefahr bedeutet und wann alles in Ordnung ist. „Sobald der Wert von Frau Brunn unter 60 fiel, zog sie ihr Oberteil aus und Lisa roch daran“, sagt Maja Wonisch. Wenn sie diesen „schlechten“ Geruch erkannte, erhielt die Hündin ein Leckerli. Das hatte sie schnell begriffen. „Schwieriger ist es, den Vorgang zu automatisieren und ihn mit dem Notrufknopf zu verbinden“, sagt Anne-Dorothe Brunn, die einen Großteil der Hundeausbildung unter Anleitung der Trainerin selbst übernahm. Mit Hilfe von Leberwurst, erst auf der Hand und später direkt auf dem Knopf, gelang auch dies nach wenigen Wochen. Bislang meistert Lisa ihre Aufgabe wunderbar. „Ab und zu hat sie anfangs einen Fehlalarm ausgelöst, weil sie ein Leckerli wollte“, erzählt die 67-Jährige. „Aber ich bin seit 1964 Diabetikerin und weiß, wann es wirklich ernst ist.“ Lisa ist ihr vierter Hund und kam im Alter von 13 Wochen zu Anne-Dorothe Brunn. „Ich wusste, dass mein nächstes Tier ein Diabetikerwarnhund werden sollte“, sagt sie. „Selbst, wenn Maja Wonisch gesagt hätte, dass Lisa nicht geeignet ist, hätte ich sie nicht mehr hergegeben.“


Zu Ausbildung, Kosten und Kontakt

Diabetikerwarnhunde: Grundsätzlich eignet sich dafür laut Tierpsychologin Maja Wonisch jeder Hund. Je länger die Nase, desto mehr Riechrezeptoren haben die Tiere. Dennoch ist es ratsam, sich über die Eignung zu informieren, bevor interessierte Familien oder Einzelpersonen sich einen Welpen kaufen. Auch ältere Hunde können die Zusatzausbildung absolvieren. „Unser ältester Hund hat das mit acht Jahren gelernt“, so Wonisch. Die Ausbildung können entweder die Besitzer unter Anleitung und in Seminarblöcken selbst übernehmen oder ihren Hund für ein Jahr zu einer Trainerin geben. Auch nach der Prüfung müssen die Hunde ihre Aufgabe regelmäßig üben.

Kosten und Kontakt: Die Ausbildung zum Diabetikerwarnhund kostet bei Maja Wonisch 3800 Euro, dazu kommen die Kosten für das Tier selbst. Rund 5000 Euro müssen Interessenten also investieren. Der Anschluss an das Hausnotrufsystem der Malteser kostet 42 Euro pro Monat, der Zusatzknopf für den Hund 7,50 Euro monatlich. Interessierte melden sich bei Sabine Nägele, Leiterin Hausnotruf der Malteser Bodensee, unter der Telefonnummer (07531) 81 04 36 oder per E-Mail an die Adresse

sabine.naegele@malteser.org

Stimmungsvolle Adventsdeko, Geschenkideen für Weihnachten und vieles mehr bei SÜDKURIER Inspirationen. Jetzt Newsletter abonnieren und 10 € Gutschein sichern!
Mehr zum Thema
Wir in Konstanz: Wir in Konstanz: Das sind über 81.000 Bürger, das sind mehr als 90 Vereine mit fast 32.000 Mitgliedern, davon über 9600 Jugendliche. Für Allensbach (über 7000 Einwohner) stehen 57 Vereine im Register und für die Gemeinde Reichenau (rund 5100 Einwohner) 49 Vereine zu Buche. Mit der Printseite »Wir in Konstanz« wirft die Lokalredaktion einen Blick hinter die Kulissen von Vereinen und Gruppen. Gibt es auch Interessantes aus Ihrem Verein zu berichten? Schreiben Sie uns per E-Mail: wirinkonstanz@suedkurier.de
Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ?
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Meinung
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren