Konstanz Der aufhaltsame Freundschaftsweg

Mit „Bienvenueaux Archives municipales“ begrüßte Jürgen Klöckler, der Leiter des Konstanzer Stadtarchivs, das Publikum. Bis auf den letzten hereingetragenen Stuhl war der Raum mit Freunden der deutsch-französischen Freundschaft gefüllt.

Es gab Reden mit Dank, Lob, Erinnerung und historischen Exempeln, denn es galt ein ebenso heimatliches wie europäisches Buch vorzustellen. Darum galt archivherrlicher Dank den Verfassern Daniele Frey und Claus-Dieter Hirt, dem Präsidenten der gerade 60-jährigen Deutsche-Französischen Vereinigung (DFV).

Mit dem Dank verband sich Lob für die Zusammenarbeit mit dem Archiv, der UKV Verlagsgesellschaft Konstanz, den Helfern, Förderern und der Lektorin. Nach diesem Lobedank wurde Erinnerung lebendig, weil persönlich. Die Verlegerin und Ehrenpräsidentin der DFV, Brigitte Weyl, erzählte von ihrem ersten Reise von Berlin nach Konstanz, einer Viehwagen-Fahrt im November 1946, vom Spaziergang, der am Obermarkt begann und am Drahtverhau an der Schweizer Grenze Wiesenstraße Halt machte. Dann bot sie stillen Bericht, wie langsam, aber stetig aus Feinden Freunde wurden, das Militär eine befriedende Rolle spielte, Offizielles mit Privaten sich verband.

Nach diesem eindringlichen Erinnern folgten zwei historische Exkursionen in frühere Zeiten. Zuerst führte mit einigen Bildern Daniele Frey drei Kultur-Touristen vor, die Konstanz die Ehre gaben, auch darüber allerlei Erfreuliches, aber auch manche kleine Fehlinformationen aufschrieben. Der wahrheitssuchende Individualdenker Montaigne kam 1581 nach Konstanz, stritt mit dem Wirt zum „Goldenen Adler“, fühlte sich dann im „Hecht“ wohl, genoss die wohlbereiteten Fische und Krebse. 150 später erschien der Dichter, Denker und Europareisende Chateaubriand am See, kam ohne Zöllner nach Konstanz, hatte nichts im „Goldenen Adler“ auszusetzen.

Letzter Reisender der Buchvorstellung: Der „Musketier“-Romancier Alexandre Dumas. Ihn hatte der Wohllaut des Namens „Constance“ hierher gelockt.

Historie neueren Datums blätterte Claus-Dieter Hirt mit wohlgewählten Beispielen zwischen 1900 und 2000 auf. Er erinnerte an die Mainau-Besatzung, an Petershausen als Trabantenstadt der Truppen, an Casino-Zeiten, den berühmten Bordellzwist (wegen des Eiffelturms als Werbezeichen), vor allem an die Beförderer der Freundschaft André Noel und Georges Ferber, an die erste Städtepartnerschaft, die dauerhaft mit Fontainebleau im Mai 1960 begründet wurde. Das waren kleine Episoden aus einem reichhaltigen Lese- und Bilderbuch, das auch davor bewahren möge, was jüngst der französische Polit-Philosoph Alfred Grosser befürchtete: Dass die französisch-deutschen Bindungen sich von einer „Freundschaft“ sich zu einem „Verhältnis“ abkühlen. Nach Erinnerung, historischer Auswahl samt Aktualität gab es dann Festlichkeit im Flur mit Bretzeln, Wein und Säften. (se)

Daniela Frey, Claus-Dieter Hirt: Französische Spuren in Konstanz. Ein Streifzug durch die Jahrhunderte. Kleine Schriftenreihe des Stadtarchivs Konstanz, Bd. 11. UVK Verlagsgesellschaft. 184 Seiten, 14,90 Euro

Ihre Meinung ist uns wichtig
Einzigartige Geschenke von Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren