Konstanz Der Stromwagen ist nur eine von mehreren Lösungen
Angezapfte Ladestation: Die Autobauer fordern Unterstützung bei der Elektroauto-Entwicklung.
1 Elektrische Hilfsantriebe werden sich im Auto bald durchsetzen.
Schon heute haben viele neue Autos eine Start-Stopp-Automatik und Energie-Rückgewinnungssysteme.
Dabei wird die Energie beim Bremsen genutzt, um einen kleinen Akku an Bord aufzuladen. Damit wird ein Motor angetrieben, der den Spritverbrauch beim Anfahren deutlich senkt.
Mit Strom allein können diese Autos höchstens ein paar Meter fahren. Fachleute nennen dieses Konzept je nach installierter Leistung Mikro- oder Mildhybrid. Alle Fachleute gehen davon aus, dass sich solche Konzepte noch in diesem Jahrzehnt auf breiter Front durchsetzen werden, weil die nötigen Änderungen im Fahrzeugbau gering sind.
2 Hybrid-Fahrzeuge brauchen nicht automatisch weniger Sprit.
Echte Hybridautos können zumindest bei Stadtverkehrs-Tempo komplett elektrisch fahren. Der Verbrennungsmotor lädt dann höchstens die Bordbatterie auf und kann dafür bei sparsamster Drehzahl laufen. Dennoch braucht ein so genanntes Vollhybridfahrzeug wie der Toyota Prius nicht signifikant weniger Sprit als ein moderner Golf Turbodiesel.
Ein Grund sind die systembedingten Umwandlungsverluste, ein anderer das durch die Zusatzaggregate bedingte höhere Fahrzeuggewicht. Für Schlagzeilen sorgte der BMW X6 Active Hybrid mit 485 PS Systemleistung, der im Praxistest kaum unter 14 Litern auf 100 Kilometer gefahren werden konnte. Das Diesel-Modell des gleichen Fahrzeugs mit ebenfalls stattlichen 286 PS verbraucht deutlich weniger.
3 Verbrennungskraftstoff muss nicht aus Rohöl hergestellt werden.
Zwar ist es um Biodiesel etwas ruhiger geworden, weil klar wurde, dass der Anbau von Energiepflanzen in armen Ländern die Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet und große Urwald-Flächen gerodet wurden. Dennoch gelten Biokraftstoffe der zweiten Generation als wichtiges Standbein für die Mobilität von morgen.
So hat das Karlsruher Institut für Technologie das Verfahren Bioliq entwickelt. Damit kann aus klassischen Rest- und Abfallstoffen wie beispielsweise Stroh ein Kraftstoff für herkömmliche Verbrennungsmotoren gewonnen werden. Diesel aus Raps ist in Deutschland bereits seit 15 Jahren im Handel. Auch moderne Turbomotoren könnten ohne wesentliche Veränderungen dafür ertüchtigt werden.
4 Große Reichweiten sind mit Batterien derzeit nicht zu machen.
Die reinen Elektrofahrzeuge haben auch bei heutigem Stand der Technik und nach 100 Jahren Batterieforschung kaum größere Reichweiten als 200 Kilometer. Da Elektromotoren schon einen sehr hohen Wirkungsgrad haben (über 90 Prozent gegenüber 35 Prozent beim Ottomotor), liegt der Schlüssel für die Zukunft der Stromwagen-Technik bei den Batterien. Darum wird verstärkt an so genannten Plug-In-Hybridantrieben geforscht (engl. to plug in = einstöpseln).
Dabei wird eine Batterie am Netz aufgeladen, die für genügend Reichweite etwa zum Pendeln sorgt. Immerhin liegen 80 Prozent der Strecken, die in Deutschland mit dem Auto gefahren werden, innerhalb der Reichweite heute verfügbarer Batterien. Ausgeweitet wird die Autonomie durch einen zusätzlichen Verbrennungsmotor.
5 Andere Länder tun mehr für den Aufbau sparsamer Fahrzeugflotten.
Frankreich, wo der Atom-Multi EdF großen politischen Einfluss hat, fördert die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs mit bis zu 5000 Euro. Ein Konsortium staatlicher Stellen und verschiedener Unternehmen hat sich zum Kauf von 50 000 Elektroautos verpflichtet. Renault, Peugeot und Citroen streben die europäische Marktführerschaft im Bereich Elektromobilität an und werden entsprechend unterstützt. Auch in den USA gibt es nach verschiedenen Rückschlägen wieder Anläufe, den Autoherstellern für die Gesamtflotte eine Quote von zehn Prozent lokal emissionsfreien Fahrzeugen vorzuschreiben.
6 Elektroautos bringen für den Klimaschutz nur etwas, wenn sie mit Ökostrom fahren und hergestellt werden.
Wird ein Elektroauto an der heimischen 220-Volt-Steckdose aufgeladen und der Strom kommt aus dem üblichen Energieträger-Mix, ist die Ökobilanz laut Deutscher Umwelthilfe nicht besser als beim Verbrennungsmotor. Grund sind die Übertragungs- und Umwandlungsverluste auf dem Weg vom Kraftwerk in den Fahrzeugakku. Auch andere Forscher gehen davon aus, dass die CO-Belastung durch den Autoverkehr selbst bei einer Elektroflotte nur sinkt, wenn konsequent auf klimaneutralen Strom gesetzt wird.
7 Ausgerechnet in Großstädten sind die Bedingungen für Elektroautos eher ungünstig.
Eigentlich sollten sich Elektroautos vor allem in Großstädten durchsetzen. Denn dort werden eher kurze Strecken zurückgelegt. Doch eine überraschende Tatsache dürfte hier eher für Probleme sorgen: In den Ballungszentren stehen längst nicht alle Autos in Garagen, wo sie aufgeladen werden könnten. Öffentliche Ladesäulen sind aber immer noch teuer – obwohl in jeder Straße ein Stromkabel liegt.
Wegen der langen Ladezeiten und weil die Auto-Akkus auf lange Frist als gigantischer Zwischenspeicher für Schwankungen in Stromerzeugung und -verbrauch dienen könnten, müsste für jedes Elektroauto eine Ladestelle vorhanden sein. Das ist auf dem Land einfacher zu machen.
