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Konstanz Der Kick mit dem Wodka-Tampon

Ein gefährlicher Trend bei Alkoholmissbrauch hat den Landkreis Konstanz erreicht. Mediziner und Suchtexperten warnen vor Wodka-Tampons.

Mediziner, Suchtfachleute und Jugendpfleger beobachten eine neue Methode des Alkoholmissbrauchs bei jungen Mädchen. Dabei werden Tampons mit Wodka getränkt und vaginal eingeführt. Über die Schleimhäute gelangt der Alkohol in die Blutbahn. „Ich schätze das als sehr gefährlich ein“, warnt Andreas Trotter, der Leiter der Kinderklinik Singen.

Der Fall, der Jugendbetreuer und Vertreter des Alkohol-Präventionsbündnisses b.free in Alarmbereitschaft versetzte, datiert nach Angaben von Kreisjugendpfleger Stefan Gebauer vom 3. März. Am Schmotzigen Dunschtig war eine Mädchengruppe aus einer Kreisgemeinde auf der Straßenfasnacht in Konstanz unterwegs. Eine 14-Jährige kollabierte – offenbar war sie hochgradig alkoholisiert.


Mädchen hatte über zwei Promille im Blut


Später wurde bei dem Mädchen über zwei Promille Alkohol im Blut gemessen. Als es darum ging, der Jugendlichen den Magen auszupumpen, stellten die medizinischen Kräfte fest, dass dieser komplett leer war. Die Begleiterinnen der 14-Jährigen gaben schließlich preis, man habe den Alkohol nicht getrunken, sondern mit Wodka getränkte Tampons eingeführt.

 

Inzwischen hätten die Jugendpfleger recherchiert, dass diese Art des Alkoholmissbrauchs auch im Landkreis Konstanz im Trend liege, sagt Reinhard Schwering, Leiter der Suchtberatung des Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in Konstanz. Jungen führen sich den Wodka-Tampon anal ein. „Das ist für uns ein neues Feld“, stellt Mediziner Andreas Trotter fest. Er warnt die Jugendlichen vor den Folgen. Bei dieser Art der Alkoholaufnahme „fällt die erste Entgiftungsrunde in der Leber gleich aus“.

Zudem zerstöre der Alkohol die Scheidenflora der Konsumentinnen. Damit steige das Infektionsrisiko. Und: Wer glaube, man könne den Alkoholkonsum in der Atemluft nicht riechen, der liege falsch. Suchtexperte Schwering warnt aus einem weiteren Grund: „Die Wirkung kommt auf einen Schlag“. Kreissozialdezernent Axel Goßner sieht bei dieser Form der Rausch-Suche eine neue Dimension erreicht: „Alkohol ist nicht mehr Genussmittel, sondern Mittel zum Zweck.

„Die Entwicklung ist erschreckend“, sagt der Leiter der Kinderklinik Konstanz, Peter Gessler. Vorbeugung und Aufklärung hält er für äußerst wichtig. Reinhard Schwering geht davon aus, dass die Eltern der Jugendlichen über die Praktiken ihrer Kinder gar nichts wissen. Die Suchtberatungsstellen im Landkreis Konstanz bieten Erziehungsberechtigten, die verunsichert sind und die sich informieren möchten, Unterstützung an.

 

Gefährliche Trends und Modedrogen

Woher kommt der Trend?

Die ersten Fälle wurden vor rund fünf Jahren in den USA beobachtet. „Slimming“ nennt sich dort die vaginale bzw.anale Aufnahme von Alkohol. Aber auch in Belgien und Skandinavien – also überall wo es für Jugendliche schwierig ist, größere Mengen Hochprozentiges zu beschaffen – sind Wodka-Tampons in Mode gekommen.

Wie verbreitet ist er?

In Internetforen für Jugendliche sind Wodka-Tampons ein weit verbreitetes Thema. Auch auf Facebook gibt es einige Gruppen, in denen sich Jugendliche über ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig mit Handy-Videos animieren. Im Netz kursieren auch detaillierte Anleitungen und Tipps. Offizielle Statistiken gibt es noch nicht. Im Landkreis Konstanz sind bisher nur Einzelfälle bekannt.

Welche Modedrogen gibt es noch?

In den vergangenen Jahren sind vor allem gefährliche Mischungen, getarnt als Badesalze oder Kräuter, in deutschen Headshops und Internetforen aufgetaucht. Am bekanntesten ist wohl „Spice“, das wie ein Joint geraucht wird. Auch die „Badesalze“, die wie Kokain geschnupft werden, werden immer beliebter. Die Mischungen werden legal verkauft – und haben gefährliche Nebenwirkungen.

Was können Eltern tun?

Aufklärung steht an erster Stelle. Nur wer weiß, welche Modedrogen kursieren, kann seine Kinder vor ihnen warnen. Ausführliche Informationen gibt es hier:

Suchtberatung Konstanz, Telefon: 07531/365 58 55 und Suchtberatung Singen, Telefon: 07731/912 400.

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