Die Konstanzer müssen vorerst auf eines ihrer Naherholungsgebiete verzichten. Die Stadt Konstanz hat den Zutritt zum Fürstenberg verboten. Erst muss das Gelände auf seine Beschaffenheit untersucht werden. Denn es ist unklar, ob es über einem Stollensystem aus dem Dritten Reich zu weiteren Erdeinbrüchen kommen kann.
Dass es unter dem Fürstenberg Luftschutzgänge gibt, ist für Thomas Stegmann nicht neu. Für den Leiter des Hochbau- und Liegenschaftsamtes und seinen Kollegen ist jedoch unklar, welche Dimension das von den Nationalsozialisten errichtete System hat. Diese Ungewissheit war schlussendlich der ausschlaggebende Punkt für die Sperrung des Fürstenbergs.
Vorausgegangen ist ein Ereignis von Ende Februar. Bei Pflegearbeiten durch die Technischen Betriebe auf dem Fürstenberg sei ein Vorderrad eines Traktors eingebrochen, gibt Stegmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER wieder. Unter dem Berg hatte sich ein Hohlraum befunden und die Erde darüber nachgegeben. Der drei Meter tiefe und etwa dreieinhalb Meter breite Krater sei sofort abgesperrt und aufgefüllt worden, erklärt der Amtsleiter. Anschließend sei ein Ingenieurbüro damit beauftragt worden, die Situation geotechnisch zu beurteilen und notwendige Erkundungs- und Sicherungsmaßnahmen aufzuzeigen.
Wieso kommt die Sperrung erst Monate später? Die Stadt hat bis zuletzt keine Gefahr für Spaziergänger gesehen. Das Erdreich und darunter liegendes Wurzelwerk habe aufgrund des hohen Gewichts des Traktors nachgegeben, schlüsselt Thomas Stegmann auf. Im Zuge der seither laufenden Prüfungen habe sich erst gezeigt, dass es wenige Aufzeichnungen über das Luftschutzsystem gibt. Nachforschungen beim Bundes-Militärarchiv in Freiburg, beim Stadtarchiv Konstanz und bei weiteren Behörden hätten keine weiteren Aufschlüsse gebracht, sagt Klaus Tinter vom Hochbau- und Liegenschaftsamt. Zeitzeugenhinweise, Luftaufnahmen und die wenigen Aufzeichnungen lassen lediglich darauf schließen, dass zwei Stollen in Nord-Süd-Richtung sowie ein Stollen von Ost nach West verlaufen müssen. Zwei Eingänge lägen zur Fürstenbergstraße hin, einen gebe es im Norden des Bergs und einen nahe dem Haidelmoosweg, erklärt die Stadt.
Die Gänge seien, so die Erkenntnis, 90 Zentimeter bis 1,20 Meter breit und bis zu 1,80 Meter hoch, schildert Klaus Tinter. „Es ist anzunehmen, dass zusätzlich zu den oben genannten drei Hauptstollen weitere Stollen existieren“, erklärt die städtische Pressestelle weiter, und dass die „Stollen bereichsweise zu größeren Räumen erweitert wurden.“ Weil eben unklar sei, wie groß das unterirdische Gängelabyrinth tatsächlich ist und ob es noch Hohlräume gibt, hat die Stadt als Vorsichtsmaßnahme den gesamten Fürstenberg gesperrt. Aufschlüsse erhofft sie sich aus weiteren Zeitzeugen, die sich im Amt für Stadtplanung und Umwelt (Verwaltungsgebäude an der Laube) melden dürfen.
Über den Luftschutzgängen liegt bis zu 25 Meter Erdreich, erklärt Thomas Stegmann. Es könne sein, dass die Decke der Stollen punktuell immer wieder herabfalle, so dass sich das Luftloch nach oben, also Richtung Bergspitze, schiebt. Dann könnten kleinere Einbrüche im Fürstenberg entstehen.
Wie es nun weitergeht, daran wird ein Ingenieurbüro in Zusammenarbeit mit dem Hochbau- und Liegenschaftsamt arbeiten. Die Sperrung soll nicht lange bestehen bleiben, betont die Stadt. So schnell wie möglich soll der Fürstenberg für die Konstanzer als beliebtes Naherholungsgebiet vor der Haustür dienen. „Das ist unser Bestreben“, sagt Klaus Tinter.
