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Konstanz Der Fürstenberg ist einsturzgefährdet

31.10.2012
Konstanz -  Der Fürstenberg ist Sperrgebiet. Denn über alten Luftschutzbunkern ist bereits Erdreich eingebrochen. Die Stadt will jetzt untersuchen, wie es um die Beschaffenheit des gesamten Geländes bestellt ist.

Klaus Tinter am Fürstenberg in Konstanz.  Bild: Oliver Hanser

Hier geht es nicht weiter: Wer gegen das ab sofort geltende Verbot verstößt, riskiert eine Strafe.

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Autor
Philipp Zieger


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Die Konstanzer müssen vorerst auf eines ihrer Naherholungsgebiete verzichten. Die Stadt Konstanz hat den Zutritt zum Fürstenberg verboten. Erst muss das Gelände auf seine Beschaffenheit untersucht werden. Denn es ist unklar, ob es über einem Stollensystem aus dem Dritten Reich zu weiteren Erdeinbrüchen kommen kann.

Erdreich wird untersucht

Dass es unter dem Fürstenberg Luftschutzgänge gibt, ist für Thomas Stegmann nicht neu. Für den Leiter des Hochbau- und Liegenschaftsamtes und seinen Kollegen ist jedoch unklar, welche Dimension das von den Nationalsozialisten errichtete System hat. Diese Ungewissheit war schlussendlich der ausschlaggebende Punkt für die Sperrung des Fürstenbergs.



Der Konstanzer Fürstenberg
  • Fürstenberg: Er ist 3,4 Hektar groß, etwa 450 Meter lang und 140 Meter breit. Die höchste Stelle liegt auf 437 Meter (ü.M). Der Berg ist eine Erhebung aus der Eiszeit (Drumlin).Geschichte: Im Jahr 1830 hat der Brauer Carl Barxell den Fürstenberg von der Gemeinde Wollmatingen abgekauft. Am Nordhang hat er einen Bierkeller eingerichtet und auf dem Berg eine Sommerwirtschaft betrieben. 1932 hat Konstanz Barxell den nord-östlichen Teil des Fürstenbergs abgekauft, 1933 das restliche Gebiet.
  • Weltkrieg: Vor oder während des Zweiten Weltkriegs haben die Nazis Gänge im Fürstenberg errichtet, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Die Stollen wurden aber vermutlich selten genutzt. Eine Verbindung von der einstigen Chérisy-Kaserne zu den Stollen gibt es laut Stadt nicht. Nach dem Ende des Kriegs haben Bürger das Holztragwerk verfeuert. Ende der 1940er Jahre wurden die Stolleneingänge mit Beton verschlossen. Von einer Bebauung in den 1960er Jahren wurde nach Probebohrungen Abstand genommen.
  • Verbot: Wer den Fürstenberg trotz der offiziellen Sperrung betritt, macht sich strafbar. Dies ist in Naturschutzgesetzen geregelt. (phz)
 


Vorausgegangen ist ein Ereignis von Ende Februar. Bei Pflegearbeiten durch die Technischen Betriebe auf dem Fürstenberg sei ein Vorderrad eines Traktors eingebrochen, gibt Stegmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER wieder. Unter dem Berg hatte sich ein Hohlraum befunden und die Erde darüber nachgegeben. Der drei Meter tiefe und etwa dreieinhalb Meter breite Krater sei sofort abgesperrt und aufgefüllt worden, erklärt der Amtsleiter. Anschließend sei ein Ingenieurbüro damit beauftragt worden, die Situation geotechnisch zu beurteilen und notwendige Erkundungs- und Sicherungsmaßnahmen aufzuzeigen.

Wieso kommt die Sperrung erst Monate später? Die Stadt hat bis zuletzt keine Gefahr für Spaziergänger gesehen. Das Erdreich und darunter liegendes Wurzelwerk habe aufgrund des hohen Gewichts des Traktors nachgegeben, schlüsselt Thomas Stegmann auf. Im Zuge der seither laufenden Prüfungen habe sich erst gezeigt, dass es wenige Aufzeichnungen über das Luftschutzsystem gibt. Nachforschungen beim Bundes-Militärarchiv in Freiburg, beim Stadtarchiv Konstanz und bei weiteren Behörden hätten keine weiteren Aufschlüsse gebracht, sagt Klaus Tinter vom Hochbau- und Liegenschaftsamt. Zeitzeugenhinweise, Luftaufnahmen und die wenigen Aufzeichnungen lassen lediglich darauf schließen, dass zwei Stollen in Nord-Süd-Richtung sowie ein Stollen von Ost nach West verlaufen müssen. Zwei Eingänge lägen zur Fürstenbergstraße hin, einen gebe es im Norden des Bergs und einen nahe dem Haidelmoosweg, erklärt die Stadt.

Unklar, wie viele Hohlräume das Erdreich durchziehen

Die Gänge seien, so die Erkenntnis, 90 Zentimeter bis 1,20 Meter breit und bis zu 1,80 Meter hoch, schildert Klaus Tinter. „Es ist anzunehmen, dass zusätzlich zu den oben genannten drei Hauptstollen weitere Stollen existieren“, erklärt die städtische Pressestelle weiter, und dass die „Stollen bereichsweise zu größeren Räumen erweitert wurden.“ Weil eben unklar sei, wie groß das unterirdische Gängelabyrinth tatsächlich ist und ob es noch Hohlräume gibt, hat die Stadt als Vorsichtsmaßnahme den gesamten Fürstenberg gesperrt. Aufschlüsse erhofft sie sich aus weiteren Zeitzeugen, die sich im Amt für Stadtplanung und Umwelt (Verwaltungsgebäude an der Laube) melden dürfen.

Über den Luftschutzgängen liegt bis zu 25 Meter Erdreich, erklärt Thomas Stegmann. Es könne sein, dass die Decke der Stollen punktuell immer wieder herabfalle, so dass sich das Luftloch nach oben, also Richtung Bergspitze, schiebt. Dann könnten kleinere Einbrüche im Fürstenberg entstehen.

Sperrung soll nur kurzfristig bestehen

Wie es nun weitergeht, daran wird ein Ingenieurbüro in Zusammenarbeit mit dem Hochbau- und Liegenschaftsamt arbeiten. Die Sperrung soll nicht lange bestehen bleiben, betont die Stadt. So schnell wie möglich soll der Fürstenberg für die Konstanzer als beliebtes Naherholungsgebiet vor der Haustür dienen. „Das ist unser Bestreben“, sagt Klaus Tinter.

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