Konstanz – Es ist Samstagmorgen, es geht auf 7.30 Uhr zu; die letzten von 36 automobilen Oldtimern treffen auf dem Casino-Parkplatz ein. Wenig später begrüßt Hilmar Wörnle nebenan im Hotel Riva die Teilnehmer der Oldtimer-Ausfahrt „Seegefrörne“, die rund um den Bodensee führen wird.
Wörnle ist Chef des Stadtmarketings, das die Oldtimer-Freunde bei der Organisation unterstützt.
Egon Tauscher, der die Route ausgearbeitet hat, weist kurz auf zwei kleine Fehler im Roadbook hin, das den gesamten Streckenverlauf beinhaltet. Symbole markieren Kreuzungen, Kreisel oder besondere Gefahrenstellen.
Einfach nach den üblichen Wegweisern zu fahren, gilt als unsportlich. Wer die Route zusammenstellte, hat sich viel Mühe gegeben und besonders reizvolle Strecken und Landschaften rausgesucht, Schnellstraßen oder Autobahnen werden gemieden. Unterwegs müssen verschiedene Prüfungen abgelegt werden.
Fast pünktlich um acht Uhr gibt Tauscher das Startzeichen für das erste Team. Nach Zeit wird bei der Seegefrörne nicht gefahren, daher ist es egal, in welcher Reihenfolge gestartet wird. Ein blauer Jaguar E-Type der ersten Serie muss, da der Motor noch kalt ist, wie befürchtet angeschleppt werden. Ich nehme darin als Beifahrer Platz, bevor ich wenig später in einen Mercedes S-Klasse, genannt „Grüner Diktator“, umsteige. Das ungewohnte Roadbook fordert viel Aufmerksamkeit. Der Weg führt zuerst nach Kreuzlingen-Bernrain und ist mir bekannt, was die Orientierung und die Identifikation der Zeichen im Roadbook erleichtert. Nach Plan müssten wir eigentlich gleich nach der Bernrainer Kirche links abbiegen. Da die vorausfahrenden Autos geradeaus fahren, folgen wir verunsichert – und sehen gleich die ersten Autos uns wieder entgegenkommen.
Die Lehre daraus ist einfach: Das, was der Beifahrer aus den Unterlagen ermittelt hat, gilt! Trotzdem bleibt es nicht aus, dass ich mich später irre. Mir wird schnell klar: sich verfahren gehört einfach dazu. Und Konzentration beim Lesen des Roadbooks ist unabdingbar.
Die Route führt uns über Bürglen, Sulgen, Arbon, Dornbirn, Brochenzell, Friedrichshafen, Meersburg und Ludwigshafen, wo Prüfungen zu bestehen sind. Befreundete Oldtimer-Vereinigungen haben knifflige Aufgaben vorbereitet. In Dornbirn simuliert eine Spezialbrille einen Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille. Damit muss der Fahrer ein paar Meter laufen und einen kleinen Ball in einen Trog werfen. Vor dem Dorniermuseum in Friedrichshafen hat der Fahrer sein Gefährt möglichst parallel seitwärts und rückwärts einzuparken. In Ludwigshafen ist ein Kurs in genau einer Minute und 19 Sekunden zu durchfahren.
Die Teams des „Jag“ und des „Grünen Diktators“ landen in der Wertung abgeschlagen auf hinteren Rängen. Der erste offizielle Titelträger als Hauptstadt des Oldtimerlands Bodensee wird trotzdem Konstanz, denn Thomas Kleespies und Michael Vesely in einem offenen Triumph TR 5 erreichen den ersten Platz. Gewinner des Seegefrörne-Pokals für Teilnehmer, die nicht von Bodenseestädten stammen, wird ein Team aus Baselland mit einem Fiat 500 Topolino. Den Sonderpreis für das schönste Fahrzeug erhält das Team Wolfgang Conzelmann und Winfried Schreitza aus Konstanz mit ihrem Mercedes 220, Baujahr 1957.
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