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Konstanz Depressionen: Beratungsanfragen bei Konstanzer Selbsthilfegruppe steigen rapide

Die Selbsthilfegruppe für psychische Erkrankungen in Konstanz registriert immer mehr Anfragen für Erstberatungen. Trotz größerer medialer Präsenz, ist die Schamgrenze bei Depressionen nach wie vor hoch.

Wenn Dennis Riehle einen Anruf oder eine E-Mail bekommt, ist das eine gute und eine traurige Nachricht zugleich. Riehle ist Gruppenleiter der Konstanzer Selbsthilfeinitiative für Zwänge, Phobien und Depressionen. In den vergangenen Monaten haben sich auffällig viele Menschen mit der Bitte um eine Erstberatung an ihn gewandt. Die meisten leiden an Depressionen, bis zu 20 Kontakte führt Riehle monatlich. Woher der plötzliche Anstieg trotz sinkender Nachfrage nach Treffen der Selbsthilfegruppe rührt, darüber kann er nur spekulieren: "Viele trauen sich eher, wenn das Thema groß in die Öffentlichkeit gelangt." Als Beispiel nennt er den Absturz des Germanwings-Flugzeugs über den französischen Alpen vor zwei Jahren. Der Co-Pilot litt laut Abschlussbericht an einer psychischen Erkrankung und führte den Absturz absichtlich herbei.

Dennis Riehle sieht sich als erste Anlaufstelle. "Bei mir endet kein Gespräch ohne den Hinweis auf eine Psychotherapie." Zunächst räumt er dann Vorurteile aus. "Die Angst, in der Therapie manipuliert zu werden, ist groß", sagt er. Auch die unterschiedlichen Therapieansätze kennen viele nicht. Oft muss Riehle deshalb erst einmal aufklären. "Sehr viele Leute sagen, sie leiden an einem Burnout und nicht an Depressionen." Also an einem starken Erschöpfungssyndrom. Als Grund nennt er noch immer herrschende Schamgefühle, wohingegen ein Burnout nach wie vor mit starkem Ehrgeiz und Leistung verbunden werde.

"Man nimmt die Depression nicht als Volkskrankheit wahr, obwohl sie es ist", sagt Riehle.

Ein Vorteil sei es, dass die neuesten Gesetzesreformen die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz verkürzen. Mit durchschnittlich 4,7 Monaten sei der Wert in Konstanz zwar noch deutlich zu hoch. "Aber im Vergleich mit anderen Städten meine ich, dass Konstanz einigermaßen gut dasteht", sagt Riehle.

Bei Fragen oder für Beratungsgespräche ist die Selbstinitiative per E-Mail unter info@zwang-phobie-depression.de oder telefonisch unter (0¦75¦31) 95¦54¦01 zu erreichen.

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