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Konstanz Den Schmerz ausblenden

Selbsthilfegruppe hilft über Schulmedizin hinaus. Volles Programm bei Informationstagen.

I n manchen Fällen hilft das Medikament nicht weiter. Wenn der Schmerz einfach nicht verschwinden möchte, die Verzweiflung angesichts des chronischen Leidens groß ist, ist für viele der Erfahrungsaustausch wichtig. In der Selbsthilfevereinigung chronischer Schmerz finden die Schmerzpatienten Unterstützung. Mehr noch: Der Verein setzt oft dort an, wo die Gesundheitspolitik aufhört. Ein Beispiel sind die Konstanzer Schmerztage am Wochenende.
Am Freitag und Samstag werden Experten über den Schmerz und anverwandte Themen sprechen. Als Spezialgast hat sie Renate Hartwig gewonnen. Die Lindauer Autorin ist vor allem durch ihre Aktivitäten gegen Scientology bekannt geworden. Nach Konstanz wird sie jedoch kommen, um über die „Geldmaschine Kassenpatient“ zu sprechen. Sind die Schmerztage an die breite Öffentlichkeit gerichtet, trifft sich die veranstaltende Vereinigung monatlich in kleinerem, nicht weniger wichtigem Kreis. Derzeit zählt Annette de Groot „48 Mitglieder in Konstanz, Singen und Stockach“. Qualen vor allem mit dem Rücken, mit dem Kopf, mit Rheuma und aus seelischen Gründen – die Reihenfolge, wo es den Mitgliedern am meisten schmerzt. Die Vorsitzende weiß, wie wichtig die Zusammenkünfte für die Mitglieder sind. Hat sie doch ihre eigene „Schmerzkarriere“ hinter sich. Nach einem Bandscheibenvorfall hat ihr die Schulmedizin zwar helfen können, die Ursache war behandelt. Doch der Schmerz blieb. Annette de Groot spricht vom Schmerzgedächtnis.

Wenn, vereinfacht gesagt, die Nervenzellen so geschädigt sind, dass sie weiterhin ein Schmerzgefühl ans Hirn senden. 15 Jahre lang hat die Vereinsvorsitzende mit einer in den Bauch implantierten Medikamentenpumpe dagegen angekämpft. Bis sie es geschafft hat, mit dem Schmerz umzugehen.
Der Psychotherapeut hatte ihr vorgeschlagen, eine Gruppe für chronische Schmerzpatienten zu gründen. Im Jahr 2000 hob sie ihn aus der Taufe, das Interesse daran ist ungebrochen. „Sie sehen es Patienten nicht immer an, dass sie Schmerzen haben“, erklärt die Vorsitzende. Das ist nur der Schein. Dahinter verbergen sich mitunter Schicksale. Von Gesunden sei nicht immer Verständnis zu erwarten, dürfe auch nicht ohne Weiteres erwartet werden, sagt Annette de Groot. Ein sich änderndes soziales Umfeld könne die Folge sein. Der Schmerz hindert, wie gewohnt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, er rückt für Außenstehende nicht nachvollziehbar in den Vordergrund.
Eine Mischung aus Medikamenten, Psycho- und Physiotherapie und Betreuung durch einen Facharzt sei der beste Ansatz für den Schmerzpatienten, sein Leiden zu behandeln. Erfahrungsgemäß dauere es aber fünf bis acht Jahre, bis er an diesem Punkt angelangt sei, erklärt Annette de Groot. Wichtig sei ihr auch, den Selbsthilfegruppen durch Aktionen Ansätze zur Ablenkung zu geben. „Den Schmerz ausblenden“, fasst de Groot zusammen.

Aktionstage

Die Selbsthilfevereinigung chronischer Schmerz veranstaltet am Freitag und Samstag, 14. und 15. Juni, im Landratsamt (Benediktinerplatz) die Konstanzer Schmerztage. Beginn ist am Freitag um 10 Uhr, am Samstag um 9.30 Uhr.

Es referieren Mediziner, Fachleute und es gibt Diskussionsrunden. Renate Hartwig, Autorin und Publizistin, spricht am Freitag um 15.15 Uhr über „Geldmaschine Kassenpatient“. Moderationen übernimmt Vereinsbeisitzerin Tatjana Wolf. (phz)

Kontakt und Programm im Internet:

www.selbsthifle-chronischer-schmerz.de

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Wir in Konstanz: Wir in Konstanz: Das sind über 81.000 Bürger, das sind mehr als 90 Vereine mit fast 32.000 Mitgliedern, davon über 9600 Jugendliche. Für Allensbach (über 7000 Einwohner) stehen 57 Vereine im Register und für die Gemeinde Reichenau (rund 5100 Einwohner) 49 Vereine zu Buche. Mit der Printseite »Wir in Konstanz« wirft die Lokalredaktion einen Blick hinter die Kulissen von Vereinen und Gruppen. Gibt es auch Interessantes aus Ihrem Verein zu berichten? Schreiben Sie uns per E-Mail: wirinkonstanz@suedkurier.de
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