200 Polizisten begleiten 500 Demonstranten. Die Versammlung gegen rechte Gewalt zeigt ein für Konstanz ungewöhnliches Bild. Ein Ordner stellt zu Beginn des Zuges auf dem Benediktinerplatz erst einmal klar: „Die Polizei ist da, um uns zu schützen, nicht um zu behindern.“
Die Einsatzkräfte tragen „Schildkrötenuniformen“, mit hohen Bein- und Armschützern sowie Brustpanzern. An den Hosengurten hängen die Helme, die Schlagstöcke sind griffbereit und über den Knopf im Ohr ist die Verbindung zur Kommandozentrale gesichert. Es sind Einheiten aus Lahr und Biberach in Konstanz, die darauf spezialisiert sind, Beweise zu sichern oder Gewalttäter festzunehmen. Dabei sind die Kräfte, die den Zug begleiten, nur ein Teil des Aufgebots. Am Stephansplatz, wo rund 20 Polizeiwagen geparkt sind, warten weitere Polizisten, ebenso an Einfallstraßen zur Altstadt.
Das Großaufgebot der Polizei hat einen Grund. Auf einer Internetplattform hatten Rechtsextreme angekündigt, die Demonstration in Konstanz sabotieren zu wollen, außerdem hat seit der rechtsextremistischen Mordserie rechte Gewalt eine neue Bedeutung in Deutschland gewonnen. Die Demonstranten fordern Aufklärung zur Mordserie, ein Verbot der NPD, und das Ausschöpfen aller politischen und juristischen Mittel im Kampf gegen Neonazis.
Petra Quintini ist mit ihren vier Kindern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren zur Demonstration gekommen. Eine Tochter trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Konstanz wird laut. Nie wieder Nazis.“ Ihr kleiner Bruder zeigt ein Schild mit dem Spruch: „Nazis sind doof“. Die Mutter sagt, sie gehe gerade wegen der Drohungen der Rechten zur Demonstration. Sie wolle den Extremisten keinen Einfluss zugestehen. Wer Angst zeige, der gebe ihnen Macht. Auch andere wollen offen gegen rechte Gewalt aufstehen: „Es ist uns wichtig, dass eine große Gemeinschaft gegen Nazis vorgeht“, sagen Hanna Hauss und Jessica Müller vom Jungen Theater in Konstanz. Sie seien mit etwa einer Gruppe von etwa 35 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren gekommen. Deutlich gegen Rechts einzutreten, das ist auch das Anliegen von Meral Gülsüm und Sahin Bayram. Andere gehen zwar in die Öffentlichkeit, bleiben aber vorsichtig. Bei der Kundgebung auf der Markstätte spricht eine Kim als Vertreterin der Jugend. Ihren Nachnamen will sie nicht sagen. „Die Nazis sammeln Daten, das muss nicht sein“, sagt sie. Auch ein anderer Redner zögert, ob er seinen Namen nennen soll. Der Arm der rechten Gewalt, so fürchtet er, könnte lang sein.

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