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Konstanz Deep Purple retten Rock-am-See-Festival

31.08.2009
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Was für eine Nacht! Noch einen Tag später kann Dieter Bös, Geschäftsführer des Rock-am-See-Veranstalters, kaum glauben, was ihm in der Nacht von Freitag auf Samstag passiert ist. „Das war einfach nur surreal“, sagt er müde, aber erleichtert am Sonntag gegenüber dieser Zeitung. Einen Tag zuvor erlebte er so etwas wie den Super-GAU eines Veranstalters: Die berühmt-berüchtigten Oasis sollten ihr letztes Deutschland-Konzert der Welttournee in Konstanz geben. Das Medienecho war groß, als dem Veranstalter die Verpflichtung der weithin bekannten Band geglückt war – die Freude darüber währte bis etwa zwölf Stunden vor Festivalbeginn.

Um 0.30 Uhr am Samstag (siehe Chronologie in der Infoleiste) bekam Bös einen Anruf des Oasis-Managements: Das geplante Konzert in Paris am Abend zuvor war bereits abgesagt, auch in Konstanz werde die Band um die zerstrittenen Gallagher-Brüder Noel und Liam nicht spielen. Gitarrist Noel Gallagher hatte in der Nacht seinen Ausstieg aus der Band verkündet und damit drei Konzerte (Paris, Konstanz, Mailand) vor dem Ende der Welttournee alles hingeschmissen. Auch eine Woche zuvor hatten Oasis einen Auftritt als Top-Act beim renommierten Virgin-Festival in Großbritannien kurzfristig gestrichen. Damals lautete die Begründung noch: Sänger Liam Gallagher leide an einer Kehlkopfentzündung.

Der Konstanzer Veranstalter hat das alles sehr wohl beobachtet. „Ich hatte aber gehofft, dass sie die Tournee doch noch anständig zu Ende bringen“, so Bös. Außerdem sei es unmöglich, eine Top-Band auf Verdacht zu verpflichten: „So etwas funktioniert nicht. Das macht keine Band mit“, sagt Dieter Bös. Also ließ er sich gezwungenermaßen auf das Spiel ein, die Anspannung stieg mit jedem Tag, und am Ende machte Bös dann wohl sein Veranstalter-Meisterstück: Binnen vier Stunden brachte er mit den Rock-Veteranen von Deep Purple einen aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen von Oasis und Deep Purple zwar gewagten, aber doch veritablen Ersatz-Headliner auf die Bühne. „Trotzdem“, so verrät Bös, „bin ich deutlich unruhiger in diesem Jahr zum Festivalgelände gefahren. Ich wusste ja nicht, wie das Publikum reagiert.“ Würde es Getränkebecher auf die Bühne regnen? Oder würde das Publikum den Auftritt von Deep Purple mit eisigem Schweigen quittieren? Sogar aus Hamburg waren Oasis-Fans angereist – wie würden sie mit ihrem Ärger und ihrem Frust umgehen?

Das Erstaunliche: Die rockenden Rentner (Durchschnittsalter: 61) nahmen das Bodenseestadion im Sturm. Zugegeben: Ein Teil des Publikums – nach Polizeischätzungen etwa die Hälfte – verließ das Festivalgelände kurz vor oder während des Deep-Purple-Auftritts, aber die rund 10 000, die geblieben waren, feierten stürmisch eine Band, die mit einem furiosen Gig bewies, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ein Hit jagte den anderen („Highway Star“, „Strange Kind of Woman“, „Fireball“, „Hush”), und als das berühmte Anfangsriff von „Smoke on the Water” erklang, hüpften Tausende vor Begeisterung im Takt der Musik.

Man kann es nicht anders ausdrücken: Ein Glückgriff ist den Veranstaltern mit diesem Ersatz-Headliner gelungen, und selbst Fans, die bisher absolut nichts mit 70er-Jahre-Hardrock am Hut hatten, gaben neidlos zu, dass die alten Herren einen phänomenalen Auftritt aufs Parkett legten.

Eine mögliche Alternative zu dieser Lösung wäre natürlich gewesen, die Schweden-Rocker Mando Diao zum Top-Act zu erklären und irgendeine Band mittlerer Kategorie neu für das Vorprogramm zu verpflichten – dies scheiterte allerdings schon allein daran, dass die fünf Skandinavier aus terminlichen Gründen gar nicht am späten Abend hätten spielen können. Und davon einmal abgesehen: Richtiges Headliner-Format hatten Mando Diao bei ihrem Auftritt eigentlich nicht. Zwar kamen ihre aktuellen Hits („Mean Street“, „Dance with Somebody“) druckvoll über die Rampe, aber viel zu oft verzettelten sich die Schweden in reichlich ineffektiven instrumentalen Spielereien.

Im Nachhinein, so Dieter Bös, ist alles doch glimpflich verlaufen. Deep Purple hatten ihren Spaß, das Publikum auch. Bös ist erleichtert. Und was ist mit Oasis? Es soll Gespräche geben mit dem Management über dieses „unprofessionelle Verhalten“. Mögliche Konsequenzen eingeschlossen. „So geht man einfach nicht mit seinen Fans um“, sagt Bös.

 

Michael Lünstroth und Norbert Faulhaber

Deep Purple...
Von unbekannt
haben das Festival nicht gerettet, sondern sie waren DAS Festival schlechthin!
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