Mein
30.03.2012  |  von  |  5 Kommentare

Konstanz Debatte um 10.000-Euro-Gage für Museumschef

Konstanz -  Für die Erarbeitung der Fasnachtskonzerte der Südwestdeutschen Philharmonie in den vergangenen vier Jahren soll der Konstanzer Museumschef fast 30 000 Euro erhalten haben – Manch ein Stadtrat findet das unmoralisch

Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz zu Gast in der Philharmonie Berlin 30.Mai 2005  Bild: Philharmonie Berlin

Autor

Redakteur Konstanz

Pfeil Autor kontaktieren


Für die Erarbeitung der Fasnachtskonzerte der Südwestdeutschen Philharmonie soll der Museumschef Tobias Engelsing im Jahr 2012 eine Gage von 10.000 Euro erhalten haben. Das hat Engelsing jetzt bestätigt. „Die dem SÜDKURIER zugetragene Höhe des Honorars, das ich für diesen Auftrag erhalten habe, ist zutreffend. Das branchenübliche Honorar setzt sich zusammen aus einem Entgelt für die Erstellung der Texte, Spielszenen und des Drehbuchs der Veranstaltung, die Zusammenstellung der musikalischen Inhalte, die Mitwirkung an der Besetzung der Solisten, die Inszenierung mit Einzel- und Orchesterproben, technische Planungen sowie für die eigenen Auftritte und das Inspiziat für die drei Aufführungsabende“, erklärte Engelsing schriftlich.

Insgesamt ein dreiviertel Jahr habe er sich „mit den Vorbereitungen zur Erfüllung dieses Auftrags befasst“, hieß es weiter. Er habe diese Aufgabe „im Rahmen meiner seit vielen Jahren ausgeübten, von BM Boldt bereits zu Beginn meiner Dienstzeit genehmigten publizistisch-künstlerischen Nebentätigkeiten als freiberuflicher Autor übernommen und außerhalb meiner Arbeitszeit erfüllt“, so der Museumschef. Neben den bereits erwähnten 10.000 Euro für die Aufführungen im Jahr 2012, soll Engelsing auch bereits für frühere Inszenierungen der Fasnachtskonzerte Gagen erhalten haben. So sollen auch in den Jahren 2011, 2010, 2009 weitere Gelder in insgesamt fünfstelliger Höhe geflossen sein. Weitere Gagen erhielten neben Engelsing offenbar auch Wolfgang Mettler und die beiden Schauspielerinnen. Das bestätigte Philharmonie-Intendant Florian Riem.

Zu der Höhe der Gagen wollte er „aus vertragsrechtlichen Gründen“ keine Angaben machen. Er selbst, so Riem, habe keine Gage erhalten: „Weder als Schauspieler, Sänger und Musiker, noch für Planung und Gesamtleitung der Veranstaltungen“, erklärte der Intendant auf Nachfrage. Nach Angaben von Riem waren die jetzt in der Kritik stehenden Fasnachtskonzerte wirtschaftlich ein Erfolg. Unterm Strich stehe hier ein Plus von 16.000 Euro.

Bürgermeister Claus Boldt, der ebenfalls mitgewirkt hat, hat nach Angaben von Florian Riem keine Gage erhalten. In einem Schreiben äußert sich Boldt selbst so: „Mir ist bewusst, dass insbesondere die Beschäftigung von Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtverwaltung besonders kritisch hinterfragt wird. Aus diesem Grunde wurde auch die Honorarvereinbarung mit Dr. Engelsing, bezogen auf das Fasnachtskonzert, vom Rechnungsprüfungsamt einer Überprüfung unterzogen. Als Ergebnis ist festzustellen, dass die Höhe des vereinbarten Honorares im Vergleich zu einer Fremdbeauftragung nicht aus dem Rahmen fällt. Die Honorarhöhe war infolge dessen nicht zu beanstanden, so das Rechnungsprüfungsamt.“

Unterdessen wurde der Fall gestern Abend auch im Gemeinderat diskutiert. So forderte unter anderem Charlotte Dreßen (Freie Grüne Liste) eine neue Ethikrichtlinie für Führungskräfte der Stadt: „Anscheinend ist es nicht immer selbstverständlich, dass nicht alles, was juristisch korrekt, auch moralisch in Ordnung ist“, sagte sie. Jürgen Leipold (SPD) warnte vor Vorverurteilungen und mahnte gleichzeitig an, das Thema Nebentätigkeiten für städtische Mitarbeiter insgesamt deutlicher zu klären. Peter Müller-Neff (FGL) forderte Aufklärung in der Sache und verlangte Offenlage aller Zahlen in der nächsten öffentlichen Kulturausschuss-Sitzung. CDU, Freie Wähler und FDP äußerten sich nicht dazu. Anders Oberbürgermeister Horst Frank. Zum Schluss der Debatte sagte er zu den Gagenzahlungen: „Ich kann nur sagen, dass ich überrascht war, als ich es gelesen habe.“

Die Südwestdeutsche Philharmonie in Konstanz steht vor finanziellen Problemen: Ein Defizit von rund 700.000 Euro belastet das Orchester. Lesen Sie alle Artikel zur Philharmonie in unserem Themenpaket.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
Schilda
Wie grauenhaft unterfordert muss der Gemeinderat bzw. mehr ...
Viel Qualität für kleines Geld !!!
Noch nie habe ich eine Fasnachts-Veranstaltung von mehr Qualität gesehen: Da können auch die ... mehr ...
P.S:
Für alle, die sich wundern - als ich den Artikel anklickte, war in der Headline der ... mehr ...
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014