Konstanz - Eine Durchschnittsfamilie, die ihre jährlichen 3500 Kilowattstunden Strom bei den Stadtwerken bezieht, zahlt 768,99 Euro. Damit liegen sie beim Verivox-Stromrechner auf Platz 44 der Anbieter. Der günstigste, die Flex-Strom GmbH, verlangt 565,52 Euro. Allerdings bekommen die meisten Kunden der Stadtwerke Konstanz ab 2008 reinen Ökostrom. Daher ist ein Vergleich mit anderen Konkurrenten interessant: Lichtblick (749,26 Euro) und die EWS Schönau (767,28 Euro) liegen nur knapp davor.
Bei einer zehnprozentigen Erhöhung, wie sie Anbieter Eon zum Jahreswechsel plant, würde der Preis bei den Stadtwerken von 768 auf rund 854 Euro klettern. Doch diese Preisrunde machen sie nicht mit. EnBW hat bislang nur mitgeteilt, die Preise seien bis März stabil.
Die Preispolitik der vier Stromriesen wird massiv kritisiert. Fachleute sehen die Erhöhungen als unbegründet an. "Wenn man sieht, dass die großen Versorger selbst Kraftwerke haben, die teilweise abgeschrieben sind, dürften sie die Preise nicht erhöhen - im Gegenteil: Sie müssten sie senken", sagte Stadtwerke-Chef Kuno Werner. So könne sein Unternehmen durch eine vorausschauende Einkaufspolitik die Preisgarantie bis Ende 2008 geben. Das gelte auch für die Gasversorgung. Hier werde der Preis zum Januar sogar gesenkt. Ein Durchschnitts-Haushalt spare dann rund 40 Euro im Jahr.
Viele Kunden hatten sich durch die Liberalisierung der Energiemärkte niedrigere Preise erhofft. Doch Fachleute hatten immer gewarnt, die großen Versorger, die den Großteil der Netze verwalten, könnten eine andere Politik verfolgen. Das hat sich wohl bewahrheitet. Kuno Werner: "Wir Stadtwerke wirken eher preisdämpfend. Da wir in kommunaler Hand sind, müssen wir auf die Bürger Rücksicht nehmen." Ausgerechnet die kleinen Stadtwerke werden damit zum Vorreiter.
Das bestätigt Thomas Schaefer, Geschäftsführer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz). Er zieht einen Vergleich mit der Formel Eins, bei der ein Rennfahrer an erster Stelle (Pole Position) das Rennen aufnimmt: "Für die notwendige Energiewende, den Umbau von atomaren und klimafeindlichen auf erneuerbare Energieträger hat sich Konstanz in die Pole Position gebracht und kann andere Stadtwerke locker auf der Innenbahn überholen." Wenn alle Stromversorger so agierten, gäbe das aus seiner Sicht einen Schub für den Ökostrom. Die Pläne, sich an einem Kohlekraftwerk zu beteiligen, kritisiert er aber. Besser sei es, auf Windenergie aus Offshore, also Kraftwerken im Meer, zu setzen. "Für Baden-Württemberg hätte dies Modellcharakter."
Einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in der Region fordert SPD-Stadtrat Jürgen Ruff. Es genüge nicht, den Kunden Ökostrom aus Wasserkraft zu liefern, die von weither kommt. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sieht er neben den Stadtwerken die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobak gefordert. Er sieht durchaus Potenzial, so bei Kraft-Wärme-Kopplung und Geothermie. Eine weitere Möglichkeit sei Wasserkraft, so gibt es Versuche mit einer Strom-Boje an der Donau.
Die Stadtwerke bieten seit längerer Zeit eine Ökostrom-Marke "See-Energie" an. Sie kommt Kraftwerken zugute, die in der Region erneuerbaren Strom erzeugen, wird aber wenig nachgefragt. Jürgen Ruff stuft diese Marke höher ein. Er schlägt daher vor, verschiedene Kategorien beim Ökostrom einzuführen: "Handelsklasse I wäre dann sozusagen der regional erzeugte Ökostrom, dessen Bezug dann auch der regionalen Wirtschaft zugute kommen würde."
