Die Gedanken, die wohl die meisten Einheimischen beim Anschauen eines Krimis vom Bodensee in der Reihe Tatort am meisten bewegen, bringt der Konstanzer Kulturbürgermeister Claus Boldt vielleicht am besten auf den Punkt. Er frage sich immer, bekennt er vor der Premiere des neuen Tatorts mit dem schönen alemannischen Namen „Nachtkrapp“, „wie die das so schnell schaffen, von dem einen Ort an den nächsten zu kommen“. Und wie es sein könne, dass Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) zur Tür eines bekannten Konstanzer Gebäudes hineingehen und sich plötzlich in einem ganz anderen Innenraum wiederfinden.
Da lachen die Gäste, die bei der
exklusiven Tatort-Premiere in der Spiegelhalle des Konstanzer Theaters dabei sein können – auch der SÜDKURIER hatte auf Einladung des SWR zehn Leserinnen und Lesern sowie ihren Begleitern eine einmalige Vorschau bieten können, die Begegnung mit den Hauptdarstellern auf dem roten Teppich sowie echte Film-Atmosphäre inklusive. Denn im ARD-Fernsehprogramm läuft der neue Tatort erst neun Tage später, am Sonntag, 7. Oktober, um 20.15 Uhr.
Der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix erzählt noch, dass viele der Schauspieler auch einmal an seinem Haus gearbeitet haben. Doch die Plaudereien mit Manfred Hattendorf, beim SWR der kommissarische Leiter der Hauptabteilung Film- und Familienprogramm, sind eigentlich nur für eines da: Sie sollen die Spannung erhöhen.
Und dann geht es los: Die bekannte Gänsehaut-Melodie, der immer gleiche Vorspann, die Kreise, die sich bedeutungsvoll enger und enger ziehen – und dann die erste Aufnahme, schon sie aus ungewöhnlicher Perspektive. Es ist mal wieder winterlich-neblig am Bodensee (zwischendurch aber auch mal spätherbstlich am Säntis und hoch über den Rheintal). Eine beklemmende Geschichte um Kindesmissbrauch, um eine blinde Stelle in der Vergangenheit von Klara Blum und um einen neuen, sperrigen Schweizer Kommissar nimmt ihren Lauf. Es gibt Fernsehunterhaltung auf Großleinwand, die neuen Charaktere gewinnen schnell an Kontur, bekannte Schauplätze werden inszeniert und gegen Ende birgt der Film sogar noch eine Reihe von echten Überraschungen.
Nachdem der Abspann zu Ende ist, bleibt es für einen Moment still in der Spiegelhalle, dann brandet Applaus auf – vor allem für Elia Sager, der den Jungen Moritz so großartig spielt und der auf der Bühne bekennt, dass es seine erste Filmrolle überhaupt war. Viel Zuspruch erfährt beim anschließenden Herumstehen auch Roland Koch, der einst am Konstanzer Stadttheater arbeitete und jetzt als Schweizer Kommissar Matteo Lüthi mit einsteigt und dem insgesamt langsamen, beklemmenden Film eine gewisse Weite verleiht.
Die Premierengäste sagen, es sei ein guter Film, spannend, er arbeite geschickt und dezent mit dem Thema Kindesmissbrauch. SÜDKURIER-Leserin Clauda Deutinger sagt etwa: „Besonders gut gefallen hat mir die neue Rolle Kommissar Lüthi, weil das ein starker Gegensatz zu Klara Blum ist, die ja still und sehr in sich gekehrt ist. Da passt so ein Power-Mann sehr gut dazu.“ Oder Sabine Neufang: „Mich hat es überrascht, wie dieser Kindesmissbrauch angedeutet wurde, er war ein wichtiges Element, aber überhaupt nicht voyeuristisch dargestellt. Das hat mir gut gefallen.“