Konstanz Das See-Burgtheater braucht ein Double

Bei den Proben für das See-Burgtheater-Stück "Kasimir und Karoline hat sich der Schauspieler Andrej Reimanns einen Arm gebrochen. Nun wird er in manchen Szenen von Elvio Avila gedoubelt.

Die Bühne am Ufer des Seeburgparks wird im Juli und August an 20 Abenden zum Rummelplatz. Die Szenerie bilden hauptsächlich ein großer Schiffscontainer und ein Gerüst. Ein Toilettenhäuschen und ein Kiosk dienen als Staffage. Ein feudales Mercedes-Cabriolet und ein lebender Vertreter der größten Pferderasse der Welt bereichern zeitweise die Bühne.

"Kasimir und Karoline" von Ödön von Horváth heißt das Stück, das das See-Burgtheater unter freiem Himmel aufführen wird. Unter der Regie von Astrid Keller wird deren Tochter Maria Lisa Huber als Karoline im Hippodrom auf einem Shire Horse reiten. Damit wird für die Spielleiterin ein großer Wunschtraum wahr, denn sie hatte nach 40 vergeblichen Telefonaten nicht mehr damit gerechnet, ein Pferd für die Inszenierung zu bekommen.

Einfacher war es da schon, einen Mercedes SL 500 zu leihen. Das edle Fahrzeug ereilte allerdings gleich bei der ersten Probe ein Ungemach, denn der Tankdeckel wurde abgerissen. Ein Schaden, der sich jedoch recht einfach beheben ließ. Schwerwiegender verlief jedoch Andrej Reimanns Sturz von einer Leiter im Gerüst. Die Folge: ein schmerzhafter Armbruch, der einen Krankenhausaufenthalt erforderte. So galt es nun schnell eine umsetzbare Lösung zu finden. Ein Ersatz kam offensichtlich nicht in Frage. So nimmt Reimann nach seiner Entlassung wieder an den Proben teil und wird von Elvio Avila an jenen Stellen gedoubelt, die er nicht selbst spielen kann.

Kaspar Locher schlüpft in die Rolle des Kasimir. Das Stück selbst kennt er recht gut, hat er doch bereits in zwei Aufführungen mitgewirkt. Nun ist für ihn ein Perspektivenwechsel angesagt, denn bisher mimte er Kasimirs unredlichen Kumpel Merkl Franz. Lennart Lemster findet Letzteren "wahnsinnig faszinierend". "Der schlägt, geht klauen und klinkt sich bewusst aus der Gesellschaft aus", urteilt er über seine Figur. Er will herausarbeiten, wo sie schwach ist und nicht nur zeigen, dass sie stark ist und andere manipuliert.

Wie intensiv die Proben sind, beschreibt Bastian Stoltzenburg. Als Speer hat er's halt auch nicht leicht. "Ich fühle mich immer mehr betrunken", sagt er, obwohl er nur Wasser und Saft trinke.

Florian Steiner ist auf der Bühne des See-Burgtheaters kein Unbekannter. Er gibt den besser gestellten Schürzinger, der mit Karoline anbandelt. "Eine ganz tolle Sprache, sie ist extrem dicht", schwärmt er über das Stück. Der Dichter habe viel weggelassen und sehr verknappt, ergänzt er. "Das ist die große Kunst von Horváth", bestätigt Leopold Huber, der immer ins Schwärmen kommt, wenn er von ihm spricht. "Horváth redet nicht darüber, sondern man spürt es im Verhalten der Leute", erklärt der Produktionsleiter.

"Ich liebe seine Sprache", sagt auch Ehefrau Astrid. "Sie hat so eine Komik. Ich habe so oft lachen müssen bei den tragischen Missverständnissen zwischen Karoline und Kasimir", erzählt sie. Aber ihr ist auch bewusst: "Das Stück ist nicht so aufbauend. Wir haben Remmidemmi-Musik, die wird für Stimmung sorgen", verspricht Keller.

"Musik ist der Bauch des Stücks", betont auch Leopold Huber deren hohen Stellenwert. Da passt es, dass Bühnenbildnerin Beate Faßnacht die Musiker mittig in die Szenerie hinein platziert hat. Im Container, dessen Seite zum Publikum hin geöffnet wird, sitzen sie auf jeden Fall trocken. Goran Kovacevic & Baro Drom Orkestar und der Chor werden zum so integralen Bestandteil der Inszenierung. Das kommt auch Beate Faßnacht entgegen, die die Band immer für die Zuschauer sichtbar haben wollte. Die Idee, mittels eines teildurchsichtigen Gewebes und geschickter Beleuchtung die ruhenden Musiker aus dem Geschehen heraus zu blenden, wurde zu ihrer Zufriedenheit verworfen. "Sie abzudecken wäre feige und respektlos", sagte Bühnenbildnerin nachdrücklich. "Sie stören nicht mehr als ein Schwan, der im Hintergrund vorbeischwimmt, denn wir müssen hier sowieso mit Ablenkung umgehen", ergänzt sie. Jetzt säßen die Musiker ganz offen da, zurückhaltend schwarz gekleidet, wie Faßnacht erklärt, die auch für die gesamte Kostümierung verantwortlich ist.

Das Bühnenbild habe sie dem Ort und Anlass gemäß entworfen, es solle die Sehnsucht nach Ausgelassenheit befördern. Dabei war sie sich immer bewusst: "Wir sind hier der granatenmäßigen Konkurrenz der Natur ausgesetzt." Wenn es nicht Nacht wäre, könnte auch ein Zeppelin die Blicke abirren lassen. Das würde dann zur originalen Regieanweisung passen: "Es ist bereits spät am Nachmittag und jetzt fliegt gerade der Zeppelin in einer ganz geringen Höhe über die Oktoberfestwiese."


Die Zeiten

Bis zum 10. August gibt es viele Aufführungen von "Kasimir und Karoline". Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr; ab 18 Uhr Einlass und Bewirtung. Die Dauer ist etwa zwei Stunden bei einer Pause. Die Bühne am Ufer des Kreuzlinger Seeburgparks ist überdacht. Gespielt wird bei jeder Witterung, außer bei Dauerregen oder Sturm. (nea)

Informationen zu den Aufführungen: www.see-burgtheater.ch

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